Was ist besser, ein Weblog oder Facebook? So ähnlich lautet die Grundfrage hinter den Vergleichen im Web. Was dabei fehlt, ist das „Wofür“, also der relevante Teil der Frage. Damit fehlt ihr der Kontext.
Betrachten wir zunächst die inspirierende Präsentation von Brandwatch (Slideshare):

Vorteile Blogs:

  • Frei zugängliche Plattform
  • Mehr Gestaltungsmöglichkeiten
  • Enge Verzahnung mit Webseite möglich
  • Gute Anbindung an andere Kanäle möglich
  • SEO
  • Reduzierte, aber belastbare Datenbasis (Google Analytics)
  • Volle Kontrolle (Domain, Plattform, Inhalte, Backup)

Vorteile Facebook:

  • Kommunikationshoheit (gefühlt)
  • Gute Meßbarkeit von … Reichweite, Interaktion, etc.
  • Theoretisch größte Reichweite
  • Spitzes Personalprofil
  • Facebook ist das Internet (und das neue AOL)

Ähnlich argumentieren übrigens auch Xengoo Marketing, für die Patricia Redlicher  eine schöne Infografik entworfen hat und viele andere.
Die Nachteile der beiden Plattformen bitte selbst nachlesen. Ich nehme nur einen heraus, „mehr Aufwand beim Blog“:

Ich denke nicht, daß ein Blogbeitrag mehr Aufwand macht, als ein Post bei Facebook. In einem Vergleich der beiden Plattformen, sollte man annehmen, daß jeder Beitrag grundsätzlich neu erstellt wird. Dann schaut’s mit dem Aufwand schon anders aus. So braucht ein guter Facebook-Post einer Marke schon mal vier Stunden – nur für ein grafisch bearbeitetes Bild. Während ein guter Blogbeitrag in 2-3 Stunden geschrieben ist.
Das Blog selber muss natürlich eingerichtet und unterhalten werden. Im Vergleich zu den Inhalten jedoch ein geringer Aufwand.

Nein, so einfach ist es nicht. Bereits auf den zweiten Blick sieht man, daß die jeweiligen Bulletpoints in den  Vergleichen ganz andere Themen ansprechen. Zum Beispiel Gestaltungsmöglichkeiten im Blog versus Meßbarkeit auf Facebook. Hier hinkt es gleich doppelt.

i) Beiträge sind auf Facebook gestaltbar, wie im Blog auch. Die wenigen Unterschiede sind Einzelfälle, für einen Vergleich also untauglich. Und: man kann auf Facebook auch bloggen, recht gut sogar.
Das Blog ist selbst eine Plattform, während man auf der Plattform Facebook nur in der Timeline stattfindet – Gestaltung meint also jeweils etwas Unterschiedliches.

ii) Die Meßbarkeit ist im Blog sogar besser, weil man alle möglichen Arten von Tools installieren kann. Nur misst man eben etwas Anderes anders. Man kann zwar eine höhere Reichweite als die eigene Facebookseite erreichen, aber niemals höher als Facebook selber – die Nutzerprofile und Erwartungen sind anders.

Soweit zu zwei Beispielen. Fokussieren wir das Ganze:
Facebook ist selbst eine Plattform für Kommunikation innerhalb dieses Sozialen Mediums mit einer Reihe von relativ festen, global einheitlichen Funktionen und globaler Reichweite.
Ein Blog ist eher Medium, aber auch Plattform für den Inhaber. Die „Plattform der Blogs“ ist entsprechend nicht das Blog, sondern das Internet. Was auf Facebook die „Page“, das Profil einer Person, oder die Seite eines Unternehmens, ist das Blog im gesamten Internet.
Während man auf Facebook überzeugend in den Algorithmus „rein muss“, muss das Blog in den Algorithmus von Google und anderen Suchmaschinen. Darüberhinaus können und werden Blogbeiträge aber auch über eMail, RSS, eigene Newsletter, Facebook, Twitter und allen anderen Plattformen geteilt – eben nicht abhängig von den Funktionen anderer, sondern den Möglichkeiten des Internet.

Was ist also besser, Weblog oder Facebook? Hier muss man doch erstmal fragen, wofür? Wofür ist Facebook oder ein Weblog besser? Sonst wäre es ein Vergleich zwischen Auto und LKW. Beide haben Räder, Lenkrad, Laderaum…

Facebook: Größtes Werbemedium und aktivste Kommunikationsplattform der Welt, unterliegt den Regeln sozialer Webkommunikation und eben Facebook.

Weblog: Eigene Social Web Plattform, unterliegt den Regeln des Internet.

Insofern ist es dann auch klar, ohne jede Studie, warum Blogs für SEO so gut sind und Facebook für Reichweite – und warum Werber Facebook bevorzugen, während die PR den Blogs mehr Aufmerksamkeit schenken sollte. So wie es klar ist, daß ein LKW Lasten transportiert und ein PKW Menschen. Und warum ein direkter Vergleich ohne passenden Kontext eher Unsinn ist.

Bildquelle: Patricia Redsicker im Auftrag von Xengoo Marketing 

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