Für die Markenarbeit ist Sprache zugleich Werkzeug und Grenze. Wird aus dem Markenzeichen ein Markensymbol, endet die kognitive Macht der Sprache. Symbole verweisen in die Unendlichkeit. Sprache fokussiert und strukturiert. Mehr noch: bei gutem Licht sieht man, daß Marken Metasymbole sind, sie vereinen eine ganze Reihe von Symbolen.

Bleibt die Erkenntnis, das man Sprache ausreizen muss, zugleich aber Ihre Grenzen berücksichtigt, will man ordentlich arbeiten.

Apropo „ordentlich“ – *lich ist eine interessante Endung. Sie macht etwas ganz Bestimmtes mit Ihrem Objekt, je nachdem, ob es Substantiv, Verb oder Adjektiv ist. Undzwar:

  • Zugehörigkeit: ordentlich = dem System der Ordnung zugehörig (wertet)
  • Benutzbarkeit: erklärlich = kann erklärt werden, zu einer Erklärung führen (dynamisiert)
  • Benutzung: wissentlich = hat bei einer Handlung Wissen benutzt, trotz Wissens gehandelt (ist dynamisch)
  • Wiederholung: täglich = jeden Tag wieder (bleibt dynamisch)
  • Abschwächung oder Differenzierung: dümmlich = nicht richtig dumm oder rundlich = hat keine Ecken (bewertet)

Ausführlicher im Duden.

Zurück zur Marke. Machen wir einen Dreiklang auf: 

i. Marken schaffen Bedeutung – ii. Bedeutung schafft Sinn – iii. Sinn kann man fühlen (Marke = Bauchgefühl)

Jetzt bringen wir das zusammen. 

„Lich“ war im Mittelhochdeutschen ein eigenes Wort, bevor es -Endung wurde, und stand für Körper, Leib(esgestalt) und war die Vorlage für „Leiche“. Oops. Was macht es mit dem Wort „Sinn“? Einiges. Wer dachte, Sinn ist etwas Logisches, wird sich wundern, der Begriff bekommt jetzt Körper:

  • Sinnlich – ist dem Sinn zugehörig. Wer hätte das gedacht. So ein emotionaler Begriff, gefühlvoll, mit Kraft zur Poesie, gehört zu etwas im Allgemeinen sehr rational Verstandenem. Sicher, ich kann auch „sinnvoll“ sagen. Nur hat, entsprechend sprachlicher Logik, auch sinnlich etwas mit Sinn zu tun.
  • Sinnlich – kann zu Sinn führen. Dann kann etwas Sinnliches das Gefühlsleben anstossen, dynamisieren, sich „gut und richtig anfühlen“.
  • Sinnlich – kann etwas sein. Dann ist das eine dynamische Emotion, ein Erleben. Es ist Sinn in Motion.
  • Sinnlich – ist das Sinnliche immer wieder, so lange es als sinnlich erlebt wird. Ein Hauch Ewigkeit. Wer mag, kann „sinnlich“ in der Google Bildersuche eingeben. Da sieht man, was ich meine.
  • Sinnlich – ist nicht das Ding an sich, zugleich aber deutlich {oops} vom Unsinnlichen zu unterscheiden.

So ich also die Grenzen der Sprache nicht überschritten habe, verbindet sich im Sinnlichen das Rationale mit dem Emotionalem. Das Beschreibbare mit der Unendlichkeit, die Bedeutung mit dem Sein, das Zeichen mit dem Symbol. Sinnliche Marken machen also Bedeutung spürbar. Sie sind attraktiv, nicht sexy. Natür“lich“ gilt das nur für starke Marken.

Marke_Sinnlichkeit

 

Bildquelle: Sinnliches für Mutter und Kind – Fair trade Bio-Düfte und -Öle

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