Storytelling im Social Web — Geschichten und Meta-Geschichte

Pixar pro­du­ziert tol­le Geschich­ten in Rei­he. Nicht nur die gekonn­ten 3D-Ani­ma­tio­nen, son­dern vor allem die tief anrüh­ren­den Geschich­ten sind das Geheim­nis des Erfol­ges. In die­ses Geheim­nis kön­nen wir jetzt rein­schau­en. Dabei sind für die sozia­len Medi­en Anpas­sun­gen nötig.

Emma Coats — sto­ry­board artist bei Pixar — hat Regeln eines guten Dreh­buchs auf 22 Punk­te gebracht. Soviel direkt : wie man eine gute Geschich­te auf­setzt, ist der letz­te Punkt der Lis­te. Die „essence of your sto­ry” kennt man erst, wenn die Geschich­te erzählt ist.  Man möch­te sagen, gute Geschich­ten sind wie das Leben. Wie es war, weiß man erst am Schluß. So sagt Sie bei Punkt 3 schon : „Es ist immer gut, eine The­ma zu haben und zu bear­bei­ten, aber was die Sto­ry ist, sieht man erst, wenn man fer­tig ist. Jetzt noch­mal von vor­ne begin­nen.”

Womit wir bei Soci­al Media sind : Ein Blog, eine Face­book­sei­te, sind nicht nach 2 Stun­den Dra­ma­tik zu Ende. Selbst die „Geschich­te in der Geschich­te” erzählt man nicht in einem ein­zel­nen Bei­trag. Trotz­dem soll­te jeder Bei­trag eine klei­ne Geschich­te, mög­lichst in einem Bild oder 140 Zei­chen, erzäh­len. Wie bekom­men wir die­se drei Ebe­nen zusam­men ?

Zunächst, indem wir die Ebe­nen bestim­men : 1. Meta­ge­schich­te — 2. Geschich­ten — 3. Situa­tio­nen.
1. Die Meta­ge­schich­te : Sie wird nicht erzählt. Die Meta­ge­schich­te spielt sich nur im Kopf des Nut­zers ab. Solan­ge das „Sozia­le Medi­um”, das Blog oder der Twit­ter-Account, exis­tiert. Die Meta­ge­schich­te ist zudem eine höchst leben­di­ge : die per­ma­nen­te Her­aus­for­de­rung in einer beweg­ten Welt sei­ne Iden­ti­tät zu fin­den und zu bewah­ren. Dazu fin­den sich vie­le Punk­te in der Lis­te, z.B. Punkt 14 : „War­um musst du die­se Geschich­te erzäh­len ? Das Herz­stück der Geschich­te ist das, was in Dir brennt.” Oder Punkt 18 : „Du musst Dich selbst ken­nen, das ist der Unter­schied zwi­schen Spit­zen­leis­tung und ver­schwom­me­ner Sto­ry.” Hier fin­den wir einen direk­ten Bezug zur Mar­ken­iden­ti­tät. Sie­he Punkt 1. „Du brauchst einen Cha­rak­ter [die Mar­ke], der nach mehr strebt, als Erfolg.” Die Meta­ge­schich­te ist nicht mehr und nicht weni­ger, als das, war­um du bist. Der Sinn dei­ner Exis­tenz und was du für ande­re leis­ten willst. Star­ke Mar­ken sind immer mehr, als Pro­duk­t­ei­gen­schaf­ten.

2. Geschich­ten : Im Soci­al Web erzäh­len wir nicht eine Geschich­te, wir erzäh­len etli­che. Wel­che wann erzählt wird, hängt von vie­len indi­vi­du­el­len Fak­to­ren ab, viel wich­ti­ger ist, wie man sie erzählt. Dazu fin­den sich end­los Punk­te. Beson­ders inter­es­sant sind die, wel­che wir aus vie­len Bei­trä­gen im Soci­al Web schon ken­nen. Z.B. Punkt 6 : „Womit fühlt sich der Cha­rak­ter [die Mar­ke] wohl ? Ver­su­che das genaue Gegen­teil. Wie wür­de er sich dann ver­hal­ten?” Das ist nicht wenig, aber das Geheim­nis von Span­nung, Authen­ti­zi­tät, Mit­ge­fühl — und damit Mar­ken­bin­dung. Hier wird die Iden­ti­tät leben­dig. Sie ver­hält sich in einem sozia­len Kon­text. Sie muss sich bewei­sen. Damit beweist sie Ihre Bedeu­tung. Dazu passt direkt Punkt 10 : „Schmeiß die Geschich­ten weg, die Du [der Autor] gut fin­dest. Sie sind Teil von Dir. Des­sen musst du dir bewusst sein, bevor du sie benutz­ten kannst.” Schließ­lich schreibt man nicht für sich, son­dern für das Publi­kum [den Nut­zer].

3. Situa­tio­nen : Die wich­tigs­te Regel fin­det sich gleich in Punkt 5 : „Focus. Ver­ein­fa­chung. Umwe­ge ver­mei­den.” Jeder Bei­trag ist eine Refle­xi­on auf eine Situa­ti­on und die Fra­ge : wie wür­de sich der Cha­rak­ter ver­hal­ten, wie wür­de man selbst dabei emp­fin­den (Punkt 15) und wie emp­fin­det das Publi­kum [der Nut­zer]? Die­sen Satz möch­te ich direkt so ste­hen las­sen : „Hones­ty lends credi­bi­li­ty to unbe­liev­a­ble situa­ti­ons.” Hoff­nung gibt dann Punkt 17 : „Nichts ist umsonst — wenn eine Idee nicht funk­tio­niert, kei­ne Sor­ge, sie kommt wie­der.” Und um alle drei Ebe­nen zusam­men­zu­fü­gen, Punkt 13 : „Gib dei­nem Cha­rak­ter [der Mar­ke] Mei­nun­gen. Pas­si­ve oder leicht form­ba­re Ide­en mögen bequem sein, für das Publi­kum [den Nut­zer ;-)] sind sie Gift.”

Das soll­te genü­gen, um Bei­spie­le und Anre­gun­gen für den Trans­fer der Punk­te in den Bereich Soci­al Media und Mar­ke  zu geben. Meta­ge­schich­te und Geschich­ten hal­ten den Strang [die Time­li­ne] glaub­wür­dig zusam­men ; sie erzeu­gen zugleich eine span­nen­de Dra­ma­tur­gie, sie erzäh­len die Mar­ken­ge­schich­te. Die Situa­tio­nen zei­gen, wie sich die Mar­ke bewährt, wie sie ihre Kraft ein­setzt. Wer noch mehr Ide­en hat — immer rein damit in die Kom­men­ta­re.

Die Ori­gi­nal­lis­te fin­det sich bei iO9, hier kom­plett rein­ko­piert, damit sie nicht im Web ver­schwin­det, sie ist ein­fach zu gut :

  • #1 : You admi­re a cha­rac­ter for try­ing more than for their suc­ces­ses.
  • #2 : You got­ta keep in mind what’s inte­res­ting to you as an audi­ence, not what’s fun to do as a wri­ter. They can be v. dif­fe­rent.
  • #3 : Try­ing for the­me is important, but you won’t see what the sto­ry is actual­ly about til you’re at the end of it. Now rewri­te.
  • #4 : Once upon a time the­re was _​_​_​. Every day, _​_​_​. One day _​_​_​. Becau­se of that, _​_​_​. Becau­se of that, _​_​_​. Until final­ly _​_​_​.
  • #5 : Sim­pli­fy. Focus. Com­bi­ne cha­rac­ters. Hop over detours. You’ll feel like you’re losing valu­able stuff but it sets you free.
  • #6 : What is your cha­rac­ter good at, com­for­ta­ble with ? Throw the polar oppo­si­te at them. Chal­len­ge them. How do they deal ?
  • #7 : Come up with your ending befo­re you figu­re out your midd­le. Serious­ly. Endings are hard, get yours working up front.
  • #8 : Finish your sto­ry, let go even if it’s not per­fect. In an ide­al world you have both, but move on. Do bet­ter next time.
  • #9 : When you’re stuck, make a list of what WOULDN’T hap­pen next. Lots of times the mate­ri­al to get you unstuck will show up.
  • #10 : Pull apart the sto­ries you like. What you like in them is a part of you ; you’ve got to reco­gni­ze it befo­re you can use it.
  • #11 : Put­ting it on paper lets you start fixing it. If it stays in your head, a per­fect idea, you’ll never sha­re it with anyo­ne.
  • #12 : Dis­count the 1st thing that comes to mind. And the 2nd, 3rd, 4th, 5th – get the obvious out of the way. Sur­pri­se yours­elf.
  • #13 : Give your cha­rac­ters opi­ni­ons. Passive/​malleable might seem lika­ble to you as you wri­te, but it’s poi­son to the audi­ence.
  • #14 : Why must you tell THIS sto­ry ? What’s the belief bur­ning wit­hin you that your sto­ry feeds off of ? That’s the heart of it.
  • #15 : If you were your cha­rac­ter, in this situa­ti­on, how would you feel ? Hones­ty lends credi­bi­li­ty to unbe­liev­a­ble situa­ti­ons.
  • #16 : What are the sta­kes ? Give us rea­son to root for the cha­rac­ter. What hap­pens if they don’t suc­ceed ? Stack the odds against.
  • #17 : No work is ever was­ted. If it’s not working, let go and move on — it’ll come back around to be use­ful later.
  • #18 : You have to know yours­elf : the dif­fe­rence bet­ween doing your best & fus­sing. Sto­ry is tes­ting, not refi­ning.
  • #19 : Coin­ci­den­ces to get cha­rac­ters into trou­ble are gre­at ; coin­ci­den­ces to get them out of it are chea­ting.
  • #20 : Exer­ci­se : take the buil­ding blocks of a movie you dis­li­ke. How d’you rear­ran­ge them into what you DO like ?
  • #21 : You got­ta iden­ti­fy with your situation/​characters, can’t just wri­te ‘cool ». What would make YOU act that way ?
  • #22 : What’s the essence of your sto­ry ? Most eco­no­mi­c­al tel­ling of it ? If you know that, you can build out from the­re.

Bild­quel­le : Jetztmalen.de — Mär­chen Mal­vor­la­gen — Hän­sel & Gre­tel

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