Die Mecha­nis­men sozia­ler Netze fasst die NZZ sehr gut zusam­men und fragt sich zugleich, ob sich die sozia­len Struk­tu­ren der Men­schen auf­grund von Web 2.0 ändern

drei Regeln der Netzwerk-Theorie:
1) das «Small World»-Phänomen, 1967 von Stan­ley Mil­gram; besagt, dass jeder Mensch zu jedem ande­ren über maxi­mal sechs Ecken in Ver­bin­dung steht
2) das Met­calf­sche Gesetz, Robert Met­calfe; der Nut­zen, den ein Anwen­der aus einer Netzwerk-basierten Anwen­dung zie­hen kann, steigt nahezu expo­nen­ti­ell zur Gesamt­zahl der Nut­zer der Anwen­dung
3) Dun­bars Num­mer, vom bri­ti­schen Anthro­po­lo­gen Robin Dun­bar; schätzte die maxi­male Anzahl Per­so­nen, mit denen jemand eine Bezie­hung mit rela­tiv umfas­sen­dem Wis­sen unter­hal­ten kann, auf 150. Die maxi­mal Grösse eines sozia­len Netz­werks wird also letzt­lich von der Kapa­zi­tät des mensch­li­chen Gehirns begrenzt.

aus Marco Metz­ler: Die Mecha­nis­men vir­tu­el­ler Bezie­hungs­netze (Medien, NZZ Online)
gefun­den bei: Beer­feltz, FDP

- frü­her: dörf­li­che Gemein­schaf­ten, die Netz­werk­größe von 150 war über­schau­bar
– mit der Indus­tria­li­sie­rung wurde die Netz­werke weit­ma­schi­ger und vir­tu­el­ler- neue Stufe: SNS (Social Netz­work Sites) bil­den das kogni­tive Netz­werk eines Men­schen vir­tu­ell ab
– der Wert die­ser Netz­werke hängt von Ihrer Bezie­hung zu rea­len Net­zen ab und von der Qua­li­tät der sozia­len Kno­ten
– “Long Tail” sozia­ler Bezie­hun­gen: SNS ver­än­dern die mensch­li­chen Netz­werke an Ihren Rän­dern; der Mensch kann “viel grös­sere Zahl an flüch­ti­gen «Nischen­be­kannt­schaf­ten» verwalten”

Meine Anmer­kun­gen dazu:
– Typi­sche Nut­zung von Face­book und Twit­ter: was machen andere gerade, wie ver­än­dern sie sich, was pas­siert mit Ihnen. Auf die­ser Basis “leich­ter Beob­ach­tung” sind mul­ti­ple Netze der Größe 150 mög­lich.
– Zusätz­lich haben viele bereits PSN (Per­sön­li­che Soziale Netze) mit Leu­ten, die sie nie getrof­fen haben.
– Wei­ter­hin erzeu­gen soziale Netzte wie­derum PSN, von denen die Per­son oft nichts weiss. Z.B. die Com­mu­nity von Leu­ten auf last.fm, die den glei­chen Musik­ge­schmack haben.

Mei­ner Ansicht nach wird fol­gen­des pas­sie­ren: Netze wie Face­book wer­den sich wei­ter mas­siv fül­len. Auf die­ser Grund­lage bil­den sich völ­lig neue vir­tu­elle per­sön­li­che Netze rund um Inter­es­sen. Das war vor­her nicht möglich.

Den­noch wird sich die durch­schnitt­li­che Anzahl von 150 _hochwertigen_ Kon­tak­ten nicht ändern, da für den vol­len “sozia­len Kit” Face-to-face Medien uner­läss­lich sind. Die emo­tio­nale Tiefe einer Bezie­hung kön­nen tech­ni­sche Medien bis auf wei­te­res nicht abbilden.

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