(Impulsvortrag auf der Fachtagung der FHM, aus dem Gedächtnis)

Nein. Genauso wenig wie ein iPhone oder eine Wii, die beiden Verkaufsschlager des Jahres.
Wir Deutschen sind oft pragmatisch – aber wer mag pragmatische Produkte oder ist bereit dafür viel Geld auszugeben?

Die „Renner“ unter den Produkten sind sexy, das Gegenteil von langweilig. iPhone und Wii sind aber noch viel mehr – sie stehen für Web 2.0 unterwegs und Virtual Reality.
Das iPhone erlaubt es, mit meinen Freunden, Bekannten, Kollegen und Kunden ständig in Kontakt zu bleiben. Auf der Wii erlebe ich ein virtuelles Spiel so, als wäre mein ganzer Körper live dabei.
(Bis zu realen Verletzungen, weil „die Türklinke“, die dem Schmetterball im Weg war, virtuell nicht vorhanden ist.)

Um zu verstehen, warum Second Life für den Mittelstand wichtig ist, muss man aber erst verstehen, worum es überhaupt geht.

Web 2.0 ist die Umsetzung der wesentlichen Visionen zum Internet. Ein Weblog entspricht sehr exakt der Vorstellung Vannevar Bush's vom Memex. Einer Vision von 1946.
Ein Wiki wiederum lässt Tim Berners Lee's Idee eines einfachen, besseren Projektmanagements wahr werden. Das war Anfang der 80iger.

Seitdem ist viel passiert. Zum Beispiel hat sich unser Verständnis vom Computer als Medium gewandelt. Computerspiele gehören zu den komplexesten Anwendungen auf dem Computer, nicht Texte, Bilder oder Videos anschauen, wie jetzt im Web. Sony hat bereits vor 10 Jahren 50% seines Umsatzes mit Computerspielen gemacht, neben Fernsehern, Walkmen und Toastern. Der Markt hat bekanntlich letztes Jahr die Kinobranche überholt. Computerspiele sind 3D, hochgradig interaktiv und oft vernetzt.

Die Vision hinter Second Life ist der Cyberspace. Dahinter steht ein völlig anderes Bild des Computers und des Netzwerkes. Der Cyberspace zeigt als Idee, was der Computer als Medium zu leisten imstande ist – 3D, interaktiv und vernetzt. Er ist die wahre Vision hinter dem Internet, seine nächste Stufe. Second Life ist der Cyberspace. Er ist das, was das Internet immer werden wollte. Kein Spiel, sondern ein reiches Medium für grenzenlose Kommunikation. Und es wächst schnell.

Eine Bemerkung zum Thema Tempo: In 10 Jahren hat das Internet die Welt überrollt. Am Anfang standen Zweifel hinsichtlich der Benutzbarkeit und der unausgereiften Technologie. Exakt diese Bemerkungen hören wir jetzt wieder bei Second Life.
E-Mail gilt unter 20 jährigen als „veraltete Technologie, um die Eltern meiner Freunde zu erreichen.“ Second Life kommt und es kommt schnell. Wissen Sie noch, wie die Einführung der eigenen Website in Ihrem Unternehmen war? Welche kulturellen – nicht technologischen – Schwierigkeiten entstanden sind?

Schauen Sie jetzt auf Bilder aus Second Life. Können Sie sich vorstellen, was da auf Sie zukommt? Sie werden mir zustimmen, daß es Sinn macht, sich damit zu beschäftigen. Sie müssen es ja nicht selber machen.

Was macht nun also Sinn? Z.B.:

– Second Life ist sexy und macht Ihr Unternehmen sexy
– Second Life Projekte können in klassischen Medien verwendet werden
– Second Life bietet wunderbare Besprechungsräume und Lernzentren
– in Second Life können Sie mit 3D Simulationen Produkte verkaufen

Ein kleines Gedankenspiel zum letzten Punkt:
Warum nicht mal die Maschine, die gerade in der Entwicklung ist, in Second Life bereits fertig präsentieren?
Warum nicht ein paar der hunderttausend Ingenieure, die im Internet aktiv sind, an der Entwicklung der Maschine beteiligen?
Warum nicht einfach das Modell für interne Präsentationen benutzen, damit alle Beteiligten die gleiche Idee, das gleiche Bild des zukünftigen Verkausschlagers haben?

Im Prinzip kann alles, was in den ersten Jahren des Internet das Beiwort „virtuell“ bekam, jetzt umgesetzt werden. Bis hin zum virtuellen Unternehmen, dessen Mitarbeiter nur virtuell vorhanden sind.

Zukunft? Mitnichten. Es passiert bereits.

Innovationsfreude und Kundennähe sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren im Mittelstand. Web 2.0 und 3.0 sind nichts anderes. Noch näher kommen Sie an Ihre Kunden nicht heran. Nutzen Sie Ihre Vorteile, das, was Ihre Unternehmen auszeichnet. Es geht nicht um Geld, es geht nicht um Technologie – es geht einzig um Ihre Sicht auf die Welt.

(Gerade jetzt auch Live auf Second Life)
>> Fachtagung FHM: Mittelstand & Web 2.0
>> Fachtagung in Second Life

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3 Responses to Braucht der Mittelstand Second Life?

  1. Anwendungen für Web 2.0 Technologien
    Prof. Leisenberg hat freundlicherweise seinen Vortrag von der Web 2.0 Mittelstandskonferenz online gestellt. Darin findet sich folgende Liste von Anwendungen und Anwendungsfeldern für Web 2.0 Technolo…

  2. Petra Sammer sagt:

    Danke für das Plädoyer gegen und für Second Life. Und auch die Mühe, SL endlich auch einmal besser zu erklären. Ergänzend fände ich noch schön – wenn ich eine Bitte äussern darf – auch den Begriff "Mittelstand" zu erläutern, denn dies scheint mir in diesem Zusammenhang ganz wichtig … oder auch nicht?

  3. Anonymous sagt:

    In diesem Fall würde ich mich an die Kernkriterien halten, da der Begriff nicht einheitlich definiert ist:

    – mehr als 10 Mitarbeiter und 1 Mill. Umsatz
    – maximaler Jahresumsatz von 500 Millionen Euro
    – Die Einheit von Eigentum, Leitung, Haftung und Risiko, also Einheit von wirtschaftlicher Existenz und Führung

    (http://de.wikipedia.org/wik…)

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