Der Gedankengang, der mich zu dieser Einsicht führte, ist einfach: früher war bis heute ist Marketing eine Vorstandsfunktion. Optimal, wenn der CEO ein Marketing- Mann Mensch ist. Dann ist das gesamte Unternehmen auf den Markt ausgerichtet.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Kommunikation ist die wichtigste Marketing- Funktion. Crossmedia ist angesagt. Der Kontakt mit einer Marke findet vor allem über Medien statt. Kommunikation in allen Medien beeinflusst den Aktienkurs direkt. Selbst wenn wir dann mit dem Angebot in Berührung kommen, lenken die Eindrücke aus den Medien unsere Gedanken.

Oder kann noch jemand in einer Bahn sitzen, ohne das Gefühl, überwacht zu werden?

Wenn also auf Agenturseite Generalisten gefordert sind, die alle Medienkanäle kennen und echte Crossmedia Kampagnen umsetzen können, wo ist Ihr Gegenstück auf Unternehmensseite? Der CCO müsste also jemand sein, der weit mehr ist, als nur Presse- oder Unternehmenssprecher. Er ist auch keine Weiterentwicklung des Marketing- Chefs. Der CCO ist ein Kommunkations- Allrounder, der alle Kanäle steuern kann und Marketing, PR, Sales etc. überwacht. Er kennt die Kundencommunities ebenso, wie die Journalisten in seinem Themenbereich. Er weiss, was eine Markenbotschaft ist und das diese sich in den Medien immer etwas anders kommuniziert (auch Menschen sind Medien). Er kann zuhören und reden lassen. Er kontrolliert nicht, er steuert, ganz im systemischen Sinne.

Der CCO würde keine Blogger verklagen lassen, die im Web höchstes Ansehen geniessen.

Denn er weiss, wie Kommunikation funktioniert und was das für die Marke im Web bedeutet. Er wüsste, daß sich Dinge nach innen genauso schnell kommunizieren, wie von innen nach aussen. Sind denn die Vorstände überhaupt noch Teil der relevanten Kommunikation?

pant3r schreibt: „wobei das CC auch für Corporate Culture stehen könnte und es käme etwas ähnliches dabei heraus.“ Richtig, Kommunikation ist immer auch Kultur. Damit wäre der CCO auch für die Kultur zuständig. Er wüsste, daß Abhören kein guter Beitrag für eine Unternehmenskultur ist. Er wüsste, daß Offenheit, Vertrauen und Mitarbeiterbeteiligung für die Kultur und die Marke wichtig sind. Der CCO würde also die Aufklärung von Korruptionsfällen anders organisieren.

Der CCO würde eine Überwachung aller Mitarbeiter nicht zulassen, aus wirtschaftlichem Sachverstand.

Ach ja, der CCO würde bloggen und twittern, weil er weiss, daß man Teil der Kommunikation sein muss. Weil er weiss, daß sich im Web 2.0 viele Menschen finden, die sich noch engagieren, sich Gedanken machen. Und er würde Werbung schalten, die relevant ist und Produkte entwickeln, die sich die Kunden gewünscht haben. Er wäre unter seinen Mitarbeitern der Angesehenste, der Primus inter Pares. Er wäre Teil seiner Communities. Er wäre der neue CEO.

>> siehe auch: A Definition of Marketing

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7 Responses to Dringend gesucht: CCO – Chief Communication Officer

  1. […] Dringend gesucht: CCO ? Chief Communication Officer. Here we are. Denn das geht auch alles besser: Wer kommuniziert (und das tun Unternehmen, ob sie wollen oder nicht) muss wissen, was er tut. Das setzt wenigstens Grundkenntnisse der Kommunikationsregeln im Internet und von Miikrobloggingdiensten wie Twitter voraus. Die sind kein Geheimnis. Und dass Kommunikation im Internet wirken kann, zeigt die Tatsache, dass der Server von netzpolitik.org gestern Abend einen Anfragenansturm von bis zu 250 Zugriffen pro Sekunde hatte. Das IST effektiv, wenn auch nicht so, wie die Deutsche Bahn AG sich das gewünscht hat. Auch das Vorhandensein von Krisenmanagement hätte der Deutschen Bahn schon im Vorfeld weitergeholfen sowie eine klare Vorstellung davon, was sie kommunizieren will. Gesunder Menschenverstand schadet nie. […]

  2. Helge David sagt:

    Kaum kommt man etwas später ins Büro, ist schon fast alles gesagt.
    Weiteres zum „Bahnsinn“ unter: http://www.text-raum.de/zweiraum/freiraum/der-bahnsinn

  3. Paule sagt:

    Als wichtigen Aspekt darf hier aber auch die technische Kompetenz eines CCO nicht fehlen. Gerade die Art und Weise wie intern kommuniziert wird – und das entscheidet sich im Wesentlichen eben auch an den technischen Gegebenheiten und Möglichkeiten – erzeugt immer eine beachtliche Außenwirkung.

    Als ITler frage ich mich seit langem, wann Unternehmen ihre Marketing- und IT-Abteilungen in einer Kommunikationsabteilung verschmelzen lassen.

  4. […] Zeit, auch nur den kleinsten Kontext zu prüfen, bevor die große Glocke geschlagen wird. Ja, der CCO muss auch sagen können: nein, wir lassen das stehen, aus dem und dem Grund. Schuld trägt nicht […]

  5. KMTO sagt:

    @Paule: da höre ich zum ersten Mal öffentlich, warum der Subtitel des Blogs „Kommunikation & Technologie“ ist ;-)
    Dabei denke ich, es kommt weniger auf das „technologische Verständnis der Kommunikation“, als auf das „kommunikative Verständnis der Technologie“ an.

    Das die beiden Abteilungen zusammengehören denke ich auch, spätestens seit der Prognose „Marketingleiter werden Mathematiker“ hätte man daran arbeiten können.

    Mich würde ja brennend interessieren, ob das bei manchen Unternehmen schon so ist? An Beispielen fällt mir nur Jamba ein…

  6. Ich denke, dass die IT mit Informationen umgeht. Ja, wird sind schon weiter als das Sender/Empfänger-Modell und ja, wir sind schon weiter als zu glauben, das Semantik Web eine tolle Technologie für interindividuelle Kommunikation ist. Ich fände es gut, wenn man verstehen würde, dass beides eine sinnvolle Ergänzung erlebt.

    Wenn ich aber sogar vom Peter Dueck immer wieder Texte erlebe, in denen Geisteswissenschaftler und Mathematiker/Informatiker in unterschiedliche Kulturen verfrachtet werden, dann verstehe ich die Trenung nur all zu gut. Die Mathematisierung der Datenlogistik ist keinesfalls derart grundlegenden Entwicklungen unterworfen wie – beispielsweise der gerade heranbrechende Abschied der Sozialkonstruktivisten und Kybernetiker zweiter Ordnung.

    Da es solche Metageschichten wie die Systemtheorie oder Wittgensteins Wortologik in der Informatik gar nicht gibt, stellt sich die Frage, welches die Leistwissenschaft für solch eine Aufgabe sein sollte. Für einen Wissenschafttheoretiker wie mich, der sein Geld auch sehr gut in großen Wissensmanagementprojekten verdient hat bleibt ein ratloses Achelszucken. Denn grundlegende Fragen werden weder in der Informatik noch in der Mathematik gestellt. Und der enorme Verfahrensfetischismus, der dort herrscht, kann keine langfristigen Strategien sinnvoll setzen und begründen.

    Und kommen Sie mir jetzt nicht stochastischen und statistischen Verfahren: Denn die bestbezahlten Mathematiker aus beiden Bereichen haben in den letzten Jahren Millionen bei den Banken- und Anlageabteilungen der Versicherungen verdient. Diese beiden Bereichen klaammere ich seit acht Monaten aus dem Bereich „erwiesene Nützlichkeit“ aus…

    just my two cents

  7. KMTO sagt:

    @Jörg Da fehlen wohl die anwendungsorientierten Mathematker. Aber die wird es doch irgendwo geben? Also einen kenne ich ;-) http://www.twitter.com/horax

    Kannst Du hierzu bitte noch was schreiben / bloggen: „gerade heranbrechende Abschied der Sozialkonstruktivisten und Kybernetiker zweiter Ordnung“

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