Die Über­schrift der Mel­dung in der Hori­zont liess etwas ande­res ver­mu­ten: “Levi’s star­tet 360-Grad-Kampagne in den USA”. Natür­lich habe ich eine Ansamm­lung von Medien erwar­tet, die in der Kam­pa­gne bedient wer­den. Statt des­sen gibt es zwei wun­der­bare, aber ganz andere Punkte in der Kurzmitteilung:

- die Ziel­gruppe wird anhand von Wer­ten beschrieben

- die Kam­pa­gne bedient sich eines Dichters

Der Wer­te­ka­non bezieht sich wie immer bei Levis auf eine junge Ziel­gruppe. Beschrie­ben wird sie aber so:

Moderne, zukunfts­ge­wandte Men­schen, die sich für ein neues Ame­rika einsetzen.”

Man hört “Obama” aus jeder Zwi­schen­zeile und damit den Wer­te­wan­del der ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaft. Nun mag es erstau­nen, daß sich eine Hose für gesell­schaft­li­che Werte ein­setzt, aber man sieht, daß wie immer ein exter­nes Thema um die Marke gebaut wird, um sel­bige auf­zu­wer­ten. Bleibt eigent­lich nur die Frage, wo die Glaub­wür­dig­keit herkommt.

Ich denke, sie steckt in der Gefühls­welt eines Dich­ters, die im bes­ten Falle emo­tio­nal berührt. Zumal Walt Whit­man für einen posi­ti­ven Idea­lis­mus steht — und schon tod ist. Da kann man gar nicht mehr an eine Hose den­ken. Ich bin mir sicher, daß wir hier den Beginn einer Welle in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­bran­che erle­ben — und freue mich schon auf ein Pro­jekt, wo wir exakt das für eine ältere Wer­te­ge­mein­schaft umset­zen dürfen.

(Ser­vice: sein bekann­tes­ter Gedicht­band “Gras­halme” bei Ama­zon)

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2 Kommentare zu: 360 Grad brauchen eine Richtung

  1. Sabria David sagt:

    Ein sehr schö­nes Bei­spiel für eine mutige und kon­se­quente Wer­teo­ri­en­tie­rung in der Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­tion. Oder ist das noch Pro­dukt­kom­mu­ni­ka­tion? Eine Hose kann ja nur bedingt Werte ver­kör­pern (naja: Halt­bar­keit, Aus­dauer, Sta­bi­li­tät, geht schon…).

    Any­way. Ob das wirk­lich “als gesell­schaft­li­che Paro­len getarnte Ver­kaufs­sprü­che” sind, wie der Spie­gel (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,633637,00.html) abfäl­lig behaup­tet, wird sich zei­gen. Denn das hängt nicht (wie Spiegel-Autor Marc Pitzke offen­bar meint) rein von den inhalt­li­chen Aus­sa­gen ab. Son­dern davon, ob die “Sprü­che” nur effekt­voll dahin­ge­sagt sind oder tat­säch­lich Aus­sa­gen sind, die von geleb­ten Wer­ten und vom Han­deln getra­gen sind. Dann näm­lich ist die Kom­mu­ni­ka­tion kon­sis­tent und stim­mig. Und dann ist sie mei­ner Mei­nung nach unschlag­bar, weil kon­se­quent, plau­si­bel, überzeugend.

    Die Reak­tion des Spie­gel zeigt auch etwas ande­res: Mit wer­teo­ri­en­tier­ter Kom­mu­ni­ka­tion expo­niert man sich (macht sich damit also angreif­bar), aber aus­tausch­bar und ver­wech­sel­bar ist man als Unter­neh­men damit nicht mehr. Es setzt Kom­mu­ni­ka­tion in Gang. Man nimmt Levi’s wahr, ist auf­merk­sam und schaut genau hin, ob sie das auch hal­ten, was sie ver­spre­chen. Und was kann einem als Unter­neh­men bes­se­res pas­sie­ren als eine Öffent­lich­keit, die genau hinschaut?

  2. KMTO sagt:

    @Sabria
    Abge­se­hen davon, daß dein gan­zer Kom­men­tar schön ist, mag ich vor allem den letz­ten Teil — denn er zeigt, daß auch die klas­si­schen Ziele Auf­merk­sam­keit, Invol­ve­ment, Erin­ne­rung und vor allem ande­ren Dif­fe­ren­zie­rung erreicht werden.

    Glaub­wür­dig­keit: ich bin ja auch etwas skep­tisch, denn es ist genauso klas­sisch, ein­fach ohne Kon­se­quen­zen irgend­wel­che hip­pen The­men zu beset­zen. Genau das wird aber in der Werte– Kom­mu­ni­ka­tion nicht klap­pen, wie schon eine andere Mode­marke gezeigt hat.

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