FAZ vs. Google vs. Axel Springer vs. die Welt

War­um fällt es schwer, für Axel Sprin­ger Par­tei zu ergrei­fen? War­um soll­te es schwe­rer fal­len, für Goog­le Par­tei zu ergrei­fen? Eric Schmidt von Goog­le und Mathi­as Döpf­ner von Axel Sprin­ger haben, jeweils Chefs der Kon­zer­ne, eine Dis­kus­si­on ange­stos­sen, die über­fäl­lig ist. Die Reak­tio­nen im Netz gehen aller­dings am Kern der Sache vor­bei. Das darf nicht pas­sie­ren.

Die Büh­ne der Aus­ein­an­der­set­zung ist die FAZ, immer noch Deutsch­lands Leit­me­di­um. Fast muss man sagen: wie­der. Die FAZ begann eine Dis­kus­si­on über die Macht von Goog­le. Schon hier kann man Inter­es­sen ver­mu­ten. Umso mehr jedoch bei den Ant­wor­ten der bei­den lei­ten­den Köp­fe.
Eric Schmidt ist begeis­tert dar­über, daß die Medi­en end­lich zur Inno­va­ti­on grei­fen, Döpf­ner ist begeis­tert über das euro­päi­sche Wer­te­sys­tem. Dann wer­den einem die Mil­li­ar­den nur so um die Ohren geschmis­sen: 9 Mrd. Aus­schüt­tung an die Ver­la­ge durch Goog­le, bei 14 Mrd. Dol­lar Gewinn im Jahr 2013.

Auf Fak­ten­ebe­ne geht es um die Grund­prin­zi­pi­en der frei­en Wirt­schaft, Wohl­stand durch Kapi­ta­lis­mus. Auf Bot­schafts­ebe­ne aller­dings um die Ände­run­gen in der Welt. Bei­den Kom­bat­tan­ten gelingt es, bei­des wun­der­bar zu ver­mi­schen. Hier die Bedeu­tung der Zukunft, da die Bedeu­tung der Frei­heit, unter allem die Fra­ge der Regu­lie­rung und Steue­rung. Denn, das ler­nen Schü­ler schon, wird die Wirt­schaft erfolg­reich von einer unsicht­ba­ren Hand gelei­tet, braucht aller­dings auch Gren­zen, damit sie funk­tio­nie­ren kann. Irgend­wo dazwi­schen ver­läuft die Kampf­li­nie.

Blöd­sinn.

Es geht nicht um Wirt­schaft. Wenn sich bei­de ernst­haft ein­brin­gen wol­len, soll­ten sie drin­gend ihre Kon­zern­in­ter­es­sen aus­sen vor las­sen. Goog­le geht es schon lan­ge nicht mehr dar­um: “to orga­ni­ze the worlds infor­ma­ti­on”. Damit haben sie ihre Repu­ta­ti­on ver­spielt, sind viel­leicht noch im Tech­Wun­der­land ohne Makel. Axel Sprin­ger wie­der­um ver­dient mit den über Jahr­zehn­te bekrieg­ten digi­ta­len Medi­en mehr Geld, als mit Print. Mir fehlt da noch eine Aus­sa­ge, bevor sie sich glaub­wür­dig ins Getüm­mel stür­zen.

Las­sen wir also den kaum noch ver­steck­ten Pro­tek­tio­nis­mus aus­sen vor. Was bleibt dann? Eine Welt im Wan­del.

Kon­zer­ne die­ser Grö­ße haben eine gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung. Die Fra­ge ist und bleibt: wohin mit den Gewin­nen? Was tun bei­de Unter­neh­men für die Men­schen, aus­ser maß­los Geld anzu­häu­fen? Nichts davon ist glaub­wür­di­ger Teil der Debat­te. Tei­le davon wer­den in den Ring gewor­fen, um sich selbst mora­lisch zu erhö­hen. Dabei hat das Gan­ze einen Kern, der zur Dis­kus­si­on gestellt wer­den MUSS. (Wann hab ich hier schon mal Ver­sa­li­en benutzt?)

Es stei­gen wahr­haf­tig zwei Wer­te­sys­te­me in den Ring, die auf die Büh­ne der Welt gehö­ren. Schmerz­lichst, daß nicht die Poli­tik die­se Dis­kus­si­on führt, son­dern ein “neu­er Medi­en” und ein “alter Medi­en” Kon­zern. In einer Welt, die längst voll­ver­netzt ist. Der eine besitzt eine wesent­li­che Infor­ma­ti­ons­in­fra­struk­tur des frü­hen Inter­net, der ande­re poli­ti­schen Ein­fluß. Das spie­len sie jetzt gegen­ein­an­der aus. Kei­ner von bei­den zeigt Ver­ant­wor­tung, oder ist sich einer Bedeu­tung im 21. Jahr­hun­dert auch nur annä­hernd bewusst.

Die Zeit, ein Land zu okku­pie­ren, ist vor­bei. Die natio­na­len Krie­ge sind geschla­gen. Heu­te kauft man sich ein­fach, was man will. Fehlt nur noch, daß Hr. Putin bei der Dis­kus­si­on mit­macht. Was wür­de er sagen? “Wir aben ein rus­sisch Such­ma­schin. Was Zei­tung sagt, icch weiss schon.”

Das Inter­net war lan­ge Zeit die Spiel­wie­se tech­no­lo­gisch begab­ter Men­schen. Das ändert sich jetzt. Wer­te wer­den Teil der Tech­no­lo­gie. Schön, wenn es ein­fach und schnell funk­tio­niert. Aber wozu? War­um? Für wen ist das gut? Wer­den Kon­zer­ne jetzt wie Natio­nal­staa­ten geführt? Ist das die Ant­wort?

Ich bin froh, daß sich end­lich die Euro­pä­er ein­mi­schen. Lan­ge genug haben sie ver­sucht, sich gegen den Trend zu stel­len. Haben nie ganz ver­stan­den, was da im Vir­tu­el­len eigent­lich pas­siert. Haben gebraucht, sich irgend­wie damit anzu­freun­den. Haben im Stil­len ver­sucht, ein gro­ßes Tor­ten­stück­chen zu erha­schen. 20 Jah­re lang hab ich die euro­päi­schen Inne­rei­en dabei beob­ach­ten dür­fen, wie sie ver­su­chen, die digi­ta­len Bro­cken zu ver­dau­en.

Jetzt erst. Erst jetzt gibt es ein Bekennt­nis.

Das fällt so pein­lich aus, das es bei­de Sei­ten beschä­men muss. Gesell­schaft­li­che Wer­te wer­den in den Kampf geführt wie Krie­ger. Man lässt sie gegen­ein­an­der antre­ten, schwer bewaff­net. Lächelnd und höf­lich zei­gen sie sich die Zäh­ne. Nur, um dann Geschäfts­zah­len aus­zu­kot­zen. Dabei geht es um was. Wie kann ein Kon­zern, der die Daten der ent­wi­ckel­ten west­li­chen Welt spei­chert, Ver­ant­wor­tung über­neh­men? Muss ein Kon­zern, des­sen Geschäfts­mo­dell Infor­ma­tio­nen sind, mas­siv in Hard­ware und Trans­ak­ti­on ein­stei­gen? Wie kann ein Kon­zern, der immer radi­kal Hal­tung gezeigt hat, die Hal­tung der ande­ren anneh­men? Wie kann die­ser Kon­zern von Gesell­schaft spre­chen, wenn er immer nur sei­nen Aus­schnitt fest im Blick hat­te? Die­sen dann auch noch “Welt” und “Bild” nennt?

Vor allem aber: wer kann und soll die Dis­kus­si­on über die Wer­te digi­ta­ler Tech­no­lo­gi­en und einer ver­netz­ten Welt füh­ren?

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Bild­quel­le: grue­n­enn­rwCC BY-SA 2.0

 

 

 

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