Heike Simmet  veröffentlicht in der Marketingbörse eine Checkliste für kleine und mittelständische Unternehmen, worauf beim Einsatz von Social Media geachtet werden muss. Ich möchte diese Liste – sicherlich ein Konzentrat von weit verbreiteten Ansichten –  mit Praxiserfahrungen anreichern. Schwarz ist der Originaltext von Heike, Blau sind meine Ergänzungen.

Zusammengefasst: Die Tipps sind gut, aber eher für recht große Unternehmen geeignet.

  • Was sind die Ziele meines Social Media-Engagements?

Will ich mehr Bekanntheit erzielen, mehr Umsatz generieren oder neue Mitarbeiter gewinnen? Der Einsatz von Social Media ist prinzipiell zielorientiert zu planen.
Die meisten KMU starten ohne Ziele und probieren einfach aus. Das ist auch gut so. Wer sich keine Beratung leisten kann, tut sich am Anfang ohnehin schwer, Ziele zu definieren, da er die Medien nicht kennt. Zudem sind bei KMU die Ziele oft nicht zu trennen – gute soziale Kommunikation erreicht Bekanntheit, Umsatz und Mitarbeiter auf einmal. Und noch viel mehr. 

  • Welche Zielgruppen will ich konkret erreichen?

Geschäftskunden müssen in den Social Media völlig anders angesprochen werden als zum Beispiel potenzielle Azubis oder künftige Mitarbeiter auf Führungsebenen. Eine genaue Zielgruppendefinition ist also unerlässlich.
Ich denke nicht. Zumal sich das kaum trennen lässt. Worum es geht, ist die Identität des Unternehmens, mithin des Inhabers. Was ist ihm wichtig, wofür steht er? Kann er das kommunizieren? KMU haben keine großen Zielgruppen, sondern meistens klar abgrenzbare Communities. Diese zu hegen und zu pflegen sollte das erste Ziel sein. Die Kelterei Walthers zeigen das par excellence. Sie ist immer noch das führende Beispiel für Social Media im Mittelstand. Die Art der Inhaberin bestimmt die Tonalität und das Interesse der Nutzer. Im Vordergrund steht die Kommunikation mit allen, die sich für Walthers interessieren. Der Geschäftserfolg wird eher indirekt, als direkt in den Sozialen Medien erreicht. Erst im gehobenen Mittelstand kann man Communities trennen. Dann sind aber fast nie die Kunden das Ziel, sondern die Interessengruppen rund um das Angebot. 

  • Welcher Social Media-Kanal erreicht meine Zielgruppe am besten?

Während ältere Zielgruppen am effizientesten über Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn adressierbar sind, bietet sich für die jüngere Zielgruppe sowohl im geschäftlichen als auch im privaten Bereich vor allem Facebook und YouTube als Kanal an. Die weibliche Zielgruppe ist hingegen hervorragend durch die Bilder-Plattform Pinterest erreichbar.
Ich denke nicht, daß die Trennung etwas mit dem Alter zu tun hat. Xing ist was für Vertriebler und zur Kontaktsammlung, Facebook eher privat und Interessensgeleitet. Viel wichtiger sind die vielen Foren im Internet, die zu allen denkbaren Themen existieren. Dabei ist die Grundlage aller Aktivitäten immer das eigene Blog. Gut zum Lernen, wie Social Media geht, hervorragend zum Vernetzen und die Basis für große Communitymedien wie Facebook. Xing wird immer mit B2B gleichgesetzt, was nicht stimmt, wie unsere Social Media B2B Studie schön zeigt. Nicht zuletzt: Frauen stehen mehr auf Bilder, ok. Aber eigentlich muss es heissen: Frauen stehen mehr auf Emotionen, und das geht auch durch Text. 

  • Welche eigenen zeitlichen Ressourcen kann ich bereitstellen?

Social Media sollte gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen immer auch Chefsache sein. Dies erzeugt den größtmöglichen Grad an Authentizität und Glaubwürdigkeit.
Hier muss ich beipflichten. Für das Marketing von KMU ist das Internet perfekt geeignet. Schon weil ich gezielt die relativ kleineren Kundengruppen ansprechen kann. Wenn man dann noch versteht, daß Content Teil von Social Media ist und so alle Maßnahmen in einer Social Media Strategie zusammenfliessen, auch SEO und Adwords, dann können KMU Chefs gar nicht genug Zeit mit Social Media verbringen. Nicht zuletzt sind hier auch wichtige Informationen für Ihr Geschäft zu finden. Die Ausnahme bilden ausgesprochene Offline- Branchen. Wenn es die noch gibt. Aber das wissen die KMU selber am besten, wenn sie mal googlen. 

  • Welche Mitarbeiter betraue ich mit Social Media-Aufgaben?

Auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen müssen die Verantwortungen und Aufgabenverteilungen der Mitarbeiter in Sachen Social Media klar geregelt werden.
Die meisten KMU haben kaum Mitarbeiter für Kommunikation. Legendär ist die PR-Abteilung, die auch noch Marketing macht. Oder umgekehrt. Oder eigentlich nur Messen. Wenn also der Chef viel Zeit damit verbringt, dann ist der Rest eigentlich nur noch Abstimmung mit dem vorhandenem Personal. 
Der wirklich wichtige Teil ist, die Mitarbeiter mitzunehmen. Ihnen zu erklären, was man da macht. Dann werden Social Media affine Mitarbeiter die Wirkung deutlich erhöhen. Falls Sie Ihr Unternehmen mögen, was bei einigen eher cholerischen Chefs eher nicht der Fall ist. Aber da haben wir schon eine andere wichtige Aufgabe der sozialen Medien: Unternehmen „sozialer“ zu machen. Eine schöne alte deutsche Unternehmertugend. 

  • Welche finanziellen Ressourcen kann und will ich bereitstellen?

Social Media ermöglicht zwar eine kostengünstige Kommunikation. Diese ist aber nicht zum Nulltarif realisierbar. Die Beschaffung und Aufbereitung von Content verursacht Kosten, die einkalkuliert werden müssen.
Das Management von Content im werblichen Sinn ist in den meisten Unternehmen schon organisiert. Es gibt Flyer, Prospekte, Messematerialien etc.. Die Gelegenheit sollte genutzt werden, um einen thematischen Redaktionsplan für das Jahr zu erstellen. Dabei unbedingt auch die Geschichten der Mitarbeiter „mitnehmen“.  Wirklich Zeit kostet die Kommunikation im Netz – aber das ist Teil des Geschäftsalltags. Hier geht es also weniger um Kosten, als um Umstrukturierung. Es lohnt sich hingegen, Geld für zusätzliche werbliche Maßnahmen in die Hand zu nehmen. Und dafür ein paar tausend Flyer weniger zu drucken. 

  • Wie gestalte ich mein Content-Management in den sozialen Medien?

Der Erfolg von Social Media ist stark von der Relevanz, Qualität und Aktualität der Postings und Dialoge in den sozialen Netzwerken abhängig. Dieses Content-Management muss genau geplant werden.
Quark. Sorry. Entweder kenne ich mein Geschäft oder ich kenne es nicht. Dann weiß ich auch was relevant ist, welche Qualität mir am Herzen liegt und wann etwas für meine Nutzer aktuell ist. Ein guter Redaktionsplan geht darauf ein, muß aber definitiv nicht zu granular werden. Und wenn ich es nicht weiß: dann entfalten Social Media eine tolle Wirkung – ich lerne es. Entweder ist das Feedback gut oder nicht. So komme ich wieder an meine Märkte ran. Sie z.B. Kelterei Walther. 

  • Wie werden die Aktivitäten von Suchmaschinen gefunden?

Social Media-Aktivitäten haben einen stark ansteigenden Einfluss auf das Ranking in Suchmaschinen. Ziel ist es, die vorderen Plätze bei Google einzunehmen. Die Social Media-Aktivitäten sollten daher in
die Suchmaschinen-Optimierung (SEO) integriert werden.
Das würde ich viel härter formulieren. Nicht „stark ansteigend“ sondern schon immer und vor allem. Das enorme gute Ranking hat ja vieler erst zum Bloggen und Youtuben gebracht. Also sollte das SEO in die Social Media Aktivitäten integriert werden und nicht andersrum. Wobei man immer dran denken muss, daß das Engagement der Nutzer das SEO hochtreibt und nicht die Webserver… Spannende Stories halten viele Menschen lange auf der Seite – ergo listet sie Google hoch. 

  • Wie kontrolliere ich den Erfolg meiner Social Media-Aktivitäten?

Eine Kontrolle der Wirkungen der eigenen Social Media-Aktivitäten ist unerlässlich. Zur Erfolgskontrolle der Social Media-Aktivitäten stehen eine Vielzahl kostenloser einfacher und professioneller Social Media Monitoring-Tools zur Verfügung.
Welche die meisten KMU gar nicht brauchen. Bei Ihnen ist das Feedback immer direkt. Die Leute interessieren sich für sie und ihre Produkte oder nicht. Die meisten Tools sind was für große Datenmengen und einfache ja/nein/vielleicht Entscheidungen. Das nutzt den KMU wenig. Auch ein Grund, warum das Chefsache ist. Der versteht, was da in den Netzten abgeht, wenn er einen direkten Draht zu den Märkten hat. Und er kann dann auch am meisten rausholen. Gleich, ob er mit Partner im Kontakt ist oder mit Kunden oder neuen potentiellen Mitarbeitern. Es ist die Nähe, die den Erfolg ausmacht. Wenn, wie bei Walthers, jemand mit einer neuen Frucht für einen Saft daherkommt, dann kann kein Tool der Welt mir sagen, daß das mein neues und erfolgreichstes Produkt wird. Das braucht den Bauch und die Entscheidungslust des Chefs. Der Rest ist nur Plauderei. 

Hier nochmal direkt die Beispiele, die für viele KMU im Social Web passen könnten.

Soweit meine Gedanken aus der Erfahrung der vielen letzten Jahre. Wie schauts bei Euch aus? Was stimmt, was nicht, Eurer Erfahrung nach?

Bildquelle: Starker Mittelstand, Freies Vaterland

Zum gleichen Thema

(Leser: 7.202)   Getagged mit
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Marke: Arten und Typen
Marke modern gedacht:
  • Soziale Werte & Konstrukte als Basis.
  • Differenzierung der Branchen und Ihrer Marken.
  • Markenstärke neu beschrieben.
Vortrag: Mobile Marketing
Die Präsentation hat drei Schwerpunkte:
  • BestOf der intern. Marktzahlen aus 9 Monaten 2011
  • Grundlagen: Wann lohnt sich eine App?
  • Überblick zu den Entwicklungen
Studie: B2B im Social Web
Die Studie beinhaltet:
  • vier ausgewählte Praxisbeispiele,
  • das wichtigste aus internationalen Studien und
  • Empfehlungen für B2B - Unternehmen.