Der Reisemarkt 2012 . Digital

Wei­ter mit der Nach­ar­beit — der digi­ta­le Rei­se­markt wur­de auf der ITB 2012 vom VIR prä­sen­tiert und hat­te Schö­nes parat. Ich twit­ter­te bereits. Hier die aus­führ­li­che Ver­si­on. Apro­po: “Online” passt nicht mehr, mein Vor­schlag “Digi­tal” ist nicht zufäl­lig.

Basisdaten

Der Rei­se­markt hat sich fast nicht ver­än­dert. Kri­sen hin oder her, ca. 76% der Deut­schen machen eine Rei­se, ca. 15% ger­ne noch eine mehr. Dabei blei­ben 30% im Land (leicht stei­gen­de Ten­denz), 35% ans Mit­tel­meer (leicht sin­kend) und 9% tou­ren in die Alpen (leicht sin­kend).
Bei der Inter­net­nut­zung ist der Anstieg der Alten von 2006–2011 beacht­lich: Alter 50–69 = 76% (auf 61% der Bevöl­ke­rung) und bei 70+ gan­ze 138% Anstieg der Inter­net­nut­zung (=16% aller über 70jährigen).

Digitaler Reisemarkt

Die Nut­zung des Inter­net bei der Rei­se — gesam­te Custo­mer Jour­ney — über­trifft alle Erwar­tun­gen, sei­ne Bedeu­tung ist höher, als die aller Rei­se­bü­ros zusam­men. Janu­ar 2012: 55% der Deut­schen haben sich schon ein­mal im Inter­net zum Urlaub infor­miert, 45% inner­halb des letz­ten Jah­res. 33% haben schon ein­mal gebucht, 23% inner­halb des letz­ten Jah­res. Das meint die Gesamt­be­völ­ke­rung. Rech­nen wir das auf die hoch, die Inter­net haben, also mit Ein­kom­men und Bil­dung rele­vant für das Mar­ke­ting, sind die Zah­len deut­lich beein­dru­cken­der. Dann haben näm­lich 84% das Inter­net zur Rei­se­infor­ma­ti­on genutzt und 68% zur Buchung (Grup­pe: Rei­sen­de Onli­ner 14–70).

Die Zah­len zur Custo­mer Jour­ney (Deutsch­land) unter­schei­den sich von denen Goo­g­les (welt­weit): in D durchsch. 9h auf 13 Web­sei­ten; Welt­weit: 22 Web­sei­ten wäh­rend 9,5 Such­sit­zun­gen. Immer­hin sind in Deutsch­land 22%  zwi­schen 12–25h auf 20–50 Web­sei­ten! Es gibt also sehr unter­schied­li­che Jour­neys, denn 31% sur­fen 1–4h auf 1–6 Web­sei­ten, um sich zu inspi­rie­ren, infor­mie­ren, zu buchen etc..

Im Bereich Soci­al­Web sind fol­gen­de Zah­len inter­es­sant: über Face­book wer­den nicht nur Buchen­de bes­ser erreicht, son­dern über 60% der bis­her nicht online Buchen­den. Bewer­tun­gen wer­den zu über 60% immer genutzt und gel­ten als glaub­wür­dig. Dabei wer­den bis zu 4 Kri­te­ri­en benutzt, um die Glaub­wür­dig­keit ein­zu­schät­zen. Nach Face­book kommt direkt Stay­fri­ends mit immer noch ca. 30% Reich­wei­te bei Online-Rei­se-Affi­nen.
Tou­ris­ti­sche Unter­neh­men nut­zen zu ca. 50% Face­book und Twit­ter, mit einem Fünf­tel fol­gen Goog­le Pla­ces, Blogs und You­tube, sowie der eige­ne Wiki­pe­dia­ein­trag. Ca. 30% gene­rie­ren Umsatz im Soci­al Web und ca. 15% im mobi­len Web.
50% der mobi­len Inter­net­nut­zer (2012 = 22% der Bevöl­ke­rung) infor­mie­ren sich mobil über ihr Rei­se­ziel. Wei­te­re The­men sind Infor­ma­tio­nen über Unter­künf­te (38%), Ver­an­stal­tun­gen & Akti­vi­tä­ten vor Ort (32%) und kon­kre­te Urlaubs­an­ge­bo­te (18%). Dabei wird vor oft der eige­ne Rech­ner benutzt, die Zah­len bei mobi­len End­ge­rä­ten sind auf­fal­lend gerin­ger.
Inter­es­sant: bei der Cross­nut­zung von Rei­se­por­ta­len und Soci­al Media Sei­ten liegt Goog­le+ zusam­men mit WKW und Xing an 3. Stel­le mit ca. 20%.

Die Stu­die kom­plett beim VIR.

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Ein Kommentar bei „Der Reisemarkt 2012 . Digital“

  1. Eine sehr tref­fen­de Inter­pre­ta­ti­on der Daten. Viel­leicht kann ich noch was dazu ergän­zen, wie man die jewei­li­gen Stich­pro­ben einer Erhe­bung ein­ord­nen kann. Das kommt beim VIR des­halb zum Tra­gen, weil es sich um meh­re­re Stu­di­en han­delt, die nicht unbe­dingt ver­gleich­bar sind. Qua­si ein Mas­hup. Die Qua­li­tät der Daten ist sehr unter­schied­lich. Die Daten der Rei­se­ana­ly­se, der GfK und von Web-Tou­ris­mus (Last-Minu­te-Rei­sen) sind jeweils reprä­sen­ta­tiv zur deut­schen Bevöl­ke­rung. Bei den ande­ren Stu­di­en fehlt die­se Anga­be. Das muss nicht zwin­gend schlecht sein und es kommt immer dar­auf an, was man her­aus­fin­den möch­te. Man soll­te aber im Blick haben, dass es dadurch zu einer Ver­zer­rung der Ergeb­nis­se kom­men kann.

    Hin­zu­wei­sen ist im Fall der Glaub­wür­dig­keit auf die Art der Ska­la, die eher unüb­lich ist. Hier wur­den vier Aus­wahl­op­tio­nen bereit­ge­stellt, wel­che mit “sehr glaub­wür­dig”, “glaub­wür­dig”, “unglaub­wür­dig” und “sehr unglaub­wür­dig” vor­de­fi­niert waren. Glei­ches gilt für die Ein­schät­zung, ob man sich bei der Wahl der Unter­kunft beein­flus­sen lässt. Hier waren die Optio­nen: “Sehr”, “Etwas”, “Wenig” und “Gar nicht”. Es ist sehr wahr­schein­lich, dass es hier zu einer Ver­zer­rung kam. Bes­ser wäre ver­mut­lich gewe­sen, die Ant­wor­ten nicht zu benen­nen und eine übli­che 5er pder 6er Likert Ska­la zu ver­wen­den, bei denen ledig­lich die Pole mit “glaub­wür­dig” und “unglaub­wür­dig” benannt sind.

    Abge­se­hen davon, dass man ab und zu genau­er hin­schau­en soll­te, ist die Zusam­men­stel­lung aber wie­der ein­mal sehr gelun­gen und mir bei mei­ner Dok­tor­ar­beit eine gro­ße Hil­fe!

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