Wo Licht ist, ist auch Schatten. Und seien wir ehrlich: aus schlechten Kampagnen kann man viel lernen, während gute Kampagnen oft durch Zufall so über-erfolgreich sind. Passend zu den gestrigen Besten Marketing-Ideen aller Zeiten, heute die Schlechtesten:
Turner Broadcasting System nutzte für die Promotion einer TV show (”Aqua Teen Hunger Force”) kleine elektronische Anzeigetafeln, die leicht über das Ziel hinausschossen: sie lösten in Boston eine Bomben- Anschlag-Panik aus. Aufmerksamkeit sicher.
Das Restaurant “Casa Sanchez” musste ein skurilles Angebot wegen der enormen Nachfrage stoppen: lebenslanges kostenloses Essen gegen ein Tatoo mit dem Firmen-Logo. Da es zu viele Verrückte gab, die sich umgehend tätowieren liessen, wurde das Angebot auf die ersten 50 beschränkt. Guten Appetit.
Versteigerung des Kindernamens. Von Fußball- Stadien sind wir es fast schon gewohnt, aber den Namen des eigenen Babies zu versteigern ist mehr als makaber. Wer möchte schon “Ebay Oneklick” heissen. Für immer.
Schlimmster Kampagnen Charakter: zwei singende Ratten. Wer auch immer die Dinger entwarf, er hätte Talent für die übelsten Horror- Filme. Das die Viecher für Essen werben, macht das Debakel perfekt. Nach vielen Protesten wurden die Figuren zurückgezogen. Ratatouille. (die Quiznos Werbung auf Youtube)
Viraler als Viren – ohne jede Einschränkung verschickten die Starbucks Baristas Gutscheine für einen freien Kaffee durch das Internet. Dieses ist bekanntlich groß (mehr dazu morgen). Nachdem die USA unter einem enorm schnellen Kaffee-Schock standen, wurde kurzerhand kein Kaffee mehr auf die Gutscheine ausgegeben. Das gab zwar Kontroversen, aber gesünder war es allemal. Vor allem für Starbucks. Kaffee ist ungesund.
Das US-amerikanische Magazin Entrepreneur.com hat die besten Marketing- Kampagnen aller (US) Zeiten zusammengestellt. Die Liste zeigt zugleich, welche “Klassiker” in der Marketing- Kommunikation existieren und wie man sie umsetzt. Aus dem Land der unbegrenzten Marketing- Möglichkeiten:
Beste Image- Umwandlung
“Las Vegas” – der Versuch, der Stadt der Sünden ein familienfreundliches Images zu geben, wurde nach totalem Scheitern abrupt gestoppt. Seit 2003 wird wieder mit dem Image der Sin City geworben – und der Erfolg gibt wie immer Recht. Es ist sicherlich einfacher, ein 2. Las Vegas für Familien aufzubauen, als das Image der führenden Vergnügungsstadt zu ändern. Merke: Kommuniziere mit dem was ist, nicht mit dem, was du gerne hättest.
Bestes Product Placement
Der Hersteller Hershey’s plazierte “Reese’s Pieces” im Film E.T. – und die Verkäufe stiegen um 65%, obwohl der Produktname nie genannt wurde. Danach wurde der Hype mit Merchandising fleissig ausgeschlachtet. Das Problem: es ist schwer zu entscheiden, welcher Film so gut passt und noch viel schwieriger, abzuschätzen, wie erfolgreich ein Film wird. Das schaffen nicht einmal die Bosse in Hollywood. Merke: Teil eines Erfolges zu werden, ist immer einfacher, als selber erfolgreich zu sein.
Beste Videowerbung
“Get a Mac” – durch die Vermenschlichung der Computer- Hardware Mac und PC war die Botschaft “klar wie Kloßbrühe”: niemand wollte so sein, wie der behäbige “PC Mensch”. Marktanteil stieg um 42%, für Apple ein sagenhafter Erfolg. Merke: Menschen neigen dazu, selbst unbelebte Materie zu etwas persönlichem zu machen. Merke: Storytelling sollte immer Grundlage der Kommunikationsidee sein.
Bester Wettbewerb
Die Brüder George und Richard Shea haben 1997 die International Federation of Competitive Eating gegründet, m.a.W. einen Hot- Dog- Fresswettbewerb. Damit wurde eine eigene Subkultur mit eigenen Promis zum Leben erweckt. Merke: Die Idee kann/sollte noch so schräg sein, Hauptsache sie passt zur Marke.
Bestes YouTube Marketing
“Will it Blend?” – Du hast einen langweiligen Mixer zu vermarkten und weisst nicht wie? Das Ganze darf nicht soviel kosten? Das Ergebnis sollte mittlerweile überall bekannt sein: schockiere die Online- Geeks und schmeisse regelmäßig teure und begehrenswerte HighTech- Produkte in eben selbigen Mixer. Merke: Hole die Zielgruppe da ab, wo sie steht. Inhaltlich wie medial.
Bester Slogan
Wenn es ein Slogan in den Sprachgebrauch schafft, hat er alles erreicht. Wenn das Sprichwörtliche dann noch den Produktnamen enthält, werden Bestnoten vergeben. Wer hätte gedacht, daß es so etwas Langweiliges wie “Got Milk” in den Olymp des Marketing schafft. Nicht zuletzt die Verbindung von VIP’s, Humor und das kuschelige Gefühl von Zuhause in der Anzeigenwerbung sorgte für den nötigen Schub. Merke: Das rechte Lebensgefühl / zur rechten Zeit, / verleiht der Marke / Aufmerksamkeit.
Bester Jingle
Hierzulande ist sicherlich der T-elekom Jingle in aller Ohren, in den USA ist es der des Radiosenders NBC. Drei kleine Töne, die wie ein Wurm das Markenbewusstsein festigen. Selbst ähnliche Töne rufen die Erinnerung an die Marke wach. Allerdings: einmal gesetzt, lässt sich der Klang genauso schwer wieder ändern. Merke: Denke auch an die anderen Sinne, aber Vorsicht: sie halten länger als das Bild.
Beste Krisen- Kommunikation
“Tylenol” – Ehrlichkeit, so weiß jeder PR Berater, ist in Krisenzeiten der einzige Weg. Wenn es um die Gesundheit von Menschen geht, sollte das sogar selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht. Während viele Unternehmen mit “Vertuschung” starten, um danach das totale Inferno zu erleben, hat Johnson & Johnson CEO Burke schonungslos offen kommuniziert. Merke: Was bleibt, ist eine Erinnerung. In diesem Fall eine Gute, voller Vertrauen. Und die ist ja die Basis jeder Kommunikation.
Beste Kampagne in sozialen Netzwerken
Die größte Kampagne auf MySpace kam aus dem Fernsehen. Die Verlängerung des High School Musical zu einem My School Musical, bei dem die Schulen gegeneinander antreten konnten, war ein klingender Erfolg. Merke: Internet ist ein interaktives Medium.
Bester Promi- Einsatz
“William Shatner” – was mit einem Ausflug begann, wurde eine intergalaktische Odyssee. Seit nunmehr über 10 Jahren steht der ehemalige Enterprise- Commander für Priceline.com’s cut-rate Service. Dabei wurde die Aktion immer wieder “refresht”, also modernisiert. Merke: Ausdauer ist immer besser, als ein Sprint, aber es darf nie langweilig werden.
Bestes Logo
Da das Kreuz der katholischen Kirche nicht zur Wahl stand, konnte es nur einen Sieger geben: Nike. Der Bogen hat alles auf kleinstem Raum. Da er nicht besetzt ist, konnte die Firma nach Belieben im Image- Raum wühlen. Zudem ist es immer leicht zu erkennen. Und das für ca. 35 US$. Merke: Einfach.
Beste Aussenwerbung
“Das Goodyear Luftschiff” – seit 1925 schwebt das Schiff über 100.000 Meilen pro Jahr über den Vereinigten Staaten. Es ist faktisch immer da und mit ihm die Markenbotschaft. Merke: Langer Atem bekommt eine völlig neue Bedeutung und auch heisse Luft kann ein Werbe- Medium sein.
Bestes Give Away
Wer hätte gedacht, daß ein kleines Gummi- Bändchen die Welt im Sturm erobern würde. Dabei ziebt es an den Armhaaren. Aber wie immer geht es nicht um das Material, sondern um die Idee. Die Lance Armstrong Foundation steht ob Ihres Gründers für unbeugsamen Willen zum Leben. Es ist ein wenig wie Heldenverehrung. Da macht auch das Gummi nichts. (Was, wenn man Kondome derart aufgeladen, also mit einem Image/Gefühl versehen hätte?) Von den Dingern wurden bereits über 45 Millionen mit dem Aufdruck “Live Strong” verkauft und wahrscheinlich 200 Millionen schein-heilige Bändchen mit anderen Texten. Merke: Idee vor Budget. Dabei immer den Kern der Idee im Auge behalten.
Alle Merksätze im freundlichen Überblick:
Kommuniziere mit dem was ist, nicht mit dem, was du gerne hättest.
Teil eines Erfolges zu werden, ist immer einfacher, als selber erfolgreich zu sein.
Storytelling sollte immer Grundlage der Kommunikationsidee sein.
Die Idee kann/sollte noch so schräg sein, Hauptsache sie passt zur Marke.
Hole die Zielgruppe da ab, wo sie steht. Inhaltlich wie medial.
Das rechte Lebensgefühl / zur rechten Zeit, / verleiht der Marke / Aufmerksamkeit.
Denke auch an die anderen Sinne, aber Vorsicht: sie halten länger als das Bild.
Vertrauen ist die Basis jeder Kommunikation.
Internet ist ein interaktives Medium.
Ausdauer ist immer besser, als ein Sprint, aber es darf nie langweilig werden.
Einfach.
Langer Atem bekommt eine völlig neue Bedeutung und auch heisse Luft kann ein Werbe- Medium sein.
Idee vor Budget. Dabei immer den Kern der Idee im Auge behalten.
Jahresanfänge sind für einen Ausblick nach vorne immer gut – hier also einer für den Bereich mobiles Computing von m-trends.org:
2. iPhone Nano
Oder einfach iPhone’s für die Masse, vor allem Teens.
3. Location becomes obsolete
Der nächste Schritt: es wird einfach selbstverständlich, Location Based Services zu nutzen. siehe: Ubiquitous Computing
4. Mobile will boost Virtual Goods consumption
Immer wieder faszinierend, aber virtuelle Güter verkaufen sich Klasse. Wer hätte gedacht, daß für das iPhone schon über 300 Mill. Anwendungen geladen wurde? Nicht alle gegen Geld, aber wo ein Markt ist, kommt auch ein Business Modell (Software -> Services).
5. Mobile Cloud Computing
Technologisch faszinierend: Zugriff auf riesige Rechenleistung über ein winziges Gerät.
6. Mobile SEO becoming increasingly important
Erkärt sich von selbst, ist aber schwerer, als bisher im Web.
7. Mobile Browsers accessing device capabilities
Reichhaltige Anwendungen sind eine logische Folge der Entwicklung und der Browser bleibt das zentrale Hilfsmittel. Er wird sich damit noch stärker in Richtung Betriebssystem entwickeln!
8. Dense physical shopping area’s become a new potential for mobile data consumption
Am Ende kommt wieder alles zusammen: der POS als Werbemedium für Millionen mit traumhaften billigen Tausender Kontakt Preisen (TKP, bieten wir für Berlin schon als Testgebiet an).
9. Mobile Collaboration Services on the rise
Aus der lang ersehten Videotelefonie wird zum Durchbruch gleich die Video- Zusammenarbeit. Komplexere Anwendungen sind auch hier eine logsiche Folge, nicht zuletzt durch weitere Einsparungen bei den Reisekosten.
10. Mobile phone used to trigger disease detection
Der Gesundheitsmarkt ist so fett, daß sich auch das mobile Internet dem nicht verschliessen kann – und manchmal können Sekunden in der Diagnose Leben retten. Auf diesem Sektor entsteht Gro0ßartiges!
Während ich über eine Zusammenfassung zur Xtopia nachdenke, finde ich diesen Beitrag von O'Reilly und sehe – das ist wie eine Zusammenfassung. Zugleich ist es ein Ausblick.
Viele fragen sich bereits, was kommt nach dem Web 2.0? Die Antwort gab es auf der Abschlußkeynote der Xtopia (die eine Eröffnungsrede hätte sein sollen!): das Handy ist kein Anhängsel des Computers, der Computer ist ein Anhängsel des Handys! Exakt so erlebe ich es mit dem iPhone. Ich schalte das Notebook sehr viel seltener an.
Während ich vorgestern die Präsentation für ein integriertes, modernes Marketing vorbereitet habe, wurde mir schlagartig eines klar.
“Eine gute zeit, um in social media zu arbeiten, wenn der best-pratice-case von allen tv-schirmen filmmert.”
So zitiert Off-the-Record den Wahlkampf von Barack Obama. Und alles, was ich versuchte in einfachen Worten zu erklären, war noch einfacher auf der Website von Obama und später live im TV zu sehen. Eine klares starkes Branding, daß in jedem Medium so umgesetzt wurde, daß es zum Medium passt. Seine TV Berater inszenierten eine klare emotionale Botschaft (”TV machte Appetit auf Obama”, arte+7), seine Webberater, darunter einer der Facebook Gründer als Online Marketing Manager ermöglichten den Menschen, aktiv zu werden.
Gutes Marketing kümmert sich um die gelungene Umsetzung, aber eines kann es nicht: die Relevanz, die Menschen berührt, muss vom Produkt kommen. Marketing ist dann die Startbahn, auf der das Angebot abheben kann.
Ein neues Buch der Semantic Web Group bietet einen Überblick zu Ansätzen, Technologien und Anwendungen semantischer Techniken.
“Das Buch, das bei Springer verlegt wurde, dokumentiert die Konvergenz zwischen Social Software und Semantic Web-Technologien und stellt die technischen, organisatorischen und kulturellen Veränderungen dar, die das Social Semantic Web begleiten”
Das Werk ist in vier Abschnitte untergliedert. Diese werden ausführlich auf der Website Sematic-web.at erklärt (siehe Link unten).
Abschnitt 1 – leichter Einstieg in das Web 2.0 und seine Entwicklungsperspektiven.
Abschnitt 2 – Überblick über zentrale Technologien und Methoden des Social Semantic Web.
Abschnitt 3 – zeigt bestehende Anwendungen.
Abschnitt 4 – Betrachtung aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive.
Man darf sich da nichts vormachen, für viele ist das Internet nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. Nicht nur, daß es unendlich viele Nischen mit Millionen von Mitgliedern hat, viele “Nachbarn” tauchen in Verkleidung auf. So wie hier – viel Spass am Wochenende:
Womit sich wieder bestätigt, daß Internet ist kein Medium, sondern ein Ort. Ein schöner Ort.