Posts Tagged ‘Politik’
Die Präsentation vom DLD “Internet Politics Studie” sammelt alle möglichen Zahlen zum Internet- Wahlkampf, zu Maßnahmen von Politikern und Parteien in USA und Deutschland, sowie zu den Nutzern im Web 2.0. Die Studie durchleuchtet zugleich das Potenzial des Web 2.0 für Wahlkampf- Aktivitäten. Man sollte sie also gesehen haben. Sie ist zum Glück auch schnell verarbeitet.
Kernbegriffe:
- cybergen statt telegen
- videocracy (video + democracy)
- people powered politics
Fazit:
“Die klassischen Medien spielen weiterhin die meinungsbildende Rolle. Das Netz wird jedoch immer wichtiger. Die Web-Nutzer zählen zur Info-Elite und sollten als wichtige Multiplikatoren betrachtet werden.” Dabei liegt das Web als Newsquelle mit dem TV gleich auf.
Viel Spaß beim Lesen:
Bekanntermaßen sehe ich politische Kommunikation als Königsdisziplin der Kommunikation. Entsprechend spricht mir dieser SpOn- Artikel über das Strickmuster von Politikern aus der Seele. Klassische Eigenschaften eines Politikers sind:
“Der erfolgreiche Politikertypus solcher Fasson verbindet politischen Instinkt, Populismus, Stimmungs- und Problemsensibilität, Konzentration auf das Wesentliche, virtuose Medienpräsenz und Pragmatismus miteinander. Er muss eine immens facettenreiche Gestalt sein, muss als Projektionsfläche für verschiedene Bedürfnisse, Einstellungen und Kulturen taugen”
Dazu kommen in der modernen “Diskussions- Demokratie” folgende Eigenschaften:
“kommunikative Fähigkeiten … muss koordinieren, vermitteln, ausgleichen, delegieren, einbinden, vernetzen, überzeugen können.”
Eigenschaften, die beide auf Obama zutreffen. Er ist der klassische Aufsteiger, der sich durch alle Instanzen gekämpft hat. Er ist zunächst Machtpolitiker. Denn es geht nur darum: Macht, nicht Glaubwürdigkeit, sagt der Autor. Soziale Kompetenz kann nur der:
“effektiv verwenden und durchsetzen, der durch Energie, Disziplin, Kaltschnäuzigkeit und Machtwillen auch Konkurrenten beeindruckt, ja einschüchtert, sie mit Härte in der Minderheit hält. Kommunikative Führung gelingt nur demjenigen, der über sehr viel Autorität, Zielstrebigkeit und Gefahreninstinkt verfügt.”
Wenn also im diesjährigen “Wahlkampf 2.0″ Authentizität gefragt ist, dann vor allem, um eben diese Eigenschaften zu kommunizieren. Vielleicht hilft das auch, diesen Begriff zu klären. Oder wie es Franz Walter, 52, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Göttingen und Autor des Artikels so schön sagt:
“Ein Politiker, der ein “grundehrlicher Kerl” sein möchte, wäre eine katastrophale Fehlbesetzung.”
Ich denke, hier wird der innere Betrieb der Politik sehr treffend dargestellt. Um in Entscheiderpositionen zu kommen, muss ein Politiker diese Eigenschaften haben. Zugleich ist er davon geprägt.
Ich denke aber auch, daß das nur die Basis sein kein. Eine zweite Seite wurde schlicht vergessen. Glaubwürdigkeit wird hergestellt, wenn ein Politiker diese Fähigkeiten gekonnt verkörpert, denn dann vertritt er die Interessen seiner Wähler, spricht mit Ihren Worten. Obama ist ja eher zufällig zum Präsidentschaftskandidaten geworden. Eben weil er in einem passenden Moment die Gefühle der anwesenden Demokraten voll getroffen hat und weil diese instinktiv wussten, daß er auch die Gefühle vieler Amerikaner trifft. Er hat sich also nicht nur als Macht- bewusster Politiker hoch gearbeitet, sondern auch mal nach draussen geschaut. Selbst die Umsetzung seiner Politik zeugt von offenen Ohren. Inhalte und Sprache machen Ihn glaubwürdig, entschiedenens Auftreten macht ihn wählbar. Er ist ganz sicher nicht der Internetpräsident oder der Präsident 2.0. Obama ist zunächst ein Zufall, der neben den klassischen Eigenschaften eines Politikers auch die grundsätzlichen eines Demokraten (2-deutig ;-) erfüllt. Er weiss, für wen er das macht. Das Internet ist einfach ein guter Rückkanal aus dem Volk, aber nicht der Einzige.
>> via SpOn: Wieso Politiker nicht die Klügsten sind
“- Two thirds of people don’t trust newspaper articles.
- 62% of adults in 20 countries trust companies less than they did a year ago
- Trust in government is even lower.”
Alarmsignale. Wenn in der (prof.) Kommunikation etwas nicht funktioniert, wird oft an den Maßnahmen gedoktert. Das ist zumeist richtig, verfehlt aber die Wirkung, wenn der Boden fault.
Nehmen wir die Werbung. Ein Teufelskreis der letzten 15 jahre: Emotion wurde zum Hauptträger der Botschaft. Die Idee war gut, allein – diesen Kampagnen wohnt ein verführerischer Satan inne, “die Oberfläche”. Man rutscht so schnell in das, was wir Werber Lametta nennen, daß über die Zeit der Inhalt, die Substanz verloren gehen. Wenn Werbung immer mehr darauf getrimmt wird, zu erregen, vergessen dessen Macher, daß mit der Erregung auch eine Befriedigung einhergehen muss. Die Unglücksformel lautet: grundsätzliches Mißtrauen + emotionale Erregung + fehlende Befriedigung + zunehmende Oberflächlichkeit = komplettes Abschalten. Das ist menschlich verständlich, ja notwendig. Desto mehr stürzten sich die Leute auf Kampagnen, die noch Inhalte anzubieten scheinen, wie z.B. Dove.
Nun scheint es, daß diese Oberflächlichkeit die ganze Gesellschaft erreicht hat. Wirtschaft und Politik ergehen sich in Scheinmaßnahmen, die bürokratisch bearbeitbar sind, oder für die Medien taugen. Im gleichen Maße, indem ein ganzes System so funktioniert, wird es immer schwerer Rückgrat zu beweisen. Da diese Stabilität als Grundlage für Inhalte immer mehr fehlt, sind die Ergebnisse immer desaströser. Mitten im Debakel erscheint Obama. Diese Männer gab es schon immer, aber jetzt werden sie förmlich nach oben gespült.
Haben sich jemals so wenige Menschen für Davos interessiert wie jetzt? Ich denke nein. Und der Grund ist Vertrauen:
“It can no longer be Moses from the mountaintop.” You have to inform your employees and enable them to blog, for they’ll talk anyway. Communication moves from messaging to informing the conversation, he said. If one can trust companies — only 29% do. Government is worse; only 27% trust what they say.”
Offensichtlich stehen wir vor einem Scherbenhaufen, einer Gesellschaft der Schlagworte. “Sonderkommando Preis” textet Karstadt unfreiwillig daneben. Man folge dem Link, um das Ausmaß des Erschreckens zu verstehen. Genauso schlagartig reagiert aber auch die Gesellschaft.
Nehmen wir Hr. Mehdorn. Der Abgleich von Namen und Adressdaten zwischen Mitarbeitern und Lieferanten, um mögliche Korruptionsfälle zu identifizieren, ist noch lange kein Abhörskandal. Das Verbot, interne Dokumente öffentlich zu stellen, kein Verbrechen. Scheinbar nimmt sich Niemand mehr Zeit, auch nur den kleinsten Kontext zu prüfen, bevor die große Glocke geschlagen wird.
Ja, der CCO muss auch sagen können: nein, wir lassen das stehen, aus dem und dem Grund. Schuld trägt nicht nur der Sender, sondern auch die Empfänger, die bewusst oder unbewusst falsch interpretieren! Wenn ein New Yorker die Stadt Memphis Scheisse findet, so muss er das sagen dürfen, ohne gleich einen Skandal auszulösen. Es ist seine persönliche Meinung und die nahezu aller New Yorker. Es ist ehrlich. Auch oder gerade wenn der globale Riesen- Kunde in einem Kaff residiert. Ich habe meinem Ex-Arbeitgeber auch gesagt, daß man keine Produkttests für ein globales Angebot im Coburger Kindergarten machen kann. Es ist nun einmal so.
Denn ohne Ehrlichkeit gibt es kein Vertrauen. Und wer das abstraft, DER gehört an den Pranger! Sind wir so verdammt Kritikunfähig geworden? Ist das die furchtbare Dekadenz unserer Gesellschaft?
>> via Davos Diary: Jeff Jarvis on The Lack of Trust und Edelmann: Trust Barometer
Alle Politiker, die emsig über den Erfolg von Obama nachdenken, sei dies auf den Weg gegeben. Und allen Unternehmen auch. Vorher brauchen Sie die neuen Technologien nicht einsetzen.

Der erste Twitter Präsident der Welt
-> “Following me” bedeutet, daß Obama lesen kann was 40licious schreibt und umgekehrt. Damit kann jeder jederzeit den Präsidenten direkt “ansprechen”.
Was für ein Typ sind Sie? Ich meine so als Mensch. Ist Ihr Fernseher 20 Jahre alt? Fahren Sie bewusst ein Auto mit der Technologie der 70iger? Sind sie gerne unter Menschen? Oder lieber so ein ländlicher Eigenbrötler? Sind Sie eher so ein Obama oder ein McCain? So als Mensch meine ich.
Wenn Sie eher ein Obama sind, dann nehmen Sie sich seinen Leitsatz zu Herzen:
Er sagt nicht, daß er den Wandel bringt. Er sagt, daß er daran glaubt, daß wir alle den Wandel bringen. Wir.
Ob Obama gewinnt, ob er wegen der perfekten Webstrategie gewinnt oder nicht, ich denke das ist unwichtig. Er gewinnt*, weil er eine Mission hat. Die Medien sind nur der natürliche Reflex, diese Mission auch zu kommunizieren. Eine Botschaft ohne Ansehen des Mediums sozusagen.
Und jetzt nehmen Sie sich ein Beispiel und machen es so wie er. Oder sind Sie eher ein McCain?
“Internet Usage in United States
United States Population: 303,824,646
Internet Usage: 220,141,969
Penetration rate: 72.5%
Growth from 2000-2008: 130.9%
Stats from Internet WorldStats (Census, Nielson)
Facebook
Obama: 2,379,102 supporters
McCain: 620,359 supporters
Obama has 380% more supporters than McCain
MySpace
Obama: Friends: 833,161
McCain: Friends: 217,811
Obama has 380% more supporters than McCain
YouTube
Obama: 1792 videos uploaded since Nov 2006,
Subscribers: 114,559,
Channel Views: 18,413,110
McCain: 329 videos uploaded since Feb 2007,
Subscribers: 28,419,
Channel Views: 2,032,993
Obama has 403% more subscribers than McCain
Obama has 905% more viewers than McCain
Twitter
Obama: @barackobama has 112,474 followers
McCain: @JohnMcCain (is it real?) 4,603 followers
Obama has 240 times more followers in Twitter than McCain”
*Don Tabscott in einer Livevideoschaltung gestern auf dem DNAdigital
>> Zahlen via Forrester:Snapshot of Presidential Candidate Social Networking Stats: Nov 3, 2008
“MaximeVerhagen: Minister Nakasone herhaalt namens zijn regering dat Japan oprechte…”
Meine Web Expo Bekanntschaft aus den Niederlanden www.twitter.com/vanmaanen machte mich mit seinem Aussenminister bekannt – via 2.0 natürlich.
Auf dessen Weblog sieht man seinen Aufenthaltsort, News wie die obige und Hintergrundgedanken. Zudem twittert der moderne Minister in einer intelligenten Mischung aus News, Hintergrund und Dialog. Mein Holländisch reicht für ein einfaches Verstehen und die Erkenntnis, das die Niederlande seit 160 Jahren diplomatische Beziehungen mit Japan haben, aber seit 400 Jahren Handel treiben. Twitter ist in Japan Volkssport. Sie werden den Minister aus unserem Nachbarstaat lieben.
>> Minister Weblog:http://www.hierisministerverhagen.nl/
>> Minister Twitter: http://twitter.com/MaximeVerhagen
- Live vom Social Web Breakfast – dem Abschluß der Berlin Web Week –
Im Gespräch Julia Seeliger von den Grünen als Beispiel für Politik und Web:
- eigenes Weblog, einfache Vorlage, kaum verändert, bekanntestes Politiker- Weblog in Deutschland
- Bekannter aus der Szene: Markus Beckedahl von netzpolitik.org
- war bei der Jugendorganisation, überraschend in wichtiges Parteigremium berufen
- Mediennutzung innerhalb der Partei: ganz intim: Telefonkonferenz, intim: Mailingliste, öffentlich: Weblog
- Aktion DSDP – Deutschland sucht den Parteivorsitzenden war sehr erfolgreich (Umfrage auf dem Weblog, wer der neue Parteivorsitzende werden soll); bewusst über TAZ verbreitet und kleiner Beitrag im Spiegel
- gern: Facebook, Twitter; weniger gern: MySpace
- die Grünen: keine eigene Plattform, derzeit alle auf Facebook – ist aber in Vorbereitung
- bei den Grünen twittern sehr viele
- keine Angst vor der Speicherung der Aussagen auf Twitter – unterscheidet zwischen bewusster Schädigung (Wörter verdrehen etc. – kann man gegen vorgehen) und offener Diskussion
- Authentizität ist grundsätzlich ein Thema
- 2-3h am Tag, aber eigentlich nebenbei und es geschieht sowieso vieles paarallel
- sieht von jeher wenig fern
Kommentar FDP: keine Konkurrenz zwischen Parteien, gemeinschaftlich eine gute Basis für digitale Strategien schaffen, weil das Internet eine großartige Plattform für den demokratischen Austausch ist
Unterschied YouTube: FDP von der Fraktion (Parlament), bei den Grünen aus der Partei (Organisation)
Mein Kommentar: ein erfrischend normaler, untechnischer Blick auf das Thema Web 2.0 und den Umgang mit Themen, Lesern, Kommentaren, Beiträgen und Links.
>> siehe auch: SWB Berlin