Die bunte Bonbon Community (Website 2.0)

Ja, das ist eine Inter­net­sei­te — radi­ka­les Bei­spiel für moderns­te Über­le­gun­gen zum Web­de­sign.

Star­ten wir mit einem Blick auf mei­nen  Wahr­neh­mungs­pro­zeß im Web 2.0. Das The­ma erreich­te mich Häpp­chen­wei­se: in einem Tool sah ich, daß der mir völ­lig unbe­kann­te Begriff Skitt­les “Tren­ding Topic” bei Twit­ter war, also viel kom­mu­ni­ziert / ziti­tert wur­de. Aber da es noch viel mehr selt­sa­me The­men gab, klick­te ich schnell wei­ter. Den­noch blieb der grif­fi­ge Begriff hän­gen.
Auf dem wei­te­ren Weg sah ich einen Twit zu einem Blog­bei­trag zu Skitt­les. Das erstaun­te mich. War­um soll­te jemand zu so einem selt­sa­men Begriff blog­gen? Aber der Begriff fällt ein­fach auf, viel­leicht wg. sei­ner sprach­li­chen Nähe zu N.….? Den Blog­bei­trag habe ich nicht gele­sen. Irrele­vant.

Wirk­lich ange­kom­men ist dann ein Twit zum Blog­bei­trag von Mar­ting Oet­ting. Aber selbst nach dem Lesen war das The­ma eher eine Rand­no­tiz. Ein kur­zes Aha.
Bis ich dann heu­te bei http://www.skittles.com/ war.
Das, was vie­le in Ansät­zen seit Jah­ren ver­su­chen, haben die Ver­ant­wort­li­chen bei den Skitt­les (wie M&M Scho­ko­drops, nur mit Frucht­fül­lung und auch von Mars) radi­kal umge­setzt. Die Web­site ist ein Sam­mel­be­cken für alle mög­li­chen Web 2.0 Bei­trä­ge.

Zum Design

Oben links schwebt ein bun­tes Käst­chen mit den klas­si­schen Links: Pro­duk­te, Media, Kon­takt und zwei nicht ganz so klas­si­schen: Chat­ter, Fri­ends. Dahin­ter ver­ber­gen sich jedoch völ­lig unklas­si­sche Sei­ten:

  • Pro­duk­te: Wiki­pe­dia Ein­trag der Fir­ma mit einer Beschrei­bung der ver­schie­de­nen Pro­duk­te in den ver­schie­de­nen Geschmacks­rich­tun­gen
  • Media: Links zu Vide­os und Fotos. Vide­os: ein Skitt­les- Video- Chan­nel auf You­tube; Fotos: ein Link zur Suche nach “Skitt­les” in Flickr
  • Kon­takt: eine klas­si­sche sta­ti­sche Web­sei­te mit For­mu­lar­funk­ti­on
  • Chat­ter: ein Link zum RSS- Feed der Twit­ter suche nach Skitt­les
  • Fri­ends: ein Link auf die Pro­fil­sei­te von Skitt­les bei Face­book (587.700 Fans)

Die Links zum Impres­sum, Infor­ma­tio­nen für Eltern, Recht­li­ches sind ganz klein am unte­ren rech­ten Rand unter dem Titel “Other Gob­ble­dy­gook” ver­steckt, der Begriff bedeu­tet: Geschwa­fel.

Das Käst­chen ist in den Mar­ken­far­ben gestal­tet und so ange­ord­net, daß es zusam­men­ge­klappt gut in die ver­link­ten Web 2.0- Sei­ten passt. Man kann die­se also gut bedie­nen kann, ohne daß das Käst­chen ver­schwin­det. Es ent­hält zudem klei­ne, nicht auf­dring­li­che Mar­ken­bot­schaf­ten.

Zwi­schen­durch mel­den sich ger­ne klei­ne Hin­weis­fens­ter mit­ten auf der Sei­te mit Tex­ten wie:

Sor­ry to inter­rupt, but we wan­ted to let you know you can drop that box in the cor­ner just by typing in a new URL. It’s that simp­le.” oder

Dont for­get do get up for a while and take a walk. Your legs will thank you.” mit Link auf das Mars Health Pro­gramm.

Bewertung

That being said, what’s real­ly mis­sing form it is inter­ac­tivi­ty with the brand its­elf. (via Buz­zMar­ke­ting­Dai­ly (BMD))”

Die Fra­ge nach dem Kon­text ist eine Ent­schei­den­de. Hier wird sie gestellt, als soll­te die Inter­ak­ti­on auf der Web­site der Mar­ke statt­fin­den. Damit ist die Fra­ge v.a. skur­ril, denn Inter­ak­ti­on ist in den Soci­al Net­works [sic!] “build in”, also Stan­dart­funk­ti­on. M.a.W. die Inter­ak­ti­on fin­det ja schon in den Netz­wer­ken statt, sei­en es Ände­run­gen in der Wiki, Kom­men­ta­re auf You­tube oder eige­ne Fotos auf Flickr. Das alles ist Kom­mu­ni­ka­ti­on.

Genau des­we­gen geht es um den Kon­text: bin ich da, wo die Kun­den sind, oder sol­len die Kun­den zu mir. Die Idee von BMD ist es offen­sicht­lich, eine “eige­ne Com­mu­ni­ty” zu bau­en. Das ist der tech­ni­sche Ansatz, von dem die Meis­ten aus­ge­hen (sie­he teAM Deutsch­land). Ich hat­te eine ähn­li­che kur­ze Dis­kus­si­on mit Sascha Lobo, der mein­te “die Leu­te brau­chen ein Zuhau­se”, also eine Mar­ken­platt­form. Ich mei­ne: das Zuhau­se ist woan­ders, Mar­ken und Par­tei­en sind immer Teil von etwas, nie das Zuhau­se selbst.

Man darf auch nicht ver­ges­sen, daß die Beschäf­ti­gung mit Frucht­bon­bons eher “leicht” ist. Das wie­der­um passt ganz gut zur “leich­ten”, Spaß- ori­en­tier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on in den Soci­al Net­works.
Genau hier las­sen sich tol­le Sachen mit den Kun­den machen. Wer auf die “Home­page” kommt, wird das genau so erfah­ren, wie das Face­book- Mit­glied. Wahr­schein­lich wer­den sich vie­le Face­book- Fan­page- Mit­glie­der jetzt auch beim You­tube- Chan­nel ange­mel­det haben. Womit die Ver­tei­lung der Auf­merk­sam­keit zu einem guten Teil zu Guns­ten Skitt­les geht.

Ein span­nen­der Effekt: durch die Auf­merk­sam­keit auf Twit­ter wer­den vie­le, die das Wort “Skitt­les” in Ihren Twits benut­zen, sicher bewuss­ter mit Ihrer Mei­nung umge­hen. Viel­leicht sogar kurz nach­den­ken oder direkt an Skitt­les twit­tern. Damit bekommt die Kom­mu­ni­ka­ti­on wenigs­tens etwas Tie­fe.

Die klei­nen Hin­weis­fens­ter sind aus­bau­bar, denn sie schaf­fen das Gefühl eines Pro­zes­ses und damit einen dyna­mi­schen Rah­men.

Wel­che Pro­ble­me die Ein­bin­dung “leich­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on” als Aus­hän­ge­schild der Web­site aller­dings brin­gen kann, zeigt die­ser Case auch gleich.

Fazit

  1. Die gesam­te Akti­on ist ein Spiel mit Web 2.0 Tools, daß natür­lich Nut­zer von Web 2.0 inter­es­siert und so für eine hohe Ver­brei­tung inner­halb des Web 2.0 führt. (“Akti­on” statt “Web­site- Relaunch”!)
  2. Zugleich zeigt Sie eine Aner­ken­nung der Kun­den und wirkt wie eine Beloh­nung, was ja gut zu klei­nen Frucht­bon­bons passt und die Web 2.0 Akti­vi­tä­ten an sich ver­stärkt.
  3. Aus den Akti­vi­tä­ten kann mehr wer­den. Die Akti­on beginnt aber da, wo sie begin­nen soll­te, bei den Men­schen und Ihrem Spaß an klei­nen, bun­ten Frucht­bon­bons — ohne gleich die Welt ver­än­dern zu müs­sen.

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2 Replies to “Die bunte Bonbon Community (Website 2.0)”

  1. […] schon vor län­ge­rem als kon­se­quen­tes Mas­hup auf neue Füße gestellt. Neu auch die sehr kon­tro­vers dis­ku­tier­te Web­site des bri­ti­schen Bon­bon­her­stel­lers Skitt­les. Expe­ri­ment und Spiel­wie­se oder klug gewähl­te, […]

  2. […] die Inhal­te z.B. eher unter­halt­sam, als infor­ma­tiv oder auf­rüt­telnd. Ein gutes Bei­spiel ist die Mar­ke Skitt­les. Dort steht der Spaß an den sozia­len Netz­wer­ken vor jed­we­den tie­fe­ren Bot­schaf­ten. Das ist der […]

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