Was ist eigent­lich eine Marke? Wann ist eine Marke stark? Dar­auf gibt es viele Ant­wor­ten, aus vie­len Jahr­tau­sen­den. Das belieb­teste Kli­schee: wenn sie jeder kennt. Aber: jeder kennt die Nord­see, ist sie des­we­gen eine Marke? Ist das Kreuz eine Marke, oder der Koran? Genau wie Coca Cola?

Gemes­sen wird die Mar­ken­stärke bis­her durch Bekannt­heit, Sym­pa­thie und Ver­wen­dung. Die Nord­see ist bekannt, sym­pa­tisch und wird gerne “ver­wen­det”. Ist sie des­we­gen eine Marke?
Einige wer­den jetzt sagen: ja, klar. Andere haben auch recht, wenn sie sagen: nein, das ist nur Was­ser. Und dann fügen sie hinzu: rauer, als die Ost­see. Und dann ist das “nein” schon nicht mehr ganz so überzeugend.

Kann man Mar­ken lie­ben? “Ich liebe es” sagt McDo­nalds. Klingt komisch. Ich liebe meine Mut­ter, aber einen Bur­ger? “Ich liebe mein iPhone”, sage ich. Klingt auch komisch. Dann aber auch wie­der nicht. Sagen ja so viele. Ich liebe die Nord­see, sagt der Syl­ter. Und es klingt voll­kom­men über­zeu­gend. Aber das ist Hei­mat, wird da der ein oder andere ein­wen­den — das ist doch keine Marke?! Frü­her hat jeder gesagt, er liebt sein Auto. Das wird weni­ger, vor allem bei Frauen. Aber warum ist das so?

Ganz frü­her, vor 3000 Jah­ren, hat ein Töp­fer in Ägyp­ten seine Krüge mit einem Sym­bol ver­se­hen. Ein Her­kunfts­nach­weis. Bis heute die Marke. Das Zei­chen eines Her­stel­lers. Aber die­ses Zei­chen steht für etwas. Aus einem ein­fa­chen Grund. Der Töp­fer war sauer auf die, die seine Marke geklaut haben. Die sein Zei­chen ein­fach auf Ihre Krüge ange­bracht haben. Das 3000 Jahre alte Mar­ken­miß­ver­ständ­nis ist ganz ein­fach: er hat sein Zei­chen nicht ange­bracht, um es ande­ren zu zei­gen, son­dern um sich zu zei­gen. Andere soll­ten sehen: diese Krüge, und nur diese Krüge, sind von mir! Ich habe da mehr Liebe, Fleiß und Erfah­rung ein­ge­ar­bei­tet, als die ande­ren Diebe, die Ihre Krüge unter mei­nem guten Namen anbieten.

Mar­ken­klau ist kein juris­ti­sches Thema, es ist zunächst ein emo­tio­na­les. Vor allem wenn Mar­ken­fans mit den Sym­bo­len spie­len und dann von Ihrer Marke ver­klagt werden.

Die Marke ist kein Her­kunfts­zei­chen. Die Marke ist kein Absen­der einer Bot­schaft, die von ande­ren zuge­schrie­ben wird. Die Marke ist ein Identitätssymbol.

Ab hier ver­än­dert sich alles und bleibt doch gleich. Denn Iden­ti­tät ist das stärkste Wer­te­bün­del, das wir ken­nen. Auch Mar­ken sind Wer­te­bün­del. Das kön­nen mate­ri­elle Werte sein, oder ima­te­ri­elle, oft bei­des. Sie sind nicht zu tren­nen. Rauh ist die See, rauh ist der Mensch, aber ehr­lich. Aus mate­ri­el­len Wer­ten wer­den im sozia­len Kon­text ima­te­ri­elle. Die soziale Bedeu­tung erhöht gleich­falls die Werte.

Wann sind Werte stark? Wann sind sie schwach?

Wis­sen Sie, was ein Kli­schee ist? Das Lexi­kon sagt: “Ein Kli­schee ist eine über­kom­mene Vor­stel­lung oder ein ein­ge­fah­re­nes Denk­schema…”  Ein Kli­schee ist ein totes Wer­te­bün­del. Es wird nicht mehr gelebt. Iden­ti­tät ist ein leben­di­ges Wer­te­bün­del. Ein Kli­schee bleibt, wie es ist. Iden­ti­tät ent­wi­ckelt sich wei­ter. Beide geben Ori­en­tie­rung und Sinn. Auch wenn sie tot sind — Kli­schees exis­tie­ren so lange sie Ori­en­tie­rung und Sinne ver­mit­teln. (Btw. Ori­en­tie­rung und Sinn sind die mate­ri­elle und ima­te­ri­elle Seite der glei­chen Medail­lie.) Wenn ich Bay­ern mit “Leder­hose” ver­binde, dann ent­wi­ckeln sich Vor­stel­lun­gen vom ein­fa­chen, länd­li­chen Leben in den Ber­gen. Wenn ich das vor Ort sehe, das Kli­schee über­prüft und bestä­tigt wird, steigt die Wir­kung der Werte. Wenn diese geleb­ten Werte ande­ren Ori­en­tie­rung geben, dann weiß ich, warum Mil­lio­nen Men­schen auf dem Okto­ber­fest mit Leder­hose und Dirndl rum­lau­fen (Spaß und Kli­schee) und sich etli­che davon die Land­lust kau­fen (Werte & Iden­ti­tät). Für einen kur­zen Augen­blick kau­fen Sie sich Werte, die Ihnen wich­tig sind. Sie kau­fen sich Hei­mat, so wie sie frü­her ein­mal war. Sie machen die Sym­bole lebendig.

Glaub­wür­dig­keit ist also keine not­wen­dige Vor­raus­set­zung für eine Marke, weil auch Kli­schees Wer­te­bün­del sind. Aber sie ver­stärkt die Mar­ken­werte enorm. Sie ver­leiht Ihnen soziale Relevanz.

Das genau ist der Zusam­men­hang zwi­schen Cor­po­rate und Pro­duct Brand. Wenn das Unter­neh­men so stark ist, daß es sei­nen Mit­ar­bei­tern die glei­che Iden­ti­tät gibt, wie sei­nen Kun­den, dann stim­men Unter­neh­mens– und Pro­dukt­marke über­ein. IBM. Blaues Logo, Blaue Anzüge. IT is our live. Google — unser Leben ist das Inter­net und min­des­tens genau so bunt. Apple — Design ist keine Frage des Aus­se­hens, son­dern eine Ein­stel­lung. Apple 2 siet dem iPhone Ich bin ich, aber nur mit Dir. Da ist die Schnitt­stelle zum Design. Coca Cola, mach Dir Freude auf.

Mach Dir Freude auf? Da stimmt doch was nicht. Was ist denn bitte schön Freude? Und kann mir Cola über­haupt eine Iden­ti­tät geben? Warum hatte gerade Coke einen Ein­bruch in den Mar­ken­wer­ten rund um das Jahr 2000? Und warum sind die Mar­ken­werte von Coke in den Jah­ren danach wie­der stark gestie­gen? Ich wage die Behaup­tung, daß war der Über­gang von einer mul­ti­na­tio­na­len zu einer glo­ba­len Welt.

Schwie­rig zu begrün­den. Ich kenne die Mar­ken­de­fi­ni­tion von Coke nicht. Aber eins weiß ich. Coke ist eine starke Marke. Wegen der vie­len Wer­bung? Kaum.
Coke gehört zu den ganz weni­gen Pro­duk­ten, die wirk­lich glo­bal sind. Über­all auf der Welt ist der “Coke– Moment” der glei­che. Wenn ich in Dakar einen Sene­ga­le­sen sehe, wie er eine Coke auf­macht, schaut das genauso aus, wie am Times­quare in New York. Coke ver­leiht uns als Mensch­heit eine glo­bale Iden­ti­tät als Mensch­heit. Zuge­ge­ben, Coke sagt uns noch nicht, wer wir sind. Aber Coke sagt uns, DAS WIR WIR sind. Und das ist doch schon eine ganze Menge.

Auf die­ser glo­ba­len Ebene lässt sich auch das Thema Auto betrach­ten: frü­her waren Autos sehr wich­tig, weil sie für die Welt wich­tig waren. Über Jahr­zehnte haben sich Men­schen über Autos defi­niert. Äh, sorry, Män­ner. Die Bedeu­tung der Bran­che ist aber gesun­ken, weil Ihr Bei­trag zur Iden­ti­tät gesun­ken ist. Heute defi­niere ich mich nicht mehr über Maschi­nen. Egal, was Gui­li­etta mir erzäh­len will. “Ohne Herz wäre es nur eine Maschine”. Sorry, aber ohne Herz BLEIBT es nur eine Maschine. Dafür ist mir das Auto viel zu wich­tig, als daß das Spiel mit Kli­schees mich berüh­ren könnte. Und wenn ich mit Wer­bung jeman­den “errei­chen” will, was heisst das denn ande­res als berüh­ren? Jeder gute Wer­ber weiß das, viele Kun­den nicht. Sagt es Ihnen! Der Köder muss dem Fisch nicht schme­cken, weil ich Kun­den nicht angeln kann. Danach wären sie tod oder schwer ver­letzt ;-) Die Wer­bung darf den Kun­den nicht “ver­füh­ren”, lie­bes Jung v. Matt. Das tro­ja­ni­sche Pferd hatte seine Wir­kung nicht auf die Tro­ja­ner, auch wenn es so heisst. Es hat zu derem end­gül­ti­gen aus geführt. Aus­ser an einer Stelle: wenn die Ver­füh­rung berech­tigt ist. Liebe nicht nur ver­spricht, son­dern hält. Dann ist Wer­bung nicht mehr nur sexy. Dann ist Wer­bung wie­der wichtig.

Zurück zur Pro­dukt­gat­tung aka Bran­che. Autos sind für unser Leben nicht mehr so wich­tig, wie frü­her. Ich denke jeder Auto­ma­na­ger ver­steht genau, was ich meine. Das heisst aber nicht, daß Auto­mar­ken nicht stark sein kön­nen. In vie­ler­lei Hin­sicht. Inter­es­sant ist z.B., warum sich Män­ner und Frauen einen SUV kau­fen. Män­ner wol­len grö­ßer und ein­zig­ar­ti­ger erschei­nen, wich­ti­ger Teil Ihrer Iden­ti­tät als Geschlechts­ge­nos­sen. Frauen wol­len Sicher­heit. Zwei sehr unter­schied­li­che Wer­te­sets, auf­grund unter­schied­li­cher Iden­ti­tä­ten.
Und wir wol­len nicht ver­ges­sen, daß man in China und Russ­land große, prot­zige, west­li­che Autos liebt (die Män­ner), aber durch­aus auch große, prot­zige, gol­dene Leuch­ter (die Frauen). Oops, habe ich da gerade etwas bewer­tet? Das geht natür­lich nicht, denn jede Kul­tur hat das Recht so zu sein, wie sie ist. Ich kann Werte erst bewer­ten, wenn ich die Werte ver­stan­den habe. Aber jede Kul­tur ist eben anders: andere Kul­tur -> andere Iden­ti­tä­ten -> andere Werte (und auch andere Kli­schees — darf ich kurz “Wie­der­ver­ei­ni­gung” ein­wer­fen ;-). An den Stel­len, wo die­ser Satz nicht stim­men, wer­den wirk­lich glo­bale Mar­ken gemacht. Siehe Freude, ein zutiefst mensch­li­cher Wunsch auf der gan­zen Welt. Siehe Kari­bik und Male­di­ven — weit von­ein­an­der ent­fernt, aber die glei­chen Bil­der von Sehnsucht.

Auch das iPhone mag nur eine Maschine sein, aber es ist meine ganz Per­sön­li­che. Das iPhone hilft mir bei der Suche nach mei­nem Selbst. Eine starke Marke.
Kann ich das iPhone lie­ben? Klar. Wenn ich mich selbst liebe. Es ist Teil mei­nes Selbst. Wie­derum ein Zei­chen star­ker Men­schen, über­all zu sehen, welt­weit, in der U-Bahn in Ber­lin, auf dem Fahr­rad in Viet­nam, an Bus­hal­te­stel­len in aller Welt. Was wie­derum die Marke stark macht. So etwas braucht keine Wer­bung. Höchs­tens, um die­sen Teil der Iden­ti­täts­stif­tung expli­zit zu machen und damit die Marke daran zu bin­den, bevor nicht ganz klar ist, ob das jedes Smart­phone kann.

Die Pro­dukt­ka­te­go­rie bestimmte also zunächst den Bei­trag zur Iden­ti­täts­stif­tung und folgt den Wer­ten und Ihrer Ent­wick­lung im jewei­li­gen Kul­tur­raum. Der Bei­trag der Mar­ken­werte zur Iden­ti­tät zeigt mir, wie ich die Mar­ken in den jewei­li­gen Län­dern zu füh­ren habe. Aber nur, wenn das Land auch ein Kul­tur­raum ist. Deutsch­land ist übri­gends das ein­zige Land der Welt, daß kei­nen natür­li­chen Kul­tur­raum dar­stellt. Des­we­gen gilt es als “här­tes­ter Markt der Welt” und nicht, weil der Preis­wett­be­werb hier so enorm ist, lie­bes Wal­mart, lie­bes Star­bucks.
Ich weiß nicht, wie es ande­ren geht. Aber Wal­mart ver­mit­telt mir die übels­ten Werte ame­ri­ka­ni­scher Kul­tur. Da ist real,- irgend­wie deut­scher, ange­neh­mer, obwohl ich beide kenne und weiß, daß die Unter­schiede mar­gi­nal sind, real,- ist nur teu­rer als Wal­mart, aber das steckt ja schon im Logo und ich ver­steh es gerne als “fair”, “gerecht­fer­tig­ter Preis”. Aber was bedeu­tet Geld schon, wenn es um Werte geht (und ich mir meine Werte leis­ten kann). Ich Gucci mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Wenn also das Pro­dukt einen Bei­trag zur Iden­ti­tät leis­ten kann, kön­nen auch die Mar­ken die­ser Bran­che mit iden­ti­täts­stif­ten­den Wer­ten auf­ge­la­den wer­den — wenn sie denn glaub­wür­dig sind, also gelebt wer­den. Die meis­ten Mar­ken wer­den Wer­te­bün­del als Teil einer Iden­ti­tät ein­set­zen, viele müs­sen mit Kli­schees spie­len. Das ist völ­lig ok, denn es kann Spaß machen.

Freude — ent­hält Werte. Spaß — ent­hält Kli­schees. “Mach Dir Freude auf” funk­tio­niert so lange, wie Coke der Mensch­heit Iden­ti­tät ver­lei­hen kann. Zumal jede Kul­tur unter Freude etwas ande­res ver­steht und Coke sehr auf lokale Mar­ken­füh­rung setzt.

Kli­schees -> Werte -> Iden­ti­tät — mit der stei­gen­den Bedeu­tung der Werte ver­än­dert sich auch das Ver­hal­ten des Kun­den, mehr noch, seine Erwar­tun­gen. Und damit sein gan­zes Kommunikationsverhalten.

Die Marke ent­steht immer von innen — durch gelebte Iden­ti­tät. Dadurch ent­ste­hen Werte.  Diese wer­den aber nicht ein­fach “kom­mu­ni­ziert”. In der klas­si­schen Wer­bung wer­den oft nur Kli­schees kom­mu­ni­ziert, schon weil das Medium Fern­se­hen in 30sek. keine tiefe Aus­ein­an­der­set­zung erlaubt. Des­we­gen kommt uns die Wer­bung oft tot vor. Weil Kli­schees tot sind. Werte und Iden­ti­tät wer­den aus­ge­han­delt. Jeden Tag aufs Neue. Hier bedeu­tet Kom­mu­ni­ka­tion das, was es im Wort­sinne meint: Aus­tausch. Des­we­gen sind Mar­ken “360Grad”, des­we­gen machen Men­schen erst die Marke, zu dem was sie ist, des­we­gen sind die Mit­ar­bei­ter so wich­tig, des­we­gen müs­sen CEOs leben, was sie sagen. Ich könnte gar nicht auf­hö­ren mit Bei­spie­len. Des­we­gen ist vira­les Mar­ke­ting, ernst genom­men, so unheim­lich wich­tig. Rele­vanz ent­steht durch Iden­ti­tät, und die muss gelebt wer­den. (TRND wird noch ganz, ganz groß, lie­ber Mar­tin. Ihr habt bei Euch nicht die Early Adop­ter, die “Erst­ver­wen­der”, ihr habt Men­schen, die Mar­ken leben wol­len. Was für ein Schatz. Aber du weisst das.) Kom­mu­ni­ka­tion ist Infor­ma­ti­ons­über­mitt­lung (Bil­der, Kli­schees) -> Kom­mu­ni­ka­tion ist Aus­tausch (Werte) -> Kom­mu­ni­ka­tion ist Exis­tenz (Iden­ti­tät). Denn erst Kom­mu­ni­ka­tion sagt uns, wer wir sind. (Danke Bille ;-)

Im Work­shop sagte jemand: “Das jeder eine Marke sein will, das ist doch schon ein Kli­schee.” Was für ein ein­fa­cher, stim­mi­ger und zugleich doch schwer­wie­gen­der Satz.

Was er meinte, war das klas­si­sche Bild der Marke, daß bei allen Laien tief in den Köp­fen sitzt: das “Image”. Das “Image” ist ein Kli­schee. Es ist tot. Es ver­mit­telt mir keine Werte mehr und damit hat es kei­nen Bei­trag zu mei­ner Iden­ti­tät. Klas­si­sche Wer­bung ist nicht tot, sie ist dann tot, wenn sie mir “nichts mehr zu sagen hat”. Das war es, was er meinte. Wenn mir eine Marke Werte ver­mit­telt — immer her damit. Bio­nade war ein tie­fer Wer­te­raum, Teil der Iden­ti­tät vie­ler Men­schen. In einer Zeit, in der Werte selbst eine Rolle spie­len, ein Mas­sen­markt. Und dann wurde Bio­nade über­nom­men und hat ange­fan­gen mit dem Brust­ton der Über­zeu­gung Kli­schees zu kom­mu­ni­zie­ren. Kli­schees sind tot, Bio­nade auch. Was tot ist, kann ich nicht mehr lie­ben. Das ist ok. Aber dann ist es keine Mar­ken­stra­te­gie mehr, son­dern eine Ver­triebs­stra­te­gie. “Die Marke wird auf dem Thron des Mam­mon geschlach­tet.” Wir Men­schen haben ein wich­ti­ges Kon­troll­or­gan: Werte kann man nicht faken. Irgend­ei­ner merkt es irgend­wann. Und dann ist auch der Ver­trieb am Ende.

Des­we­gen sind Tra­di­tion & Inno­va­tion so wich­tig, gerade im Bereich der Luxus­gü­ter. Alte Werte, die immer noch Bestand haben, sind wich­ti­ger als Neue, die sich erst bewei­sen müs­sen. Aber auch alte Werte müs­sen immer wie­der neu gelebt wer­den, damit sie nicht ster­ben und zum Kli­schee werden.

Die Marke ist das Sym­bol einer sozia­len Identität.

Die Stärke einer Marke bestimmt sich durch Ihren Bei­trag zur Iden­ti­tät sei­nes Nut­zers. Mar­ken­füh­rung ist das Her­stel­len von Rele­vanz über alle Medien. Medien sind alle Trä­ger von Infor­ma­tio­nen. Infor­ma­tion ist der Unter­schied, der einen Unter­schied macht. Rele­vanz beschreibt die Bedeu­tung von Wer­ten für die eigene Identität.

Damit ist alles Wesent­li­che gesagt. Sicher noch nicht sau­ber durch­for­mu­liert, das kommt. (Für das “Unsau­bere” haben wir ja Blogs.) Aber wich­tig ist doch nur, daß es ver­stan­den wird. Alles andere ist “Gedöns”.

Nur ein paar prak­ti­sche Dinge noch an meine Freunde und Fans ;-)

Die Marke ist kein Zei­chen, sie ist ein Sym­bol. Das wars schon. Jeder hat sein Kreuz zu tra­gen, nicht wahr? Man “ver­wen­det” Mar­ken nicht, man nutzt sie (Werte) oder man lebt sie (Iden­ti­tät). Mal nur ein klei­nes bischen (Spaß), mal ganz schön dolle (Rock’N Roll).

Freunde geben mir Iden­ti­tät, Fans lie­ben meine Werte. Dumm, daß der ame­ri­ka­ni­sche Begriff bei uns bei­des bedeu­ten kann, dazwi­schen aber im wahrs­ten Sinne des Wor­tes eine Welt liegt, deren Grenze nicht so ein­fach zu erken­nen ist. Twit­ter ist Freunde, Face­book ist Fans. Blogs sind Aus­tausch der Com­mu­nity of Inte­rest (und des­we­gen schon dich­ter am alten Inter­net, lie­ber Robert ;-).

Social Media ist des­we­gen so wich­tig und muss des­we­gen so anders behan­delt wer­den als klas­si­sche Medien, weil hier nicht nur eine Bot­schaft über­mit­telt wird, son­dern die Aus­hand­lungs­pro­zesse der Sym­bole direkt statt­fin­den (“Wie nen­nen es leben” lie­ber Klaus ;-) . Schon die Art, wie aus­ge­han­delt wird, gibt mir eine wich­tige Infor­ma­tion zur Stärke der Marke und Ihren Ele­men­ten. Sind es viele mit wenig Dia­log, dann arbeite ich eher im Rah­men von Kli­schees bis hin zu Wer­ten. Ist der Dia­log enorm, dann hat es etwas mit Iden­ti­tät zu tun.
In die­sem Licht wird die — im Sinne des Wor­tes “grenz­wer­tige” — Dis­kus­sion der Hun­de­schüt­zer auf den Coke– und Adi­das– Face­book­sei­ten inter­es­sant, liebe Her­mine (Danke für die Ermu­ti­gung, tie­fer dar­über nach­zu­den­ken!). Denn hier tref­fen wich­tige Werte der Iden­ti­tät, die zudem glo­bal funk­tio­nie­ren (siehe Hef­tig­keit der Dis­kus­sion, aber nicht in der gan­zen Time­line, son­dern in ein­zel­nen Posts), auf eine Marke, die nur Freude ver­mit­teln will, aber glo­bal Iden­ti­tät stif­tet. Wie oft tauchte in den Kom­men­ta­ren auf, daß die Hun­de­schüt­zer sinn­ge­mäß “keine Freude mehr emp­fin­den kön­nen”. Jetzt kann ich mir vor­stel­len, wel­chen Stress ihr hat­tet und warum Empa­thie genau der fal­sche Weg gewe­sen wäre. Ich kann mir vor­stel­len, was die Hun­de­schüt­zer füh­len, als “Gefühls­marke” fühle ich sogar mit, aber das glei­che Wort “Freude” kann durch­aus auf ver­schie­de­nen sozia­len Kon­ti­nen­ten spie­len. So wie das Wort “deutsch” oder wie es in Matrix heisst: “Liebe ist nur ein Wort. Es kommt dar­auf an, was du dar­aus machst.” Wer das nicht ver­steht, hat nur Sex und wird nie zufrie­den sein.

Ich denke, über den Iden­ti­täts­be­griff wird auch kla­rer, warum Mit­ar­bei­ter so wich­tig für die Marke sind. Ihre Arbeit gibt Ihnen Iden­ti­tät. Sie ver­su­chen nur, diese zu leben und wer­den so oft daran gehin­dert. Und dann kom­men Vor­stände mit “Bot­schaf­ten” der “Unter­neh­mens­kul­tur”. Kli­schees einer unter­ge­gan­ge­nen Welt. Oder eben nicht, wie Sun, die ein­fach T-Shirts gedruckt haben, auf denen die wich­tigs­ten Werte der Mit­ar­bei­ter standen.

Iden­ti­tät ent­steht durch Kom­mu­ni­ka­tion. Ich kann sie nicht her­stel­len. Sie ist schon da. Sie ist kein Teil der Marke, sie ist ihr Kern. Ent­we­der halte ich mich daran, oder die Marke “funk­tio­niert nicht”. Aber ich kann sie füh­ren, ja ich muss, wenn sie nicht ster­ben soll. Coke zeigt das sehr schön, Pepsi als Nega­tiv­bei­spiel. Pepsi hat ja nicht nur stän­dig seine Logos ver­än­dert, son­dern seine Iden­ti­tät. Coke hat nicht ein­fach nur seit über hun­dert Jah­ren sein Logo behal­ten, son­dern seine Iden­ti­tät. Und Coke hat nie ver­sucht, mehr zu sein, als sie sind. Und so ver­stehe ich end­lich, warum ich gerne Pepsi trinke, aber Coke bewun­dere. Ich bin auch nur so ein armer klei­ner Ossi, den kei­ner ver­steht, der so vor sich hindüm­pelt, den kei­ner ernst nimmt. Weil ich nie gesagt habe, wer ich bin. Und weil ich nie dazu gestan­den habe. Des­we­gen kön­nen Men­schen Mar­ken sein. Mar­ken sind stark und Mar­ken geben Stärke. Mar­ken sind wich­tig für uns. Oder sie gehen unter.

Des­we­gen ist das stärkste Wort, das ich der­zeit kenne: Hei­mat, liebe Heike. In einer Zeit, in der sich Natio­nal­staa­ten auf­lö­sen, in der viele Men­schen Sinn und Ori­en­tie­rung suchen, fin­den wir Hei­mat nicht mehr in der Land­schaft, oder poli­ti­schen Gren­zen. Wir fin­den Hei­mat nur noch im Her­zen. Manch­mal, für eine kurze Zeit im Urlaub, wenn wir ankom­men, Ruhe fin­den und Frie­den, wenn das stärkste Wort ist: “Bei Ihnen fühlt man sich wie Zuhause.” Manch­mal, wie in USA, wenn ich da hin­ziehe, wo mei­nes Glei­chen ist, wie in Seat­tle bei den Grun­gern, oder San­Fran, bei den Hip­pies.
Und manch­mal daheim. Bei den Din­gen, die mich umge­ben, die mich berüh­ren, auch wenn nie­mand aus­ser mei­nen Freun­den ver­steht, oder ein­fach nur fühlt, warum. Das alles ist Hei­mat. Da wo das Herz ist. Da wo der Ver­stand ruht und wir des­we­gen so gut schla­fen kön­nen, bis auch das Herz Ruhe fin­det.
Des­we­gen ist es so z.B. wich­tig,  daß der EVL sich gegen den Mar­ken­schutz von Begrif­fen wie “Glücks­pilz”, Göt­ter­gatte“, „Traum­prinz“, „See­manns­braut“ oder eben „Hei­mat­glück” ein­setzt. Denn sie sym­bo­li­sie­ren wich­tige Werte unse­rer kul­tu­rel­len Iden­ti­tät. Schöne Werte. Und davon haben wir Deut­schen nicht so viele, oder bes­ser: wir soll­ten end­lich mal anfan­gen, uns dar­auf zu besin­nen. Denn wir sind das ein­zige Volk der Welt, deren Werte nicht aus der Nation kom­men, son­dern aus der Kul­tur. Damit sind wir iden­ti­täts­stif­tend für die Welt. Wir kön­nen der Welt sagen WER wir sind. Nicht wir Deut­schen. Wir alle. Aber da wird “Die Wirt­schafts­macht vor der Haus­tür”, der Tou­ris­mus, schon sor­gen, da bin ich mir sicher. Alle Zah­len spre­chen dafür. Ber­lin ist die belieb­teste Stadt der Welt. Es gibt keine Zufälle. Alles ist Struk­tur. Das ganze mensch­li­che Leben dreht sich von der Geburt bis zum Tod nur um Iden­ti­tät. Des­we­gen haben wir einen Grab­stein und andere Natio­nen nicht. Wenn mein Geist wie­der­ge­bo­ren wird, wozu ein ver­gäng­li­cher Name?

Ich kann nicht mehr. Was ich hier schreibe, war für mich wie eine Geburt. Ich weiß gar nicht, ob das neu ist oder nicht. Ist mir auch egal. Es ist aus mir ent­stan­den. Zusam­men mit ganz vie­len Freun­den. Das ist mir wichtig.

Aber eines weiß ich. Ich hatte immer ein Pro­blem damit, mich Mar­ken­ex­perte zu nen­nen. Statt­des­sen habe ich vor kur­zem begon­nen Mar­ken­lieb­ha­ber zu schrei­ben. Klingt komisch. Erst jetzt weiß ich warum. Und ich stehe dazu. Ich liebe Mar­ken. Und es gibt für mich nichts Schö­ne­res, als daran zu arbei­ten, daß auch andere Mar­ken geliebt werden.

Was hier unbe­dingt noch hin­ge­hört, denn das ist ein Fach­ar­ti­kel und ich hoffe, daß viele jetzt bes­ser ver­ste­hen, warum es so schwer ist Leben und Arbeit zu tren­nen und warum Kran­ken­schwes­tern selbst bei win­zigs­tem Lohn Ihre Arbeit mit viel Liebe machen (was sich erst ändert, wenn sich die Werte in unse­rer Gesell­schaft ändern und das pas­siert gerade, liebste Corinna) und warum es ok ist, wenn Tee­nies Ihre Par­ty­fo­tos auf Face­book posten: 

An die­ser Stelle ein herz­li­ches Danke an alle, die mir immer wie­der gesagt haben, daß ich für sie etwas Beson­de­res bin– und die sich dann hof­fent­lich immer gewun­dert haben, warum ich sie so selt­sam anschaue und warum ich mit Lob nie umge­hen konnte. Ihr alle seit meine Freunde! Jetzt weiß ich warum und das macht Euch zu etwas ganz Beson­de­rem! Für mich. Und das ist alles, was zählt. Und es wurde höchste Zeit, das ich das mal sage. Und des­we­gen ist und bleibt der 1. Mai, der Tag der Arbeit, ein Fei­er­tag. Fei­ert Euch und Euer Leben, ihr habt nur Eins (oder Kinder ;-). 

Will­kom­men bei KMTO.

Ihrer Mar­ken­ma­nu­fak­tur.

Denn Mar­ken brau­chen Herz UND Verstand.

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5 Responses to Marke und Identität

  1. […] auf­ge­la­den und von einem Mar­ken­lieb­ha­ber lesen möchte, dem möchte ich an die­ser Stelle die Zusam­men­fas­sung von Michael Domsalla […]

  2. Frank sagt:

    Was die Ein­gangs­frage betrifft: Mit Ver­laub — wir haben da mal eine sehr ein­fa­che Defi­ni­tion gefun­den: http://www.marketing-blog.biz/blog/archives/3130-Was-ist-eigentlich–…-eine-Marke.html

    Aber die Num­mer mit der sozia­len Iden­ti­tät gefällt durch­aus — und ist ja auch ganz nah dran.

  3. Michael sagt:

    Hi Frank — deine Defi­ni­tion ist schön und kurz, aber kann Coca Cola dein Freund sein? ;-) Die Ein­gangs­frage war auch eher rhe­to­risch gemeint, weil es so viele Defi­ni­tio­nen zur Marke gibt… lg, Michel

  4. Frank sagt:

    Coca Cola ist mein Freund. Ein zu guter. Frag mei­nen Zahnarzt.

  5. […] die Kli­schees einer Desti­na­tion erleb­bar wer­den müss­ten. Durch Social Tra­vel wird dies mög­lich. Desti­na­ti­ons­mar­ke­ting bedeu­tet heute nicht mehr eine Bot­schaft aus­zu­sen­den, son­dern viel­mehr Aus­tausch zwi­schen Rei­sen­den und Bevöl­ke­rung zu initi­ie­ren. Denn erst durch die […]

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