Vermarktung von Video- Angeboten im Web

Was für ein Geschenk: Eine Fern­seh­sen­dung über Bücher im Inter­net. Drei klas­si­sche Medi­en in einem Pra­xis­test. Kann eine TV- Sen­dung im Web über­le­ben? Das war mein ers­ter Gedan­ke, als Fr. Hei­den­reich leicht trot­zig in’s Web wan­der­te. Allei­ne die gerin­ge Erfah­rung — (War­um wur­de die Sen­dung nicht schon frü­her digi­tal umfas­send beglei­tet?) — ließ Schlim­mes ahnen. Dazu der typi­sche Zuschau­er- Zah­len- Reflex, der den klas­si­schen Medi­en leich­tes Fut­ter im Kampf gegen das böse Inter­net lie­fern wür­de. Ver­mu­tun­gen, die sich bestä­tigt haben. Und den­noch — Hr. Knüwer lie­fert einen anschau­li­chen Bei­trag zum Erfolg der Inter­net- Lite­ra­tur- Sen­dung. Dazu gibt es einen guten Bei­trag zum The­ma Ver­mark­tung von Video im Web.

Der Erfolg ist leicht argu­men­tiert: im Ver­gleich zu ande­ren Sen­dun­gen, die teu­rer pro­du­ziert sind und ein mas­sen­taug­li­ches The­ma haben, lie­gen die Abruf­zah­len sehr hoch. Beach­tet man die furcht­bar schlech­te tech­ni­sche Umset­zung, die aktiv wei­te­re Zugrif­fe ver­hin­dert, lie­gen die poten­zi­el­len Abruf­zah­len noch höher. Addiert man jetzt noch Zuschau­er hin­zu, die nur des­we­gen nicht auf die Sen­dung kom­men, weil der Inha­ber die Aus­strah­lung ver­hin­dert, könn­ten die Zah­len um eini­ges höher lie­gen, als die der belieb­ten Web­do­ku­men­ta­tio­nen z.B. der Media­thek.

Womit auch vie­les zur Ver­mark­tung gesagt ist:

- auf vie­len Platt­for­men gleich­zei­tig anbie­ten
— sau­ber benann­te Titel, die auf sich selbst ver­lin­ken
— leich­ter Zugang zu den Sen­dun­gen
— bes­se­re, also direk­te Plat­zie­rung der Inhal­te auf der Web­site
— umfas­sen­des, tech­nisch sau­ber umge­setz­tes Geschäfts­mo­dell

Aber eini­ges auch noch nicht — die Abruf­zah­len im Web wer­den nicht mit den Zuschau­er­zah­len im TV kon­kur­rie­ren kön­nen. Da hilft auch kein Schön­re­den. Egal wie vie­le Zuschau­er ich abzie­he, die gera­de “Hän­de waschen” oder mit der Freun­din tele­fo­nie­ren — ich kom­me nicht annä­hernd auf die glei­che Zahl. Auch wenn die Web­nut­zer akti­ver sind, wie vie­le Bücher wer­den dadurch mehr ver­kauft?

Des Pudels Kern ist aber nicht, daß TV mehr Reich­wei­te hat. Es wur­de eben ein­fach eine TV Sen­dung in ein völ­lig ande­res Medi­um kopiert. Zei­tung und Fern­se­hen wer­den nicht auf die­se Art ver­gli­chen. Aber TV und Web? Wo der Unter­schied der Medi­en doch noch viel grö­ßer ist?
Neh­men wir nur den Zeit­fak­tor: die TV Sen­dung läuft an einem Zeit­punkt, wer den ver­passt, hat Pech. Die Webs­en­dung kann über Mona­te jeder­zeit abge­ru­fen wer­den. Allei­ne die­ser Long­tail der Abru­fe dürf­te die Nut­zer-Zah­len ver­dop­peln.

Ich behaup­te, daß eine Sen­dung, die Medi­en­ad­äquat umge­setzt wäre, sehr viel erfolg­rei­cher sein könn­te, als im TV. Aber da steht etwas ganz anders davor. Aus mei­ner Bera­tung der füh­ren­den Lite­ra­tur­zeit­schrift zum Web 2.0 vor eini­ger Zeit weiss ich, daß “ech­te Lite­ra­ten” ganz ande­re Pro­ble­me mit dem Web haben. Die­se Pro­ble­me sind struk­tu­rell und grei­fen lei­der genau da, wo Erfolg im Web ent­ste­hen könn­te. Kom­men dann noch die TV- Erfah­run­gen dazu und das man­geln­de Wis­sen über inter­ak­ti­ve Medi­en, ist das Kon­zept kaum zu ret­ten.
Es ist die uralte Defi­ni­ti­on von Qua­li­tät — ein Pro­blem, das auch Mar­ken­ar­tik­ler haben — die den Erfolg ver­hin­dert. Es ist die­ses “Nicht-Los­las­sen-Kön­nen”, nicht zu akzep­tie­ren, daß etwas Neu­es auch und wich­ti­ger­wei­se anders ist. Wenn die Ent­schei­der Eltern wären, wüss­ten sie wovon ich spre­che. Sind die meis­ten aber nicht. Hier wer­den Äpfel mit Bir­nen ver­gli­chen und dann noch aus der Sicht der Äpfel: “Bir­nen sind doof und tau­gen nichts.”

» via Indis­kre­ti­on Ehren­sa­che: War­um Elke Hei­den­reichs “Lesen!” im Inter­net so etwas wie ein Erfolg ist
» via Medi­en­rau­schen: Inter­net ist kein Fern­se­hen — die ver­meint­li­che Erfolg­lo­sig­keit der Elke Hei­den­reich im Inter­net

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