Menschen machen Werbung

Höchs­te Zeit, daß The­ma User Gene­ra­ted Adver­ti­sing wie­der auf die Agen­da zu holen. Die Bild lässt sich die Wer­bung von den Lesern besor­gen. Mehr noch, auch für wer­be­trei­ben­de Unter­neh­men sol­len sich die Leser ins Zeug legen. Damit reagiert sie, inter­es­sant genug, auf den glei­chen Auf­ruf des Bild­blog. Auch dort haben die Leser Wer­bung für das Bild­blog ent­wor­fen.

Deutsch­lands Wer­be­kri­ti­ker Nr. 1, Spie­ßer Alfons, rückt das Licht eine Ebe­ne tie­fer, näm­lich direkt auf die betreu­en­de Agen­tur Jung v. Matt und damit auf die Wer­be­bran­che als sol­ches. Wozu all das Wis­sen um Mar­ke, Bot­schaf­ten, Wer­be­wir­kung, recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen, Media­stra­te­gie etc., wenn die Ziel­grup­pe sich selbst enga­giert?

Klar, das ist schon toll. Mehr “Invol­ve­ment” in Wer­bung kann man kaum haben, wenn man sie sel­ber pro­du­ziert, wenn man sein Ergeb­nis mit dem Ande­rer ver­gleicht. Da wird die “user gene­ra­ted” Akti­on zur Wer­bung selbst, die Pro­duk­ti­on der Wer­bung ist zugleich die Kam­pa­gne. Immer­hin geben die Mar­ken damit bewusst einen Teil der Kon­trol­le in die Hand der Kun­den.

Ist die Qua­li­tät dann noch wich­tig? Wer weiss, wer weiss. Nur geht eben die “Auf­ga­be der Wer­be­wir­kung” (- dop­pel­deu­tig) weit über Auf­merk­sam­keit und Sicht­bar­keit der Mar­ke hin­aus. Das was vie­le für Wer­bung hal­ten, ist es eben nicht. Nur wer das Brie­fing kennt und die Kam­pa­gne ent­wi­ckelt, weiss wirk­lich, wel­che Bot­schaft damit erreicht wer­den soll. Wer­bung ist zwar All­ge­mein­gut, Stamm­tisch­ge­spräch und täg­li­cher Beglei­ter — aber das ist auch ein Auto. Des­we­gen ist noch lan­ge kein Auto am Stamm­tisch oder in der Wohn­stu­be ent­stan­den, geschwei­ge denn erfolg­reich gewor­den.

Mar­ken­füh­rung wird immer stra­te­gi­scher und die Auf­ga­ben einer Agen­tur rücken mehr auf die Meta- Ebe­ne. Aber User Adver­ti­sing ist ein­fach nur ein Aus­druck der All­ge­gen­wär­tig­keit von Wer­bung. Sie ist mit­nich­ten pro­fes­sio­nell. Eine Mar­ke ist eben kein Logo und eine schi­cke oder wit­zi­ge Gestal­tung kei­ne Mar­ken­füh­rung.
Die Platt­form Jovo­to, viel­mehr Ihr Orga­ni­sa­ti­ons­prin­zip, zeigt das ganz gut. “User gene­ra­ted” — in die­sem Fall eher “Com­mu­ni­ty Gene­ra­ted” — ist ein Anfang, kein Ergeb­nis.

Das fol­gen­de Video zeigt das ganz gut. Hier fin­den sich alle Ele­men­te, die Teil der Bot­schaft sein könn­ten. Wer­bung ist es des­we­gen noch lan­ge nicht.

Damit ist der Fall (- sogar drei­deu­tig) eine wun­der­ba­re Gele­gen­heit, Lud­wig Witt­gen­stein in das The­ma Mar­ke­ting ein­zu­brin­gen:

  1. Die Welt ist alles, was der Fall ist.
  2. Was der Fall ist, die Tat­sa­che, ist das Bestehen von Sach­ver­hal­ten.
  3. Das logi­sche Bild der Tat­sa­chen ist der Gedan­ke.
  4. Der Gedan­ke ist der sinn­vol­le Satz.
  5. Der Satz ist eine Wahr­heits­funk­ti­on der Ele­men­tar­sät­ze.
    (Der Ele­men­tar­satz ist eine Wahr­heits­funk­ti­on sei­ner selbst.)
  6. Die all­ge­mei­ne Form der Wahr­heits­funk­ti­on ist: [p, ?, N(?)].
    Dies ist die all­ge­mei­ne Form des Sat­zes.
  7. Wovon man nicht spre­chen kann, dar­über muss man schwei­gen.

-> “Das Bild ist ein Modell der Wirk­lich­keit.” Mar­ken­füh­rung beschäf­tigt sich u.a. mit dem Del­ta des Bil­des, sei­ner Ver­än­de­rung. Dazu noch mit dem Image, dem gefühl­ten Bild einer pro­fes­sio­nell kon­stru­ier­ten Wirk­lich­keit. Aber damit wol­len wir die Bild sicher nicht beläs­ti­gen und Ihre Leser auch nicht.

Zum gleichen Thema

Schreibe einen Kommentar