Posts Tagged ‘Technologie’

Google ist ein Betriebssystem

Publiziert: 23. Juli 2009 in Trends von KMTO

Es gab ja einige Aufregung, daß Google ein Betriebssystem (OS) veröffentlichen wird. Techcrunch war die Meldung ein “Breaking” wert, kein Wunder, denn das Thema kommt seit ewigen Zeiten immer wieder hoch und nun wird es wohl Wirklichkeit.

Dazu zwei Dinge. 1) Google ist ein Betriebssystem.

Wenn man das Thema Informationsverarbeitung auch nur ein wenig ernst nimmt, weiß man, daß Maschinen noch lange nicht die Intelligenz dazu besitzen. Sie verarbeiten Daten. Menschen verarbeiten Informationen. Das zeigt im übrigen das “Data-Web 2.0″ ganz gut.

Wenn nun also Menschen Informationen verarbeiten, dann liefert Google jede Menge Basissoftware um genau das zu tun. Es führt zu weit, klingt aber erklärend: Wir sind die Maschinen, Google ist das Betriebssystem unserer täglichen Informationsverarbeitung.

Genau, eigentlich ist es das Web, aber für den großen Teil, den Google darin abbildet, stimmt das Bild.

2) Höchste Zeit

Das OS wird auf Android beruhen und Chrome OS heissen – mit anderen Worten wird der Browser als wichtigste Software des Alltags durch den Trend zu Web- Anwendungen (Applications) weiter aufgewertet und muss zwangsläufig mehr Komplexität der Datenverarbeitung abfedern.

Wie sagte Sun vor 15 Jahren: das Web ist der Computer – also sind die Basis- Technologien des Internet das Betriebssystem. Es macht doch keinen Sinn mehr im Vokabular des PC oder Mainframe zu reden. Computing hat längst eine neue Stufe erreicht.

In diesem Sinne wird das Chrome OS gar kein Betriebssystem, sondern dessen elegante Oberfläche. Was soll ich sagen – wenn das sonst keiner macht? Schließlich wissen das alle IT Konzerne schon eine Weile. Zeit wirds.

>> Cartoon via Mashable

Was suchen Sie?

Publiziert: 24. Juni 2009 in Zahlen von KMTO

Viele Beiträge hier im Agentur- Blog haben mit Projekten zu tun, auch wenn man es nicht immer merkt, so auch der hier: Im Markt der Suchmaschinen ist lange Zeit nichts Wesentliches passiert. Meines Erachtens liegt das nicht an der Google- Übermacht, sondern am einseitigen Blickwinkel der Konkurrenz.
Microsofts neue Suchmaschine Bling* versucht eben auch den Frontalangriff, soll sogar zum Herz der Internet- Umstellung des gesamten Konzerns werden.

Der Blickwinkel heisst Technologie. So mag es nicht erstaunen, daß der Wettbewerb beim Suchen aus neuen Technologien heraus neu entfacht wurde. Die beiden aktuellen Schlagwörter sind “Echtzeit- Internet” und “Intelligenz”, direkt vertreten durch Twitter und Wolfram/Alpha. Bei beiden spielt der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle: entweder das Aktuelle (Twitter), oder das Dauernde (Wolfram/Alpha). Dabei geht es auch um den Unterschied von Information und Wissen – Dinge, auf die man auch früher hätte kommen können.

Die spannendste Entwicklung hat aber nicht die Technologien, sondern die Märkte im Blick. Den Markt der vertikalen Suche bedienten bisher nur Firmen, die wiederum nicht viel mit Technologie anfangen konnten – so bieten die Gelben Seiten nur einen bedingten Mehrwert.
Erstaunlich also, daß es so wenig gute Beispiele für gute Ansätze gibt. Die fünf herausstechenden sind:

  • Vascoda – Informationen für die wissenschaftliche Literaturrecherche
  • Portalu – Internetseiten von Institutionen und Organisationen aus dem Öko-Bereich
  • TheLabelFinder – Modemarken, Shops und Designer aus der Modebranche
  • Yasni – Personensuche
  • SkreemR – Musiksuche, inkl. Suche nach passenden Fotos und Videos der Künstler

Alle anderen spezialisierten Suchen sind wiederum auf Technologie beschränkt und gehören z.B. zu Hostern bestimmter Medientypen, wie Video, Foto und Musik. Dazu gehören Youtube, MyVideo, Blinkx, Picsearch.

>> via: Spezialisierte Suchmaschinen suchen besser

*Bling – ein Wortspiel, das passt, solange der Mehrwert von Bing nicht erkennbar ist

Warum Japaner so wunderbare digitale Arbeiten machen.

Publiziert: 12. Juni 2009 in Notizen, Trends von KMTO

Wer uns kennt, weiß, daß der Design- Kopf von KMTO eine Japanerin ist und das ist kein Zufall. Ich lasse aber mal ein Wettbewerbs-Jury-Mitglied sprechen, dem die besondere Qualität auch aufgefallen ist und der das gut zusammenträgt – vieles davon gilt übrigends auch für Print. Übersetzt aus:

9 Reasons Japanese Interactive Work Is Awesome

1. die Arbeit ist höflich

Sie versucht nicht, ins Auge zu fallen, sondern nimmt sich angenehm zurück. In einer vernetzten Welt, kann man nicht so tun, als ob man besser ist, als andere. Nutzer wissen das zu schätzen.

2. die Arbeit ist von TV Werbung unbeeinflusst

Die wirklich beeindruckenden Arbeiten sind “digital-out” und nicht “TV-in”, soll heissen, sie sind aus dem Netz gedacht und nicht aus einer TV- Werbewelt.

3. die Arbeit ist von einer Kultur der Technologie, Spiele und Comics beeinflusst

  • Spiele – was der Arbeit einen Sinn von Humor, Tiefe & Hineinziehen und Athmosphäre verleiht
  • Comics – verleiht der Arbeit Originalität und Andersartigkeit, Verspieltheit und eine angenehme Flucht von der Realitä
  • Technology – eine Kultur, die positiv mit Technologie umgeht, führt natürlich zu spannenderen Entwicklungen. Dabei sind die visionären Arbeiten nicht zu technisch.

4. Fortschrittliche Kultur im Bloggen und Mobilen Internet

Man nimmt an, daß mehr japanische, als englische Blogs existieren. Zudem ist das mobile Internet seit Jahren schnell und stabil.
Beides führt dazu, daß Japaner besser verstehen, was ein “personal media space” ist – etwas mit dem sich die meisten Agenturen weltweit sehr schwer tun.

5. Vertrieb

Viele Kampagnen finden nicht an einem Platz statt, sondern an vielen, sie sind dezentraler gedacht. Widgets sind entsprechend Standard. Eine Einstellung, die heute im Netz sehr wichtig ist.

6. Ausarbeitung

Typisch ist die Aufmerksamkeit selbst für kleinste Details. Das kann man fühlen.

7. Manchmal wirklich seltsam

Oft finden sich ganz kleine Dinge, die seltsam anmuten. Der Effekt ist aber, daß die Arbeiten frischer wirken und mehr (innere) Aufmerksamkeit erregen.

8. Japanmania

Natürlich ist japanisches Design überall sehr “hip” und die Art der japanischen Exotik spielt in unsere Wahrnehmung mit hinein.

9. Sie haben Spaß an dem, was sie tun

Die Architektur des sozialen Netzes

Publiziert: 5. Juni 2009 in Notizen, Strategie, Workshops von KMTO

Facebook hat seit der Gründung 2004 einige wesentliche Veränderungen durchlaufen. Der Gründer Mark Zuckerberg beschreibt nun die Zukunft der Plattform.

Die Basis und Architektur von Facebook beruht auf dem Social Graph, das persönliche Netzwerk jedes Nutzers. Dabei verwenden die Menschen auf Facebook reale Daten mit realen Kontakten in realen Vorgängen.

Auf dieser Grundlage können von jedem Anwendungen entwickelt werden. Facebook hat also einen Zugang zu Ihren unvorstellbaren Mengen an Daten geöffnet. Viele dieser Anwendungen nutzen die Daten, um Kommunikation in etlichen Varianten anzubieten. Der Grund z.B., warum Menschen lieber die Facebook- Inbox benutzen, als E-Mail, ist schlicht, daß sie direkt an eine echte Identität schreiben, nicht an eine Adresse.
Gleichzeitig werden die Inhalte immer kleinteiliger. Das gilt für Texte, aber auch für Fotos und Videos.

“few people wrote books, more people write blogs, even more people write status updates (wenige schreiben Bücher, aber viel mehr schreiben Weblogs und noch mehr Status- Updates)”

Die nächste Evolutionsstufe von Facebook wird durch Facebook Connect vorangetrieben. Die Idee des Social Graph ist auch hier führend, denn “Connect” meint zuerst Freunde, dann Anwendungen, die von Facebook aus in die weite Welt des Internet getragen werden. Im übrigen sorgt der Social Graph auch dafür, daß Facebook – bei allen Problemen mit dem Datenschutz – sicherer ist, als andere Computerplattformen, denn die soziale Kontrolle von Profilen verhindert falsche Accounts. Wie bei auch bei Google, haben Klischèe und Wirklichkeit beim Thema Datensicherheit wenig gemein.

Ein Ergebnis der Plattform [für Anwendungen] war, daß viele Anwendungen entstanden sind, die nicht von den Inhabern des Unternehmens bedacht wurden. Ganz vorne: Spiele aller Art. Das war bei Apple und dem iPhone [als Plattform] ähnlich.
Dabei dient Facebook als praktischer Ausbildungsplatz für junge Programmierer – nicht als Praktikanten, sondern als selbstständige Entwickler, die dabei das Entwickeln lernen.

Da die Technologie vor allem reales, menschliches, soziales Verhalten abbildet, zeigt sie einen überaus beeindruckenden Aspekt: das Verhalten der Nutzer ist auf der ganzen Welt viel ähnlicher, als das es sich unterscheidet.

“I think you’d be surprised if you saw all the data how uniform it is. … I think that one of the most important trends over the next 10 or 20 years is how the world opens up.”

Anmerkung: Facebook ist also ein People- Internet. Im Gegensatz zu Google werden nicht die Inhalte des Web an einen Ort geholt, sondern ausgehend von einzelnen Profilen und Ihrem sozialen Netzwerk streuen sie weiter nach draussen. Für diese Ausdehnung sind vor allem die offene Entwicklungsplattform für Anwendungen und Facebook Connect verantwortlich. Dennoch bleibt Facebook eine geschlossene Plattform, die einem Unternehmen gehört, während Google auf das offene Internet setzt.

>> übersetzt & zusammengefasst aus InsideFacebok: Exclusive: Discussing the Future of Facebook with CEO Mark Zuckerberg

Der Übergang

Publiziert: 2. Juni 2009 in Trends von KMTO

Wie siehst das Internet in Zukunft aus? Der Ex-Wired Chefredakteur, Kevin Kelly, meint, es wird “The One”, die erste Maschine der Menschheit, die niemals ausfällt. Wie gesagt, EINE Maschine. Ein etwas, das in 40 Jahren die Denkkapazität der Menschheit überholt haben wird. Der Preis: Offenheit und Transparenz, denn ohne beides wird the One seine Dienste nicht ausführen können.

Dabei kommt in den Diskussionen, u.a. in den Interviews zur Webinale, immer wieder ein Begriff vor: Ubiquitous. Das Internet wird in Zukunft vor allem eins sein: Unauffällig. Im Hintergrund erfüllt es mit Leichtigkeit in jeder Bedeutung seinen Dienst.

Mashable hat eine interessante Liste von Technologien vorgestellt, die auf diesem Weg sind. Einiges gibt es schon jetzt, anderes entwickelt sich noch. Die spannendsten, weil praktikabelsten Technologien sind:

1. The Arduino – One Tough Little Italian

Ein kleines Chip- Board, daß normale Geräte an die Netzwerke anschließt. So schickt der Backofen einer Bäckerei in London Tweets raus, wenn die frischen Backwaren fertig sind. Das mag sinnlos erscheinen, aber genau das ist der Punkt: die Anwendungsmöglichkeiten sind unendlich.

2. RFID Tags & Transponders

Neben den vielen “offiziellen” Einsatzmöglichkeiten wie RFID im Ausweis oder in der Logistikette, werden die winzigen, billigen Chips immer weiter in die Welt der Dinge vordringen und die Automatisierung des Alltags voranschreiten lassen. Mit RFID bekommen Dinge eine Sprache.

3. Geomagnetic Sensors in Mobile Devices

Mapping ist die neue Lokalisierung: dank allseits verfügbarer GPS- Dienste – und wer hätte vor 5 Jahren gedacht, was wir damit neben Autofahren alles anstellen – müssen wir uns Orte nicht mehr merken. Unser direktes Umfeld hat sich enorm erweitert. Die geo-magnetischen Sensoren verfeinern die Lokalisierung durch GPS nochmal um ein Vielfaches. Das Handy wird damit ausserdem zum Kompass – also nichts wie auf in die Natur, High Tech für High Touch.

4. Optical Pattern Recognition & Augmented Reality

Die Organisation von Daten kann sehr zeitaufwändig sein. Wer seine digitalen Fotomassen sortieren möchte, kann ein langes Lied davon singen. Die Maxi- Single der nervtötenden Tätigkeiten. Neue Bilderkennungsdienste helfen aber nicht nur hierbei – sondern verbinden Daten mit der Realität, zum Beispiel bei der Anreicherung einer Umgebung mit Informationen in Echtzeit. Ein Beispiel: wir halten das Handy auf einer via Mapping gefundenen Spezialbäckerei und erfahren, was die Kunden von dem Geschäft halten und welche Backwaren dort die Besten sind.

5. OpenID, OAuth, and the Identity Graph

Das wichtigste Thema ist bei all’ dem sicher die Sicherheit, ergo Datenschutz. Offene [sic!] Verfahren zur Athentifizierung sind der Weg dorthin. Sie erst geben uns persönlich die volle Kontrolle über die Daten, die wir auf dem Weg zurücklassen oder in denen wir leben.

>> via Mashable: 7 Technologies Shaping the Future of Social Media

Twitter ist kein Fernsehen – das Twitterversum

Publiziert: 29. Mai 2009 in Beratung von KMTO

Wie Dave Winer (Cluetrainer und Blogerfinder) schon so passend sagte: Twitter ist eine Plattform, ein Basisdienst und kein Medium wie TV. Es ist, als hätten die Twitter- Erfinder eMail erfunden und jeder müsste Kunde Ihrer Company sein, um eMail zu nutzen. Es ist ein Basis- Kommunikationsdienst. Deswegen meint Dave auch, Twitter müsste seine Technologie komplett öffnen und kostenlos zu Verfügung stellen. So wie jeder das eMail- Protokoll nutzen kann.

Im Kern passiert das auch schon. In einer Geschwindigkeit, die selbst von den Twitter- Gründern nicht überschaut wird. Es sind endlose Anwendungen entstanden, die auf Twitter aufsetzen. So wie Twitter für vieles nutzbar ist – das sicherste Zeichen für einen Basisdienst – so viele Anwendungen gibt es auch. Eine gute StartUp Idee wäre es also, einen Twitter- Client zu bauen, der ähnlich wie eMail funktioniert. (Ich habe Kunden, die mich fast nur noch antwittern und ganz selten mailen).

(Nachtrag: 2h nachdem ich das geschrieben haben, ging die Meldung von Google Wave um die Welt.)

Auf Flickr hat sich jemand die Mühe gemacht, dieses Twitterverse (Twitter + Universum) bildlich darzustellen. Nach diesem Anblick hat man eine viel bessere Idee, was Twitter in Wirklichkeit ist (weitere Infos zu den Apps in den Kommentaren auf Flickr und hier:

Das Twitterverse: Twitter und seine Anwendungen

Cloud Computing & Marketing – The Brand in the Cloud

Publiziert: 29. April 2009 in Strategie, Trends von KMTO

Vergessen wir einmal die ganzen Diskussionen rund um das Web 2.0 und gehen zurück, oder besser tiefer. Das große Geschäft wird nicht in den Social Networks gemacht, sondern immer noch bei den Technologieanbietern. Genau diese rufen nun eine fundamentale Wende in der IT-Industrie aus:

“By any terms, Cloud Computing will change the IT industry. (Eric Schmidt, Google)”

Die Rede ist von der vierten Welle der Entwicklung der Informationstechnologien:

  1. Mainframe computers in the 1950’s and 60’s
  2. PC’s in the late 70’s and 80’s
  3. The Internet in the 90’s
  4. Connecting devices to people

Punkt vier ist ohne Cloud Computing nicht denkbar. Es ist die technologische Basis für eine ganze Reihe nachhaltiger Entwicklungen in der IT und im Web. Und wirklich – sehr viele Menschen nutzen bereits Cloud Computing ohne es zu wissen.
Da Amazon mit dem Angebot von Cloud Diensten vorraussichtlich mehr Geld verdienen wird, als mit dem Verkauf von Büchern, haben sich viele Unternehmen in kürzester Zeit förmlich auf das Thema gestürzt. So darf es nicht wundern, wenn der Begriff Cloud Computing sich schneller entlang der Gartner Hype Cycle Welle entwickelt, als viele andere.

Natürlich hat das Auswirkungen auf das Marketing. An die Stelle von Informationen treten Daten und die Anwendungen, die man mit diesen Daten entwickeln kann. Das betrifft so ziemlich jeden Software- Anbieter, mittelfristig aber auch deren Kunden.
Es betrifft also auch nicht- technische Bereiche, denn deren Art mit den Kunden zu interagieren dürfte sich ebenso fundamental ändern -> siehe Healthcare as a Service, Media as a Service, siehe die Strategie der New York Times.

Genau an dieser Stelle werden in den nächsten Jahren spannende Effekte entstehen. Wenn nicht nur Information und Kommunikation sozial werden, sondern auch Anwendungen, so meine Prognose, werden sich diese Anwendungen automatisch ändern. Sie werden aufgrund vieler struktureller Prozesse “in der Wolke” radikal am Kunden entwickelt. M.a.W. Software as a Service, viel radikaler gedacht.

Ich hatte gestern das Vergnügen im Rahmen der Adobe Marketing Lectures das Thema und seine Implikationen auf die Branche zu umreissen:

The Brand in the Cloud