Die Zukunft der Zeitung

Das klingt pau­scha­ler, als die Zei­tungs­land­schaft ist. Doch etwas bleibt: wenn die New York Times Ihre Tore schließt, was wohl im Mai soweit sein wird, geht ein Stück Zei­tungs­ge­schich­te mit Ihr ver­lo­ren. Das ist kein Grund zum Jam­mern, auch Pyra­mi­den wer­den nicht mehr gebaut. Das ist wohl eher ein Grund, die Augen auf zu machen.

von dem ant­ago­nis­ti­schen Ver­ständ­nis online ver­sus off­line weg­zu­kom­men und bei­des als zwei Sei­ten einer Medail­le zu ver­ste­hen.”

So schreibt Miri­am Meckel in Ihrem Blog­ar­ti­kel “Das epi­sche Medi­um” und meint damit, daß Zei­tun­gen erzäh­len sol­len, gut recher­chiert, span­nend auf­be­rei­tet, sinn­voll beob­ach­tet. Ande­rer­seits IST das Inter­net der News­room und Zei­tun­gen, die einen sol­chen haben, ver­su­chen die­sen Fakt zu imi­tie­ren (so wie Tie­re mit Ihren Far­ben gefähr­li­che Arten imi­tie­ren.)

Ein Gedan­ke baut bekannt­lich auf dem Ande­ren auf. Wenn wir schon soweit sind, daß das Inter­net schnel­ler ist, als die Zei­tung, auch kür­zer und somit die Zei­tung aus­führ­li­cher und genau­er sein kann, dann den­ken wir doch einen Schritt wei­ter.

Das wirk­li­che The­ma ist und bleibt Zeit. Doch dabei geht es nicht um Geschwin­dig­keit. Es geht um Zeit-Raum-Kon­ti­nu­en. Im Strom des Jetzt zu schwim­men macht nicht satt. Es beschäf­tigt nur und regt unser Gehirn an. Sel­bi­ges steht ja auf Ver­än­de­run­gen und Reak­ti­on. Aber Sub­stanz kommt immer aus der Ruhe, der Sta­bi­li­tät.

Ange­nom­men die New York Times bleibt im Netz, dann wird sie noch vie­le Mil­lio­nen Zugrif­fe haben (und immer aktu­el­le Goog­le Anzei­gen).  Aus News wird dann Wis­sen, Geschich­te, Hin­ter­grund.  Auch ein 5 Jah­re alter Arti­kel wird IN ECHTZEIT abge­ru­fen. Der Blick auf Zeit als Phä­no­men wird ein völ­lig ande­rer. Im Roman Snow­crash wird die Natio­nal­bi­blio­thek zu einem Echt­zeit- Medi­um. Inhal­te wan­dern sofort in den end­lo­sen Spei­cher. Der Abruf der Inhal­te, alter wie neu­er, geschieht eben­so im Jetzt. Es mag als Beleg gel­ten, daß der­zeit zwei Gat­tun­gen von Jour­na­lis­ten aus­ge­bil­det wer­den: Cross­me­dia- und The­men-spe­zia­li­sier­te Recher­che­jour­na­lis­ten.

Wann eine Infor­ma­ti­on für wen wel­che Bedeu­tung hat, hängt vom Indi­vi­du­um ab, nicht vom Medi­um.

Der zwei­te Punkt ist das Geschäfts­mo­dell. Mei­nes Erach­tens kommt zu Wer­bung die Trans­ak­ti­on dazu. Wenn über­all Ein­nah­men weg­bre­chen, weil die “Big Spen­der” Auto­mo­bil, Immo­bi­li­en, Finan­zen deut­lich weni­ger Anzei­gen schal­ten, so ist das kein Augen­blick. Es ist Zei­chen eines grö­ße­ren Wan­dels, der sich seit Jah­ren abzeich­net und auf den immer noch die Wenigs­ten reagie­ren.

Lie­be Zei­tun­gen: ihr hat­tet 10 Jah­re Zeit, Euch über neue Ein­nah­me­quel­len und somit über den Kern Eurer Exis­tenz­be­rech­ti­gung Gedan­ken zu machen. Han­delt, oder Ihr wer­det klei­ne, eli­tä­re Medi­en für Exper­ten. So wie die Schall­plat­te.

Ist Goog­le nicht auch die größ­te Zei­tung der Welt (an der eine Mil­li­ar­de Men­schen mit­schrei­ben)? Hilft das als Brü­cke?

Zum gleichen Thema

Ein Kommentar bei „Die Zukunft der Zeitung“

  1. […] las ich in Mar­tin Kosers Blog frog­pond über die Ergeb­nis­se einer Stu­die, die heu­te auf dem hei­se Por­tal zu Open Source Soft­ware ver­öf­fent­licht wur­den. Die Trend­stu­die wur­de Ende 2008 durch­ge­führt und wird in Gän­ze nächs­te […]

Schreibe einen Kommentar