Neues zu Facebook vom FacebookCamp 2014

Face­book hat mit ca. 1.3 Mrd. Lesern mehr, als jedes ande­re Medi­um die­ser Erde. Das Face­book­Camp ist der Treff der Insi­der mit Wis­sens­drang. Macht ergo: Insights vom Feins­ten zum dicks­ten Medi­um der Welt.

War­um ist Face­book Scheis­se?” Unter lau­ter Face­book-Arbei­tern muss mein Ses­si­on-Titel wie ein ech­ter Kon­tra­punkt gewirkt haben. In Wirk­lich­keit war es eine Bran­dings­es­si­on, um den Bereich der Sym­pa­thie­wer­te der Mar­ke Face­book aus­zu­lo­ten. Die Ergeb­nis­se sind so beein­dru­ckend und viel­fäl­tig, daß ich an der Aus­wer­tung noch ein wenig sit­zen wer­de. (Rich­tig, das ist ein Cliff­han­ger ;-)

Was ist Vira­li­tät und wie misst man sie?” Alex­an­der Ell­hof zeigt in sei­nem Vor­trag und Dis­kus­si­on u.a. die Repro­duk­ti­ons­ra­te zur Mes­sung von Vira­li­tät (Mes­s­ein­heit: Sha­res pro View) und das STEPPS- Modell von Jonah Ber­ger zur Vira­li­tät von Con­tent. (Soci­al — Trig­ger — Emo­ti­on — Public — Prac­tical — Sto­ries)

Facebook_Camp_2014_Insights_NewsWas gibst Neu­es bei Face­book?” Hei­ko Hebig, UrBlog­ger und jetzt bei Face­book Deutsch­land,  füll­te den größ­ten Raum mit exakt allen Teil­neh­mern des Bar­camps. Die kol­lek­ti­ve Intel­li­genz soll­te recht behal­ten. Es gab Mehr­wert.
Knall­har­te Ansa­ge: Es exis­tiert kein Edge­Rank, nicht­mal das Wort gibt es insi­de Face­book. Aber: es gibt einen Enga­ge­ment-Algo­ryth­mus (Algi). Gut, das sagt Face­book seit Jah­ren, aber irgend­wie will wohl kei­ner hin­hö­ren. Der Algi macht fol­gen­des: bei jedem Laden der Face­book-Sei­te wer­den die Bei­trä­ge nach Rele­vanz neu berech­net. Wer also denkt, Bei­trä­ge wer­den nicht ange­zeigt:
i. ein­fach nach unten scrol­len (dann wer­den die weni­ger Wich­ti­gen nach­ge­la­den)
ii. Sei­te neu laden, dann berech­net der Algi neu

Was bedeu­tet das für Sei­ten­be­trei­ber? Ver­giss die Sei­te! (Dazu gleich mehr.) Es bedeu­tet: je mehr Sei­ten ein Nut­zer gelik­ed hat, des­to gerin­ger ist die Chan­ce, selbst prä­sent zu sein. Bei “fet­ten” pri­va­ten Events wie Hoch­zei­ten und Neu­kin­der, sinkt die Chan­ce gegen Null. Was “guter Con­tent” bei Goog­le, ist eben auch “guter Con­tent” bei Face­book — das Non Plus Ultra der Platt­form. Der Algi berech­net sogar, wann die Wer­bung nervt und das Enga­ge­ment mit der Platt­form sinkt — und spielt weni­ger Wer­bung aus.

Auch nicht übel: Face­book legt Kon­tex­te an. Die Key­wor­ds eines Bei­trags wer­den mit den Kon­tex­ten abge­gli­chen und erhö­hen die Wer­tig­keit des Bei­trags, wenn die­ser _Unique_ ist. Das betrifft sogar die URLs im Bei­trag. Wie bei Blogs also: Spre­chen­de URL’s sind bes­ser, als Bit.ly-Links. Selbst die Ein­zig­ar­tig­keit der Bil­der wird gegen­ge­prüft.
Machen wir hier kurz eine Pau­se: mein ers­tes eige­nes Insight: Goog­le hat ja schon gigan­ti­sche Rechen­zen­tren, aber: Neh­men wir mal nur die Suche. So ein Index einer Web­site, wie­viel weni­ger und wie­viel weni­ger kom­ple­xer Con­tent ist das gegen die Samm­lung der Bei­trä­ge, die in Echt­zeit auf Rele­vanz berech­net und ange­zeigt wer­den? Apro­pos Bil­der­ken­nung: “Kein Ding” war zu hören.
Dabei geht es natür­lich nicht nur um uni­quen Con­tent, son­dern auch um Inhal­te, die “mensch­lich klin­gen” und nicht von Auto­ma­ten gepos­tet wer­den. Die Anbin­dung exter­ner Quel­len, wie Blogs und Twit­ter ist also kein Pro­blem, nur die Inhal­te, die damit gepos­tet wer­den sind es zu oft, weil, sie klin­gen “auto­ma­tisch”.

Apro­po Hard­ware — ein enorm wich­ti­ges Insight: nicht am Rech­ner tes­ten, son­dern am Han­dy, nicht für den Rech­ner schrei­ben, son­dern für das Han­dy. War­um? Die Nut­zer machen es so. Face­book spielt Inhal­te je nach End­ge­rät aus, der Algi rech­net anders, die Sei­ten sehen anders aus, die Inhal­te sind ande­re. Ab sofort also bit­te für mobi­le Nut­zer arbei­ten, sonst blöd. Inso­fern macht die Ent­wick­lung Rich­tung News bei Face­book total Sinn. Mei­ne Defi­ni­ti­on für Twit­ter, kommt jetzt wohl auch für Face­book ins Spiel: Soci­al News Messa­ging. Unter­schied: Face­book erlaubt län­ge­re Tex­te, als Twit­ter.
In dem Zusam­men­hang ein tech­ni­sches Insight: Open Graph Tags (OG-Tags) soll­te die Web­sei­te, von der gepos­tet wird, beherr­schen. Dann wer­den die Inhal­te auto­ma­ti­siert bes­ser dar­ge­stellt und das Enga­ge­ment steigt, auch mobil. (Das macht Wor­d­Press übri­gens auto­ma­tisch via Jet­pack.)

Da der Algi stän­dig neu rech­net, ergibt sich noch ein Insight: Tes­ten, Tes­ten, Tes­ten. Es gibt kein Best­Prac­tise und “So ist es rich­tig” mehr. Jede Sei­te funk­tio­niert anders. Für jede Sei­te muss sel­ber getes­tet wer­den. Und: Den rich­ti­gen Post­typ benut­zen! Wenn es ein Link ist — dann den Link­post­typ, wenn es ein Bild ist, dann den Bild­post­typ etc.

Bevor das hier noch all­zu­lang wird, mein per­sön­lich größ­tes Insight. Manch­mal braucht es so ein Camp, damit das Augen­fäl­ligs­te sicht­bar wird. Frü­her muss­te man Pages liken, um deren Inhal­te zu sehen. Heu­te macht jeder sei­ne Sei­te auf, damit mög­lichst alle Bei­trä­ge öffent­lich geteilt wer­den kön­nen. Was pas­siert? Die Sei­ten und Ihre Fan­zah­len wer­den viertran­gig, immer unwich­ti­ger. Nie­mand geht mehr auf eine Sei­te. Die Apps dort sieht kein Mensch. Tip1: mobi­le Web­sei­ten als Lan­ding­pa­ge, statt FB App. Dadurch ergibt sich aber noch ein Pro­blem: Für das Bran­ding hat sich die Page fak­tisch erle­digt. Nur noch im erfolg­rei­chen Bei­trag kann der Absen­der gese­hen wer­den. Den merkt sich aber kein Mensch. Der Fokus liegt ja auf dem Bei­trag. Damit sind die meis­ten Bei­trä­ge von Unter­neh­men wie Fens­ter auf: Schwups und weg. Aus­ser, ja, aus­ser: die Mar­ke fin­det im Bei­trag statt und ist erfolg­reich. DAS ist die aktu­el­le Her­aus­for­de­rung für alle Arbeit auf Face­book.

Mehr Bei­trä­ge zum Face­book Camp gibt es hier.

Bild­quel­le: Twit von Mag­da­le­na Rogl, Tomor­ro­w­Fo­kus

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Ein Kommentar bei „Neues zu Facebook vom FacebookCamp 2014“

  1. Auf den Bei­trag habe ich gewar­tet, Micha­el. So muss ich ihn nicht mehr schrei­ben. Und so gut hät­te ich es eh nicht gekonnt. Eine Bemer­kung noch zu Face­book. Da klafft wohl, trotz der über­zeu­gen­den Vor­stel­lung von Hei­ko Hebig, auch noch eine Rie­sen­lü­cke zwi­schen eige­nem Anspruch und Wirk­lich­keit. Wir haben gera­de ver­sucht, auf einer Sei­te einen Post auf zwei Län­der zu begren­zen. Lei­der sieht ihn nun die gan­ze Welt. Wenn jemand die Lösung kennt, bin ich ein dank­ba­rer Abneh­mer, auf Goog­le+, Twit­ter und, na ja, Face­book eben …

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