Über den Nut­zen des Web 2.0 für Unter­neh­men wird viel dis­ku­tiert gerät­selt. Wir haben im Rah­men aktu­el­ler Pro­jekte einen Ansatz ent­wi­ckelt, der das Web 2.0 für Unter­neh­men prak­ti­ka­bel macht. Wir nen­nen ihn Social Agenda Set­ting. Der Ansatz wird im Namen deutlich:

Der Ansatz

baut auf dem klas­si­schen “Agenda Set­ting” in der Public Rela­ti­ons auf. Das Ergeb­nis ist ein Pro­jekt­plan, der The­men, Mul­ti­pli­ka­to­ren & Bot­schaf­ten rund um Mar­ken, Unter­neh­men und Ihren Ange­bo­ten definiert.

Der Begriff “Social” erwei­tert die klas­si­sche Methode um moderne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ele­mente. Dadurch ändern sich einige Para­me­ter. So ist es nicht unser Ziel, The­men zu schaf­fen. Das

Set­ting”

beschreibt viel­mehr

  • bereits vor­han­dene Themen,
  • Ihre Aus­prä­gung in den ver­schie­de­nen Kun­den­grup­pen und
  • die Rele­vanz der The­men im All­tag der Kunden.

Das bezieht natür­lich klas­si­sche und soziale Medien mit ein. Hier wird sicht­bar, daß wir streng vom Kun­den aus den­ken und nicht wie bis­her vom Unter­neh­men als Absen­der von Bot­schaf­ten. Erst in den wei­te­ren Schrit­ten arbei­ten wir uns “zum Unter­neh­men vor”. Unter

Agenda”

ver­ste­hen wir ent­spre­chend den Kon­text der Kun­den. Neben der

  • Tona­li­tät der Anspra­che kann so
  • der Zeit­ho­ri­zont und
  • der Medi­en­mix der Kunden

fest­ge­legt wer­den. Diese Infor­ma­tio­nen bestim­men die Tiefe der Kam­pa­gne. Ist z.B. die Auf­merk­sam­keits­spanne der Kun­den gering, müs­sen auch die Inhalte der Maß­nahme eine geringe Tiefe auf­wei­sen. In die­sem Fall sind die Inhalte z.B. eher unter­halt­sam, als infor­ma­tiv oder auf­rüt­telnd. Ein gutes Bei­spiel ist die Marke Skitt­les. Dort steht der Spaß an den sozia­len Netz­wer­ken vor jed­we­den tie­fe­ren Bot­schaf­ten. Das ist der Punkt an dem wir die Erfah­run­gen der Wer­bung mit einbeziehen.

Social”

wie­derum beschreibt einen ande­ren Fokus der Kun­den­an­spra­che. Auch hier ist es nicht Ziel, Begriffe mit der eige­nen Marke als Absen­der zu prä­gen, sondern

  • Teil bereits vor­han­de­ner Kom­mu­ni­ka­tion zu wer­den. Das gelingt über
  • die Brü­cke der “sozia­len Mar­ken­werte”. Damit sind nicht die sozia­len Akti­vi­tä­ten der Unter­neh­men oder Cor­po­rate Social Responsi­bi­lity gemeint, sondern
  • Mar­ken­werte, die den Wer­te­bil­dern der Com­mu­nities entsprechen.

Com­mu­nities sind kleine, große oder sehr große Kun­den­grup­pen, die sich auf­grund iden­ti­scher per­sön­li­cher  Inter­es­sen und Werte fin­den (Shared Valu­res), die Grup­pen­werte durch gemein­same Akti­vi­tä­ten erschaf­fen (Shared Prac­tise) und durch gemein­same Kom­mu­ni­ka­tion und Hand­lung eine gemein­same Rea­li­tät erzeu­gen (Shared Rea­lity). Diese Grup­pen– Rea­li­tät ist nicht nur Iden­ti­täts­stif­tend nach innen, son­dern funk­tio­niert auch als Abgren­zung nach aus­sen.
Mar­ken, die hier kom­mu­ni­zie­ren wol­len, müs­sen Teil die­ser Rea­li­tät wer­den. Ansons­ten haben sie nur eine Chance, wenn sie von gene­rel­lem Inter­esse sind. Dann aber bliebe es klas­si­sche Wer­bung in sozia­len Net­zen. Dage­gen ist nichts ein­zu­wen­den, nur lei­den die Effi­zi­enz und damit der Erfolg beträcht­lich.
Ande­rer­seits kann man des­we­gen mit der glei­chen Marke in ver­schie­de­nen Grup­pen jeweils anders kom­mu­ni­zie­ren, ohne neue Mar­ken erschaf­fen zu müs­sen. Die alte Idee der frak­ta­len Marke kann nun umge­setzt werden.

Die Vor­teile

Das Social Agenda Set­ting klärt unse­rer Ansicht nach einige der unge­lös­ten Fra­gen im Web 2.0 / Mar­ke­ting 2.0.

  • der knappe Zeit­ho­ri­zont der Mar­ke­ting– Abtei­lun­gen wird berücksichtigt
  • tak­ti­sche Maß­nah­men erhal­ten eine stra­te­gi­sche Fundierung
  • das Ver­hält­nis Marke vs. Per­son in den sozia­len Netz­wer­ken wird geklärt
  • klas­si­sches Bran­ding kann im Web 2.0 fort­ge­führt wer­den, die Mar­ken­kon­trolle bleibt erhalten
  • klas­si­sche Maß­nah­men (Wer­bung, PR) kön­nen inte­griert werden
  • das Con­trol­ling der Maß­nah­men kann in beste­hen­den Sys­te­men anhand beste­hen­der Ziele erfolgen

Die Defi­ni­tion

- Ent­wurf -
Social Agenda Set­ting ist ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­satz, der aus­ge­hend von der sozial defi­nier­ten Wirk­lich­keit von Kun­den­grup­pen, die vor­han­de­nen oder zukünf­ti­gen Mar­ken­werte so kom­mu­ni­ziert, daß diese Teil die­ser Wirk­lich­keit werden.

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3 Responses to Maßnahmen im Web 2.0 — Social Agenda Setting

  1. Das klingt alles ganz gut. Dem Absatz über Com­mu­nities und den meis­ten Emp­feh­lun­gen kann ich zustim­men, nur sehe ich den Bezug zum Agenda Set­ting nicht.

    Cohens Ansatz, der ja im Kern besagt, dass die (Massen-)Medien nur gerin­gen Ein­fluss dar­auf haben, WIE etwas the­ma­ti­siert wird, jedoch maß­geb­lich bestim­men, WAS the­ma­ti­siert wird, lässt sich auch nicht ohne wei­te­res auf das Social Web über­tra­gen:
    1. ist die The­men­set­zung und damit mög­li­che Agenda im Social Web deut­lich fragmentierter/diverser,
    2. und noch wich­ti­ger han­delt es sich im Social Web ja eben nicht um Mas­sen­me­dien. Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und Erfah­run­gen genie­ßen dafür wie­derum ein viel grö­ße­res Ver­trauen als mas­sen­me­dial ver­mit­telte Infor­ma­tio­nen. Ein netz­werk­theo­re­ti­scher Ansatz wäre hier dem auf aggre­gierte Agen­den fokus­sier­ten und “sozial blin­den” Agenda Set­ting weit überlegen.

    Du “löst” das Pro­blem, indem Du das Ziel umde­fi­nierst von The­men­set­zung zum “Agenda Sur­fing” und “Set­ting” von “Set­zung” auf “Sze­ne­rie” umdeu­test. So klingt es in sich ver­hälft­nis­mä­ßig logisch. Dass die­ses Kon­zept “das Web 2.0 für Unter­neh­men prak­ti­ka­bel macht”, bezweifle ich. Und was soll bloß der Copyright-Vermerk am Begriff “Social Agenda Set­ting” bedeuten?

  2. Michael sagt:

    Nach­dem ich län­ger dar­über nach­den­ken musste, habe ich doch eine ein­fa­chere Ant­wort gefun­den. Der Denk­feh­ler liegt in dem Wort “Ziel”. Ich defi­niere nicht das Ziel um — das bleibt sogar gleich.
    Ich drehe Sen­der und Emp­fän­ger zunächst um 180 Grad. Der Aus­gangs­punkt liegt also dort, wo sonst das Ergeb­nis ist. Nicht das Unter­neh­men setzt die Agenda, son­dern es wer­den die pas­sen­den Com­mu­nities gesucht, die eben schon eine ent­spre­chende Agenda haben.

    Danach wird das Sys­tem geschlos­sen, also auf 360 Grad gebracht, indem die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ele­mente ver­bun­den wer­den. Dabei ist Set­ting zunächst Sub­stan­tiv als Beschrei­bung der Struk­tur der Kom­mu­ni­ka­ti­ons, dann Verb zur Beschrei­bung der Pro­zesse und zur Ein­bin­dung der Marke. Das klingt kom­pli­ziert, ist aber kom­plex und somit lösbar.

    zu 1) wie frag­men­tiert die Agenda ist, hängt von der Größe der gewähl­ten Com­mu­nity ab. Es wer­den ja auch Mas­sen­the­men dis­ku­tiert. Das Schöne ist aber, daß die meis­ten Web­com­mu­nities per se ein Meta­t­hema haben, daß die lei­tende Agenda beschreibt und führt. Frag­men­tie­rung ist also eine Frage des Sicht-Standpunktes und wird durch die rich­tige Wahl der Com­mu­nity gelöst.
    zu 2) wer­den auch Mas­sen­the­men Mund-zu-Mund wei­ter­ge­ge­ben. Das “auch” beschreibt dabei mei­nen Ver­such, beide Ansätze impli­zit zu berück­sich­ti­gen. Mei­nes Erach­tens flies­sen auf­grund des Fokus auf soziale Werte sowohl die “aggre­gierte Agenda” als auch die Netz­werk­theo­rie zusam­men, z.B. weil ein emo­tio­na­ler Anker her­ge­stellt wird.

    Um ein Bei­spiel für _eine_ wirk­lich ein­fa­che, also für Unter­neh­men prak­ti­ka­ble Umset­zung zu zei­gen:
    Man kann in Com­mu­nities sehr, sehr gezielt Wer­bung schal­ten. Nur soll­ten die Inhalte keine “Sen­dung” sein. Wie wäre es, wenn Text­an­zei­gen und Ban­ner­wer­bung die Dis­kus­sio­nen inner­halb der Com­mu­nity auf­neh­men und wei­ter­füh­ren? Bei Reich­wei­ten zwi­schen extrem ziel­ge­nauen 50.000 bis hin zu 7 Mil­lio­nen Mit­glie­dern und mehr lohnt der geringe Mehr­auf­wand in der Krea­tion.
    Die Wer­bung würde aber nicht mehr wie Wer­bung wahr­ge­nom­men — und wäre es ja auch nicht — son­dern als Gesprächs­an­ge­bot der Marke. Der klas­si­sche Wer­be­ef­fekt wäre aber der glei­che (z.B. infor­melle Bot­schaf­ten, Bekannt­heit und Image).

    Im Kern glaube ich eben auch nicht, daß neue Modelle die Alten kom­plett ablö­sen. Sie bauen alle auf­ein­an­der auf, wes­halb die Erfah­run­gen von POS, PR und Wer­bung die Grund­lage für die Netz­werk­mo­delle darstellen.

  3. Zunächst danke, dass Du das kleine Copyright-© ent­fernt hat. Und bevor Du erwägst, “Social Agenda Set­ting” zur Marke zu machen, soll­test Du die Bezeich­nung wirk­lich noch ein­mal über­den­ken. Sie führt dop­pelt in die Irre, wie Dein Kom­men­tar noch mal deut­lich macht: Zum einen durch die Ver­wech­sel­bar­keit mit dem Agenda-Setting-Ansatz (mit dem Deine Aus­füh­run­gen nicht das geringste zu tun haben), zum ande­ren durch die reine Wort­be­deu­tung. Du beschreibst ja gerade den Auf­bau auf beste­hende Themen.

    Neben dem seman­ti­schen Pro­blem kann ich aber auch Dei­ner Argu­men­ta­tion nicht fol­gen. Die theo­re­ti­schen Aus­füh­run­gen eher vage als “kom­plex”, also halte ich mich an das Bei­spiel: Das Unter­neh­men macht ein Dia­log­an­ge­bot per Wer­bung. Dass die­ses nicht als Wer­bung wahr­ge­nom­men werde, stimmt, sofern es wirk­lich rele­vant für die aktu­elle Dis­kus­sion ist. Warum aber dann nicht gleich als Teil­neh­mer ein­stei­gen anstatt über den Wer­be­ka­nal? Der Auf­wand bleibt der glei­che (schließ­lich muss auch hin­ter dem werb­li­chen Dia­log­an­ge­bot jemand ste­hen, der die­sen Dia­log bei Annahme auch FÜHRT — das zum Thema “gerin­ger Mehr­auf­wand”), die Wir­kung wäre um ein Viel­fa­ches grö­ßer. Dar­über hin­aus sehe ich noch das eine oder andere prak­ti­sche Pro­blem in der Durchführung.

    Viel­leicht wird die Dis­kus­sion zu aus­ufernd für die­ses For­mat. Ich würde mich freuen, sie auf dem Social Media Camp fortzusetzen.

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