Ein kleiner Aufschlag, der in die Ferienzeit passt: Die Deutsche Zentrale für Tourismus, also der touristische Vermarkter unseres Landes, befragte ausländische Gäste aus 40 Ländern zu den Top100 Sehenswürdigkeiten, bereits zum vierten Mal in diesem Jahr.

Was ist nun also des Sehens würdig?

Sehen und Schauen sind zwei unterschiedliche Dinge. Das wissen wir seit Goethe. Aber seien wir nicht Deutscher als nötig: Es geht nur um den ersten Blick. Also sehen wir mal:

Spannend: An der Spitze liegt nicht mehr Schloß Neuschwanstein (in Bayern) – sondern der Europa-Park Rust (in Baden)!

Ist das der vielbeschworene Wechsel in die deutsche Spaßgesellschaft? Können wir uns vom Kitsch lösen? Ist die deutsche Romantik dem ungezwungenen Flirten gewichen?

Nein! Denn – herzlichste Glückwünsche für die beeindruckende Arbeit!!! – die „Romantische Straße“ ist neu in den Top 10!

Neuschwanstein bleibt aber auf zwei, gefolgt von Kölner Dom (Unesco-Welterbe), Schloss und  Altstadt von Heidelberg, das Brandenburger Tor, die Altstadt von Rothenburg ob der Tauber, der Bodensee mit der Insel Mainau und der Klosterinsel Reichenau (ebenso Unesco-Welterbe), sowie die Berliner Mauer.

Ebenfalls neu in den Top 10 – und auch hier Glückwunsch, denn das ist kein Selbstläufer –  die Zugspitze und die Partnachklamm in Garmisch-Partenkirchen .

romantische_strasse_top10_deutschlandDie Top10 sind offenbar die Leuchttürme / Marken im Deutschlandtourismus. Was sagt uns das nun über unser Land?

Nun, alles alt, bis auf die Berliner Mauer, die ja witzigerweise nicht mal mehr da ist und trotzdem interessant (Virtuelle Marke?).
Hätten wir die Europäer in Rust nicht, die offenbar eine gigantische Vertriebsarbeit leisten, gäbe es gar kein einziges modernes Stück Deutschland, das zu besichtigen lohnt.
Die BMW Autowelt ist offenbar wieder aus dem Ranking verschwunden. Fußball-WM ist auch nicht jedes Jahr.

Alt und bekannt gehört natürlich zusammen. Muss aber nicht. Spannenderweise sind wenige  Naturschönheiten dabei – im Land der Naturliebhaber. Das Wattenmeer vermisse ich schmerzlich, ist es doch Welt-Natur-Erbe.
Der Schwerpunkt liegt in Mittelalterarchitektur. Die Spitzen sind der Kölner Dom und – nochmal zugespitzt – Schloß Neuschwanstein.

Beschreibt uns das? Kleines, fleissiges, romantisches Völkchen, das in der Zeit stehen geblieben ist und immer noch viel Bier trinkt? Kam danach nix Wesentliches mehr?
Fängt Deutschland in Rothenburg a.d.T. an und hört in Heidelberg wieder auf? Von der Bürgerstadt mit Weihnachten zur Bürgerstadt mit Bildung? Rahmen Mittelalter. Also mittleres Alter, so wie die Generation Y.

Warum nicht? Statt Bier & Brezen sind und haben wir mittelgroße Städte, mittelgroße Werte (Romantik!), mittelgroße Natur (1 Berg, 1 See, 1 Klamm). Deutschland ist Top für alle, die mit Extremen nicht so können. Ist doch super! Hätte nach 33 doch so bleiben können!!

Entsprechend praktikabel ist auch der Claim, den die Deutsche Zentrale für Tourismus für unser Land gewählt hat:

DZT_Claim_Deutschalnd

 

Das sind wir also. Das Reiseland. Wobei ich unsicher bin, ob die Betonung auf „DAS“ oder „REISELAND“ liegt? Für Ausländische Gäste wird der Claim als guter Service übersetzt: The travel destination. Das würde VW nie tun. Die sind überall auf der Welt DAS AUTO.

In dieser Tradition und damit es auch mal weiter geht, wäre mein (erster) Vorschlag für einen Claim für Deutschland eine etwas selbstbewusstere Weiterentwicklung:

Deutschland
Die Reise.

Da weiß man, was man macht. Frohe freie Ferien noch in allen Bundesländern und viel Sonne!

Newsquelle: FVW (BB, Bezahl-Bereich) Bildquelle: Romantische Strasse

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2 Responses to Deutschland aus dem Ausland gesehen (Marke)

  1. Jeff Bezos sagte, Marke sei das, was andere über einen sagen, wenn man den Raum verläasst. An diesem Beispiel zeigt sich sehr schön, dass es auch sehr darauf ankommt, was man vorher gefragt hat.
    Die Marke Deutschland ist sicher mehr als die Top-Sehenswürdigkeiten. Fragte man zum Beispiel die Griechen, käme wohl ein ganz anderer Slogan heraus.
    Meine Cousine, gebürtige Amerikanerin, fasst es so zusammen:
    „Europe is the land of little things: Little countries, little streets, little cars, little packages of toilet paper.“ Deutschland wird dabei noch nicht einaml extra erwähnt. Alles eine Perspektive der Frage :-)

  2. Julia sagt:

    Die Top zehn strotzt in jedem Falle von Historie… Geschichte…Geschichten.

    Müssten wir also nicht „die Masters of Storrytelling“ sein bei diesem Potential auf der Welle dieses Trends surfen mit Leichtigkeit?!
    Der Deutsche bürokratelt nocht.

    Die Finnen zeigen wie es geht: http://www.visitfinland.com/de/

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