Es gab ja einige Aufregung, daß Google ein Betriebssystem (OS) veröffentlichen wird. Techcrunch war die Meldung ein “Breaking” wert, kein Wunder, denn das Thema kommt seit ewigen Zeiten immer wieder hoch und nun wird es wohl Wirklichkeit.
Dazu zwei Dinge. 1) Google ist ein Betriebssystem.
Wenn man das Thema Informationsverarbeitung auch nur ein wenig ernst nimmt, weiß man, daß Maschinen noch lange nicht die Intelligenz dazu besitzen. Sie verarbeiten Daten. Menschen verarbeiten Informationen. Das zeigt im übrigen das “Data-Web 2.0″ ganz gut.
Wenn nun also Menschen Informationen verarbeiten, dann liefert Google jede Menge Basissoftware um genau das zu tun. Es führt zu weit, klingt aber erklärend: Wir sind die Maschinen, Google ist das Betriebssystem unserer täglichen Informationsverarbeitung.
Genau, eigentlich ist es das Web, aber für den großen Teil, den Google darin abbildet, stimmt das Bild.
2) Höchste Zeit
Das OS wird auf Android beruhen und Chrome OS heissen – mit anderen Worten wird der Browser als wichtigste Software des Alltags durch den Trend zu Web- Anwendungen (Applications) weiter aufgewertet und muss zwangsläufig mehr Komplexität der Datenverarbeitung abfedern.
Wie sagte Sun vor 15 Jahren: das Web ist der Computer – also sind die Basis- Technologien des Internet das Betriebssystem. Es macht doch keinen Sinn mehr im Vokabular des PC oder Mainframe zu reden. Computing hat längst eine neue Stufe erreicht.
In diesem Sinne wird das Chrome OS gar kein Betriebssystem, sondern dessen elegante Oberfläche. Was soll ich sagen – wenn das sonst keiner macht? Schließlich wissen das alle IT Konzerne schon eine Weile. Zeit wirds.
Im Branchentreff Lifestyle beschreibt, besser erzählt Uta Kurz von den aktuellen Produkt-Trends, die nicht mehr Trends im klassischen Sinne sind. Ich kann mich dem nicht nur anschliessen, sondern fand gerade die Art der Beschreibung wunderschön, so daß ich den Text Ausnahmesweise etwas länger zitiere:
Trend: “Geliebte Rituale”
“Wir sind eingeladen das Leben zu genießen, Schönheit weiter zu geben und Lebensfreude zu teilen. Highlights sind die kleinen Dinge des Alltags. Neue Produkte betrachten die lieb gewonnenen Gewohnheiten aus einem neuen Blickwinkel. Spaß am Alltag ist Trumpf.
Qualität und Nachhaltigkeit liegen im Trend. Gefragt sind Produkte, die Geschichten erzählen von regionaler Handarbeit und internationalem Flair. Die Zeit der Trendvorbilder ist vorbei. Was zählt ist Identität und die persönliche Verbindung. Erlaubt ist, was gefällt. Materialien werden individuell kombiniert. Mattes Porzellan, Schiefer, naturbelassenes Holz und streichelweiches Leder und gefallen durch sinnliche Haptik und lebendige Oberflächen. Hochwertige Hölzer und Naturmaterialien überzeugen genauso wie intelligente Kunststoffe und innovative Metalle. Da fällt die Suche nach messbaren Qualitätsstandards schwer. Eingraviert in Kieselsteine präsentiert die Firma Räder Handschmeichler für alle Sinne. Das Zitat „Essen hält Leib und Seele zusammen“ erinnert mich an die Lebensweisheit meiner Großmutter. Die Bewertung der Produkte ist individuell und sehr persönlich.” Uta Kurz
Ich bin mir sogar sicher, daß ein viel nachhaltigerer Trend mit drin steckt: der Prozess, das Schauen des Werdens, thematisiert und meta-thematisiert.
Krisenzeiten sind Zeiten der Offenbarung, weil Unternehmen sich exakt überlegen, was sie mit dem Geld anfangen, das Ihnen gegeben ist. Werbegelder können schneller gestrichen werden, als z.B. Personal- oder Maschinenkosten. Sie sind höchst liquide.
Verkauf vs. Image
Eine alte Weisheit sagt, daß man nirgends schneller Marktanteile erobern kann, als in der Krise. Aber dafür braucht man eine Kriegskasse, die vor allem im Mittelstand selten gegeben ist. Eine aktuelle Übersicht zu den Werbeausgaben zeigt dann auch, daß nur die wenigsten Unternehmen in der Lage sind, antizyklisch in Werbung zu investieren. Die klassischen Ausgaben sind schneller gefallen, als vorher vermutet wurde, so eine Studie von Zenithoptimedia, die in den FAZ Blogs veröffentlicht wurde.
Entwicklung der Werbung 2009 (via FAZ + zenithoptimedia)
Online-Video-Werbung als Chance
Die gleiche Entwicklung können wir im Bereich der Internet- Werbung beobachten. Klassische Formen der Online-Werbung, wie Rubrikenanzeigen und Bannerwerbung sinken im Volumen, während Suchmaschinen- und damit Keyword- Werbung weiter zulegt. Dennoch sind nach dem starken letzten Jahr (Wachstum um 25 Prozent auf 3,65 Milliarden Euro) auch in der Online-Welt die Zuwächse zum ersten Mal seit langem “nur” einstellig.
Das mag sich aus der generellen Entwicklung ergeben. Viele Unternehmen mussten bei starken Umsatzrückgängen sofort handeln und haben u.a. auch im Bereich Online gespart.
Auf der anderen Seite zeigen die Zahlen aber auch einen Trend hin zur Effizienz. Diese wurde seit Jahren von den Onlinern in der Mittelpunkt der Vorteile von Online- Werbung gestellt – und Effizienz bedeutet Verkauf.
Am schnellsten wächst dabei der relativ neue Bereich der Online- Videowerbung. Betrachtet man allerdings Ihren Gesamtanteil an den Internet- Werbe- Formaten, wächst Video nur um 1% auf insgesamt 3%.
Das ist vor allem deswegen schade, weil gerade der Mittelstand von dem Format profitieren könnte. Betrachtet man Online- Video eher wie Google- Text Anzeigen, wird deutlich, daß effektivere Werbung auf ansprechendem Niveau machbar ist.
Entwicklung der Internetwerbung nach Formaten 2009
Affiliate gewinnt
Dabei kann Affiliate- Marketing um 14% zulegen und liegt mit an der Spitze der Online- Formate. Stärker kann man derzeit “Verkauf” nicht umsetzen. Affiliate-Anbieter werden direkt nach Verkaufsprovision bezahlt und bieten somit ein sehr attraktives Angebot, das zudem starke positive Einflüsse auf das Suchmaschinenmarketing hat. (Ein gutes Beispiel kommt aus dem Bereich Video, wo Affiliate- Marketing (in einem Test) die berühmte “Webcam- Julia” an die Spitze der Videonetzwerke getrieben hat.)
Crossmedia als Verkaufskanal
Im Gegensatz zur modernen Entwicklung der Kommunikation, in der Crossmedia zur ganzheitlichen Position der Marke eingesetzt wird, fallen also die mit Abstand meisten Unternehmen in der Krise in den Verkauf zurück. Während die meisten Banken derzeit kommunikativ kaum auffallen, schalten die Autobauer, getrieben von der Abwrackprämie, auffallend viel Verkaufs-Werbung. Dabei sehen wir zwar viel integrierte Kommunikation, also das Senden der gleichen Botschaft auf vielen Kanälen, aber kaum echtes Crossmedia, also die Nutzung der vielen Medien im Rahmen eines inhaltlichen Konzeptes. Wahrscheinlich müssen wir darauf noch etwas warten – bis zum Beginn einer neuen Konjunktur.
Das am meisten mißachtete Werbemedium ist dabei – nicht das Internet -, sondern wie immer das Radio.
„Für mich ist Qualität unabdingbar mit Substanz verbunden. Wir werden jeden Tag mit Informationen überflutet, es kommt ja aber nicht auf die Menge an Information an, sondern auf den Gehalt. …. Das geht nur im Dialog. In der Nähe zum Menschen. Das können in der Werbebranche nur noch ganz wenige.“
Da geht es bei dem Wort “Dialog” gar nicht um Web 2.0, sondern um klassische Tugenden der Werbung. Weiter heisst es:
“Zu sehr stehen Preisdiskussionen im Vordergrund, zu stark ist der Wunsch nach Spektakulärem, nach Superlativen – ohne dabei auf den Konsumenten zu schauen. Viele Werbekampagnen strotzen vor Anglizismen und Übertreibungen, nichtssagend ¬ und: sie gehen am Menschen vorbei, sie drücken ihm Produkte aufs Auge ohne seine Bedürfnisse ernst zu nehmen.”
Dieses “Nichtssagend- Spektakuläre” ist es doch, daß potenzielle Kunden Werbung ausblenden lässt. Selbst das manipulative trojanische Pferd wird durchschaubar, wie angenehm es auch daherkommt. In diesem Kontext kann Werbung vielleicht wirklich wieder zu Ihren Wurzeln finden. Information, die passt, gerne auch nett verpackt und auf den Punkt gebracht, aber ehrlich und direkt. Wer nichts zu bieten hat, kann sich die Kommunikation sowieso schenken, bevor er Anderen weiteren Infomüll schenkt. Selbst unterhaltsame Werbung transportiert keine Marke mehr, wenn der Inhalt nicht stimmt. Da wird nur noch die Hülle konsumiert und der Inhalt ausgeblendet.
Qualität und Handwerk der Werbung sind wieder gefragt. Werbung, die Ihre Aufgabe im Marketing findet und die meines Erachtens wieder eine Renaissance erleben.
Slogans.de sammelt nicht nur alle möglichen Werbeslogans, sondern veröffentlicht jährlich zusammen mit dem Trendbüro eine Studie zu den Trends in der Werbung – sofern sie aus kurzen Texten bestehen. Dabei werden aus den letzten Jahren die unterschiedlichsten Texte nach Themen und Worthäufigkeiten untersucht, zum Einen über alle Bereiche, zum Anderen nach Branchen.
Für den Zeitraum 2004-2008 waren das 5.196 Werbeslogans aus 35 Branchen, die Eingang in die Studie Werbetrends 2009 fanden. Das Ergebnis gibt vier wichtige inhaltliche Bereiche und Trends wieder:
Werbetrends 2009
Trotz des Studienschwerpunktes “Wirtschaftskrise” handelt es sich bei den Trends eher um mittel- bis langfristige Szenarien. Es dürfte generell gesehen zu den größten Problemen der Werbung gehören, daß die Positionierung der Marken durch immer wieder neue Claims und Slogans ständig gestört wird. Die Kunst ist es, im Raum der Marke zu bleiben und dennoch aktuelle Werte zu kommunizieren.
Ebenfalls interessant ist es, daß die Auswertung der Plattform slogans.de zugleich eine direkte und indirekte Marktforschung darstellt, die von den offenen Informationen des Web 2.0 profitiert. Wer seine Slogans dort nicht einstellt, ist also nicht Teil der Studie.
… aber der klassische 30 Sekünder in der TV Werbung lebt. Zuerst der Spaß, dann die Botschaft:
Dieser Werbespot bringt einiges an kreativen Trends auf den Punkt. Die Moderne – das altbekannte “Höher, Schneller, Weiter” – ist tod. In wenigen Nischen der Kreation kann es noch ein Überleben fristen, in etwa dort, wo Menschen DMAX schauen.
Ansonsten hat sich das überlebt, es wird ruhiger, besinnlicher, angenehmer, menschelnder und vor allem – weniger (Industrie-) Leistungsbezogen. Stress haben wir alle schon genug, bitte nicht auch noch in der Werbung.
Intelligenz & Humor, besser noch ein leichter, intelligenter Humor, das gerne. Eine Botschaft, die genau so verpackt ist, kommt einfach besser an. Aber eine Botschaft sollte es schon haben. Nur Spaß alleine wäre Zeitverschwendung. Und das wollen wir nun auch nicht.
Ich hatte das Vergnügen, Teilnehmer eines Open Innovation Workshops nach der LEAD Methode zu sein. Diese wurde in den 80igern am MIT entwickelt und es wundert mich sehr, daß nicht viel mehr Unternehmen diese Methode einsetzen. Sie hat nämlich einen ganz entscheidenden Vorteil.
Nicht die entsprechende Abteilung eines Unternehmens entwickelt die neuen Produkte, sondern Kunden, die jetzt schon die Bedürfnisse von morgen haben (LEAD User). Das alleine wäre schon sinnvoll, wird aber noch viel besser, da auch sogenannte analoge Bereiche eingesetzt werden. Das sind Menschen, die in Bereichen arbeiten, die thematisch nahe am Thema sind. Die Mitarbeiter des Unternehmens nehmen natürlich auch teil. Somit ergeben sich drei wesentliche Felder, die interdisziplinär ineinander greifen: Anwender mit Ihrem untrüglichen Wissen und Gefühl von dem, was genau sie wollen. “Analoge” mit Ideen, die woanders funktionieren und hier den Blick weiten. Mitarbeiter, die wissen, wohin das Unternehmen kann und soll und was in welchem Zeitraum umsetzbar ist.
Phase 1: Suchfeld und Internes Projektteam Phase 2: Trend- und Bedürfnisanalyse Phase 3: LEAD User Suche
Phase 4: LEAD User Konferenz
Die Lead User Konferenz ist sicherlich die intensivste Form der Gruppenkommunikation, die ich je erlebt habe. Dabei sorgt ein exakt definierter Ablauf für schnelle und präzise Ergebnisse. Kreativität wird also strukturell hin zum Ergebnis geführt, daß vorher im Suchfeld definiert wurde.
Was dabei faszinierend ist: es ist ein Meta- Ansatz, der in den unterschiedlichsten Feldern funktioniert (von der Maschine bis zum Gartengerät) und schon deswegen in unsere Zeit passt. Mehr noch: der Ansatz lässt sich hervorragend mit Marketing 2.0 Ansätzen kombinieren. Im Rahmen eines ganzheitlichen Medienkonzeptes, ist die LEAD Methode damit ein wichtiger Baustein im Marketing 2.0.