Was kommt nach Storytelling, Du Ochse? Ist der gläserne Kunde butterweich? Kann Dieter Nuhr integriertes Marketing? Diese Fragen werden heute beantwortet. Versprochen. Der Beitrag ist auch extra kurz geworden. Hyperpersönlich, sozusagen.

In einer Welt zwischen Storytelling und Internet der Dinge, gehen auch die Markentrends auseinander. Dazu gibt es heute zwei bemerkenswerte Studien:

Teil 1: Persönliches Storybuilding im emotionalsten Moment

Für die Kommunikation präsentiert TWT vier Trends aus den USA, die eine spannende Frage aufgreifen: was kommt nach Storytelling? Immerhin gibt es recht viele Geschichten da draussen. Wie kann man sich da absetzen? Die vier Möglichkeiten sind:

Hyperpersonalisierung: „Du Ochse!“ heisst ja noch lange nicht, daß Sie einer sind und Gras fressen. So ist es auch im Marketing. „Persönliche Ansprache“ heisst auch nicht, das jemand mit mir persönlich spricht. In der Praxis heisst das, ein Teil des Namens ist bekannt und taucht in der eMail auf. „Hallo Hr. Domsalla, schön, daß wir Ihre Adresse erwerben konnten.“ Hyperpersonalisierung soll das ändern und endlich auch die ganzen anderen Daten nutzen. Echte, persönliche Angebote! Das stärkt die Loyalität der Kunden und den Umsatz. Klar. Warnhinweise werden gleich mitgeliefert: „Vorsicht, die Interessen der Kunden können sich ändern, bleiben Sie flexibel!“
„Schatz, hast du das Gras irgendwo gesehen? Mir ist das Papier ausgegangen.“ „Und du Ochse meinst, du wärst Kreativer? Werde erstmal kreativ.“ Wer da nicht selber wieder rauskommt, der besorgt es sich eben anders:

Storybuilding: „Könnte bitte jemand dem Medizinmann sagen, daß er aufhören soll, Hirsche an die Wand zu malen… Wir brauchen was zu fressen!“ Geschichten werden seit 40.000 Jahren erzählt. Meist mit mehr Erfolg. Das ist dem Marketeer zu Altbacken. Heute werden Geschichten gebaut! Das Internet als Mitmach-Medium, so wie in „Turnclub Vater Jahn“, kann mehr. Weil die Budgets sowieso knapp sind, genauso wie Zeit, macht der Kunde die Geschichten nicht nur selbst, er ist auch noch Teil dieser Geschichte. Mehr Markenbindung geht gar nicht. Wozu sollte sich das Unternehmen mit der Marke beschäftigen, wenn der Kunde noch immer Freizeit hat? Bei Bankautomaten klappt das doch auch!
Zu diesen gibt es im Marketing einen schönen Unterschied: Dank Facebook, Instagram und Pinterest werden die Messages immer visueller. Was uns zur Höhle zurück bringt. Merke: Wer nix zu tun hat, tanzt gemeinsam um den Hirsch. Das Bild natürlich. Den Echten haben sie im Rausch vergessen. Hach ja, die Kunden…Da hat wohl einer das Papier gefunden. Wer hingegen noch Zeit & Budget hat, muss sich derweil mit dem Folgenden behelfen:

Native Advertising: Apropos Höhlenmalerei: Endlich kommt die Werbung zu Ihren Ursprüngen zurück, sie wird wieder native, so wie in native american. Da alle Welt den Werbeblock überblockt, wird es Zeit, daß er so aussieht, wie die Seiten, die sonst keiner mehr liest, also der redaktionelle Teil. Erfolgreiche Formate wie Buzzfeed, in der Marken-Trust-Skala (MTS) ganz weit oben, zeigen wie es geht, also das mit dem Geldverdienen. Ob bei lauter Listicles (das Wort stammt vom deutschen „listig“ ab), also den 10 Dingen, die sie über Ihr Toilettenpapier unbedingt wissen müssen und Punkt 8 wird Ihren Ar… retten, noch die Marke hängenbleibt (sorry für das Wortspiel), wissen wir noch nicht. Ist ja ein Trend. Obwohl, hatten wir das nicht schon vor ein paar Monaten? Jede Kultur muss sich weiterentwickeln, man kann nicht ewig naive bleiben. Jetzt geht es also darum, im Erfolgsdreieck von eingekauften Inhalten, abgefahrenen Themen und echten Schwerpunkten das Wirtstier auch noch qualitativ zu verbessern – früher als Presse bekannt. (Falls mir eines der „t“ abhanden gekommen ist, es muss irgendwo in der Höhle liegen. Danke!)
Kommen wir also zur ultimativen Zukunft! Verlassen wir die Höhle der Grasfresser! Nehmen wir den Hirschsteakburger unter den Trends! Für echte Männer! Für die, für die, also für die Grünzeug nur in Papier passt:

Connected Moments: „Precision Moments Targeting“, PMT, in der Zukunft besser bekannt als „Pimp my Target“, heisst die Devise: Dank Internet der Dinge können die Momente gefiltert werden, in denen Kunden besonders empfänglich für die passende Botschaft sind.

[Raum für Ihre Fantasie. [Ja, Sie können den letzten Satz nochmal lesen, ist nicht von mir. [Jedenfalls nicht ganz.]]]

[Genug geträumt, jetzt geht’s weiter mit harten Fakten.]

Das Targeting greift endlich nach den Emotionen. Praktisch betrachtet, schafft das Targeting noch nichtmal eine saubere Interpretation von Orten, aber warum nicht nach vorne schauen, zumal uns das in den zweiten Teil bringt:

Teil 2: CMO’s haben weltweit den kleinsten

Fortschritt. Findet jedenfalls IBM. Es geht um Kompetenz im digitalen Marketing. Wieder so eine uneigennützige Studie. Andererseits: die CMO’s kümmern sich nicht darum. Die Wissenschaft zweifelt an sich selbst. Wo soll relevantes Wissen also herkommen?

Und im Kern hat die IBM („Ich Bin Michael“ (#Achtung, naive Advertising!)) ja recht. Sie sind zu 63% an der Entwicklung von Strategien beteiligt (die CMO’s, nicht IBM), zweiter Platz hinter den CFO’s), aber zu 37% Traditionalisten, die Ihre eMail immer noch am Rechner abrufen – lassen. Leider ist der prozentuale Anteil an Traditionalisten unter den CFO’s nicht gemessen worden. Gäbe sicher spannende Korrelationen zum Unternehmenserfolg.
Dafür haben wir andere spannende Zahlen: die wichtigsten Komponenten für eine digitale Strategie. Die wichtigste Aussage zu den wichtigsten Komponenten ist, daß diese bei über 50% der Unternehmen unterentwickelt sind. (Erlauben Sie den Einschub: da wurde wohl eine Vertriebsstudie bei IBM durchgeführt, jede Menge Marktpotential entdeckt und als Themenstudie über die PR weiter vermarktet – so sieht integriertes inkl. Content Marketing aus! „Super!“ würde Dieter Nuhr sagen. Einschub Ende. Es ging um Komponenten, weiter also.) Der Mangel interessiert uns aber nicht, weil das ja auch nur heisst, daß wir den Wettbewerb weiter abschütteln. Schließlich sind wir Marketers, Männer für die, also für die. Die Komponenten also sind:

  • Zusammenarbeit mit Kunden über soziale Netzwerke
    (In Zukunft wird das über Storybuilding noch wesentlich professioneller. Dann arbeiten die Kunden mit sich selbst zusammen, erleben die Marke hautnah, in der Entstehung sozusagen und ganz rein, so ohne störendes Unternehmen. Dann überholen die CMO’s endlich die CFO’s in der nach oben eben nicht offenen Karriereskala.)
  • Integrierte Kundenkontaktpunkte, physisch und digital
    (Sag ich nichts zu. Sie haben das Bild?)
  • Vernetzte Mitarbeiter, deren Qualifikationen an Geschäftschancen ausgerichtet sind (Wohlan, ich zitiere nur! Keine Ahnung, ob IBM demnächst SAP aufkaufen will?)
  • Erweiterte Analyse zur Erfassung von Kundeninformationen an allen Kontaktpunkten (Ob Anne das mit dem Touchpoint-Unternehmen gemeint hat? Oder hat IBM das reingenommen, weil Anne damit Managementbuch des Jahres geworden ist? Man weiß es nicht.)
  • Digitalisierte Lieferkette
    (Dann werden endlich auch die LKW abgeschafft und die Pferde lachen sich ins Fäustchen.)

Spannend auch die Zahlen zur Planung des Einsatzes digitaler Tools (Seite 4 der Charts). Spannend deshalb, weil man mit Leichtigkeit jedes Buzzwordbingo ausgefüllt bekommt. Man kennt den Thrill. Spannend auch, weil sich die Planung im Jahr 2013, gegenüber der vom Jahr 2011 fast irrsinnig intensiviert hat. „Intensiviert? Die Planung?“ werden Sie zurecht fragen. Ja. Es wird nun noch mehr geplant, Mobile, CRM, Analyse, Kollaboration etc. einzusetzen, als man es 2011 schon geplant hatte.

Gut, der Beitrag war auch kürzer geplant. Ehrlich! (Wie in „Seinfeld-spricht-über-Werbung“ Ehrlich.) Muss ich nächstes Jahr intensiver planen. Auch so ein Trend. Jetzt plane ich erstmal diesen Beitrag hier. Der ist nämlich von Gestern. Ist ja auch ein Blog und kein Wirtstier. Connected Moments, sag ich nur. Connected Moments! Denken Sie beim nächsten Bier an mich, am Besten hyperpersönlich.

 

Bildquelle: Beitragsbild vom Brandbook Messestand, Flickr, 15. Mai 2010, Creative Commons 2.0, Ausschnitt des Bildes. 

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