Was Facebook bereits ist – und nicht, was es einmal wird – muss aufhorchen lassen. Die Zeit, sich hier schnell und preiswert zu positionieren, geht langsam vorbei.
Die Wirtschaftswoche gibt in einem sehr guten aktuellen Artikel, der überaus gelungen ist, einen Überblick zum Unternehmen. Die wichtigsten Punkte sollten für einen Eindruck reichen. Wie Unternehmen darauf reagieren, das können sie sich überlegen, aber offensichtlich nicht mehr allzu lange:
“tatsächlich ist Facebook auf dem Weg, in diesem Jahrzehnt zum mächtigsten Internet-Unternehmen der Welt aufzusteigen, einflussreicher noch als Ebay, Yahoo und Amazon” Der Vergleich zielt direkt auf den eCommerce, statt auf Werbung und auf Google.
Schon in der Grundstruktur vernetzt Facebook das gesamte Internet und erzeugt damit das digitale Abbild der Welt und macht es organisierbar. Somit liegt Facebook derzeit im Herzen dessen, was das Internet ist.
Während bei Google die Information im Mittelpunkt steht, sind es bei Facebook die Daten, Ansichten und Vorlieben der Menschen.
Facebook hat das bisher unpersönliche Internet persönlich gemacht (z.B. durch 35 MILLIARDEN Fotos).
Nutzer verbringen “sieben Stunden bei Facebook, aber nur drei Stunden bei Yahoo und zwei mit Google”.
Werbung: 1/10 der Werbeausgaben für Kunden mit konkretem Wunsch = Google; der Rest um Wünsche zu wecken = eher Facebook = neuer Push für Online- Werbung (bisher nur 5% der gesamten Werbeausgaben)
Facebook ist im mobilen Markt bereits jetzt einer der beliebtesten Apps.
“Legt Facebook nun einen ähnlichen Spurt hin wie Google, könnten am Ende des Jahrzehnts schon 25 oder 30 Milliarden Dollar Umsatz in der Bilanz stehen. Oder auch mehr.”
Facebook kann nicht nur Werbung, sondern auch Spiele (Farmville) und eCommerce, das erhöht die monetäre Basis enorm: “auf Shopping-Tour gehen, ohne das soziale Netzwerk zu verlassen”
Facebook ist vorne im Kampf um die kreativsten Köpfe: “das Gefühl bei „einer neuen Internet-Revolution“ dabei zu sein” (Jede Menge Überläufer von Google…)
Facebook ist für alle offen, auch für Drittanbieter von Apps, damit ist es immer wieder neu und aufregend.
“Für die Werbeindustrie ist Facebook ein Traum.” … “ rollt nun die Welle der großen Markenanbieter auf das soziale Netzwerk zu” … “Procter & Gamble hat sogar ein eigenes Verbindungsbüro im Silicon Valley eröffnet”
Die Struktur von Facebook sorgt dafür, daß ein Abbild des Konsumverhaltens und der menschlichen Vorlieben weltweit entsteht!!! Und nur Facebook besitzt die Daten dafür. Nicht Algorithmen wie bei Google, sondern menschliche Kommunikation erzeugt perfekte Suchergebnisse u.v.m. gerade auch für externe Webseiten.
Der neue technische Leiter ist ein MashUp- Spezialist (von Friendfeed).
Ein einfacher Kern: „Die Grundidee der Vernetzung von Menschen ist so simpel, dass es neben der Sprache keiner besonderen Anpassungen bedarf.“
Unternehmen denken heutzutage vor allem in Werbekategorien. Bis zum integrierten Marketing ist es noch ein Stück Weges. Deshalb zum Schluß der Kernsatz aus dem Artikel zum Thema Werbung:
“Zudem kann Facebook seinen Werbekunden nicht nur sagen, wo sie auf dem sozialen Netzwerk inserieren müssen, sondern auch auf welchen externen Internet-Seiten sie am besten ihre Anzeigen platzieren. Dafür kassiert Facebook – ähnlich wie Google mit seinem Adsense-Programm – Provision.”
Einfluß vor Sales. Leider stand in den letzten Jahren immer wieder der Sales im Vordergrund digitaler Maßnahmen. Dabei gibt es eine Größe, die wesentlich wichtiger ist, jedoch schwerer meßbar: der Einfluß des Internet auf Kaufentscheidungen. Doch für jeden klugen Geist sollte die Meßbarkeit nicht die Strategie vermasseln.
PR- Riese Fleischmann-Hillard hat den Einfluß des Internet auf Kaufentscheidungen untersuchen lassen und bestätigt den allgemeinen Eindruck: er ist enorm. Im Schnitt werden 50% aller Kaufentscheidungen Online abgesichert.
Das kann in einer unüberschaubar gewordenen Welt nicht weiter verwundern. Niemand möchte ein Angebot mit dem Gefühl schlechter Informiertheit erwerben. Der Ärger hinterher wäre riesig. Diese kognitive Dissonanz muss abgebaut werden. Dafür ist das Internet gut geeignet – hat es viele der Probleme der Informationsfülle doch erst geschaffen.
Das dabei das Social Web an Bedeutung gewinnt, kann auch nicht verwundern, denn um so weniger anonym die Inhalte sind, desto eher kann ich Vertrauen zu den Aussagen gewinnen oder Ihre Bedeutung überhaupt einschätzen.
Wenn also schon in meinem digitalen Bekanntenkreis keine Kenner der Materie zu finden sind, dann sind Kommentare immer noch besser, als Pressetexte.
So ist es dann auch nicht mehr erstaunlich, daß die Wirkung der Unternehmenswebseiten auf die Kaufentscheidungen gegen Null geht. Wobei die Studie hier einen eklatanten Mangel aufweist. Viele Maßnahmen wirken subtil, statt direkt. Die Einordnung des Fernsehens auf die Kaufentscheidung ist also schlicht falsch gemessen. Dennoch, spannende Zahlen:
Der FVW, das wichtigste Magazin im Tourismus, hat mich gebeten, unter dem Titel “Bin ich der Depp ohne App?” einen strategischen Überblick zum Mobile Marketing zu geben. Die Präsentation hat drei Schwerpunkte:
- aktuelle Zahlen zum Markt: ein Best-Of der letzten 9 Monate
- technische Basis: Für welche Plattformen sollte entwickelt werden?
- wichtige Grundlagen: Wann lohnt sich eine App?
Die leich verdauliche Präsentation finden Sie hier:
Thomas Hutter hat in echter Fleissarbeit eine demografische Übersicht der Nutzer von Facebook zusammengestellt. Die wichtigsten Erkenntnisse für “D” möchte ich kurz zusammenfassen (die Zahlen gibt es weiter unten).
Frauen vorn
In den beiden wichtigsten Altersgruppen 18-34 haben Sie die Männer bereits überholt, der Rest ist nur noch eine Frage der Zeit. Dabei ist Ihr Facebook Anteil höher, als Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung.
Junge auf Überholspur
Die Altersgruppe 18-25 hat die bisher vorherrschenden 26-34jährigen im letzten halben Jahr überholt. Die “jugendlichen” Communities müssen sich warm anziehen, denn jetzt erst erreichen sie eine kritische Masse und werden Ihre Freunde massiv mitziehen. “Es kann nur ein geben.”
Alte mit Hochgeschwindigkeit hinterher
Die höchste Zuwachsrate in den letzten 6 Monaten hatte die Altersgruppe 64+. Spannend finde ich, daß die Zuwachsrate fast 6x höher war, als bei der Altersgruppe 55-63. Da fragt man sich: warum? Wir denken: Einsamkeit. Unsere erfahrenen Mitbürger verbinden sich miteinander und mit Ihren Familien und erhöhen so Ihren Spaß am Leben.
“41 Prozent wollen sich mit Menschen austauschen, die gleiche Interessen haben”
“30 Millionen Deutsche ab 14 Jahren sind Mitglied in mindestens einer Internet-Gemeinschaft”
So die aktuellen Zahlen des Branchen- Verbandes BITKOM. Was sagt uns das? Eine ganze Menge, eine ganze Menge auch nicht, aber vor allem das hier:
Wenn Unternehmen Marktforschung betreiben, dann kostet das eine Menge Zeit und Geld. Wenn Unternehmen das Social Web intelligent einsetzen, so kostet das nicht nur weniger, sondern ist über Jahre stets aktuell – und somit dynamisch. Wer möchte in diesen Zeiten schon mit Zahlen von vor 2 Jahren arbeiten? Oder in “Hardfacts”: die Mitgliederzahlen in den Communities sind groß genug, um statistisch valide zu sein. Es kommt aber auf die sozialen Werte an, nicht auf materielle Grunddaten wie Demografie.
Was hat das aber mit dem Vertrieb zu tun?
Eine ganze Menge. Typischerweise gehen die Produkte erst in den Handel und bleiben allzuoft dort stehen. Das freut weder Hersteller noch Händler.
Das Beste, was Communities leisten können, ist den Vertrieb anzukurbeln. Hersteller finden im Web die Werkzeuge für ein nahezu perfektes Marketing Informations System (MIS). Wird dieses System mit Blick auf den Handel eingerichtet, entstehen neue Kooperationsmodelle, die vor allem dem Kunden zu Gute kommen. Also den Unternehmen.
Wenn das System gut ist, entsteht noch ein zweiter spannender Effekt. Die Communities selbst werden zum Vertriebskanal. Und der dritte Effekt: bestehende Vertriebskanäle können optimiert werden, sowohl im Sortiment, als auch in der Zusammenstellung der Kanäle selbst.
Lange hat es gedauert, aber in den letzten zehn Jahren haben sich die wichtigsten Maßnahmen im digitalen Marketing in den Unternehmen scheinbar durchgesetzt. Das geht aus Zahlen hervor, die Renate Ecke in Ihrem Blog publiziert:
2009 ist das Email-Marketing mit mehr als 30 Prozent weiterhin führend.
Die Bereiche “Display” und “Search“ liegen insgesamt bei fast 25 Prozent.
70% der befragten Werbetreibenden in Europa ihre Online-Werbung erhöhen.
über 60 Prozent sind der Ansicht, dass sie ihre Zielgruppen online besser erreichen,
mehr als 40 Prozent setzen auf Online- statt auf Offline-Media (Europa)
höhere Reichweite, Schnelligkeit und Flexibilität beim Branding
Das Bild bestätigt die Zahlen z.B. aus UK, wo Digital bereits Leitmedium im Marketing ist. Wurden “eMail” und “Search” lange Zeit vernachlässigt, gehören Sie nun zu den grundlegenden Säulen im digitalen und damit im Marketing überhaupt.
Ebenso wenig erstaunt, daß Social Media, virales Marketing, Word-of-Mouth und Internetvideo zu den Wachstumsbereichen gehören. (Wo ist hier eigentlich “Mobile“?) Es darf allerdings nicht vergessen werden, daß nur eine solide “Klassik” die Grundlage für digitales Marketing legt.
Eine qualitative Studie unter 172 Community Nutzern zeigt interessante Zahlen zur Gestaltung und Bewerbung von Communities. Es wurden 14 große Netzwerke und 46 Communities befragt.
Gefragt wurde nach Präferenzen der Nutzer oder der Unternehmen, Wirkungszusammenhänge sind also mit Vorsicht zu geniessen (also z.B. die Frage ob Flyer wirken). Dennoch gibt es ein paar Klassiker. So funktioniert Mund-zu-Mund- Empfehlung am besten. Gestützt wird diese von direkten Online- Maßnahmen zum Crowdsourcing (Werbung).
Die wichtigsten Funktionen dienen den Nutzern, um mit bestehenden Freunden in Kontakt zu bleiben (Kostenloser Zugang, Geburstagserinnerung, Suchfunktion etc.). Die typischen Verdächtigen zur Motivation der Nutzer wie Ehre und Selbstdarstellung sind hingegen – zumindest in der direkten Befragung – relativ unwichtig.
Die Nutzer sind in bis zu maximal drei Communities aktiv – dabei bezeichneten sich 87% der Befragten als aktive Nutzer. Interessant ist der hohe Aktivitätsgrad in Facebook, der als Einziger nicht mit der Anzahl der Mitglieder korreliert.
Spannend wäre eine Unterscheidung hinsichtlich der Erfahrung der Nutzer gewesen, da neue Nutzer typischerweise nur einen Teil der Funktionen nutzen und wünschen und erst später nachziehen.