Lange hat es gedauert, aber in den letzten zehn Jahren haben sich die wichtigsten Maßnahmen im digitalen Marketing in den Unternehmen scheinbar durchgesetzt. Das geht aus Zahlen hervor, die Renate Ecke in Ihrem Blog publiziert:
2009 ist das Email-Marketing mit mehr als 30 Prozent weiterhin führend.
Die Bereiche “Display” und “Search“ liegen insgesamt bei fast 25 Prozent.
70% der befragten Werbetreibenden in Europa ihre Online-Werbung erhöhen.
über 60 Prozent sind der Ansicht, dass sie ihre Zielgruppen online besser erreichen,
mehr als 40 Prozent setzen auf Online- statt auf Offline-Media (Europa)
höhere Reichweite, Schnelligkeit und Flexibilität beim Branding
Das Bild bestätigt die Zahlen z.B. aus UK, wo Digital bereits Leitmedium im Marketing ist. Wurden “eMail” und “Search” lange Zeit vernachlässigt, gehören Sie nun zu den grundlegenden Säulen im digitalen und damit im Marketing überhaupt.
Ebenso wenig erstaunt, daß Social Media, virales Marketing, Word-of-Mouth und Internetvideo zu den Wachstumsbereichen gehören. (Wo ist hier eigentlich “Mobile“?) Es darf allerdings nicht vergessen werden, daß nur eine solide “Klassik” die Grundlage für digitales Marketing legt.
Harvard bringt ein spannendes Beispiel, in dem ein Blog für das Management einer Organisation (RISD) genutzt wurde. Die Wirkung des Web 2.0 für organisatorische Prozesse ist meines Erachtens nachhaltiger, als für klassische Marketingmaßnahmen – weshalb ich das Beispiel für wichtig halte. (So könnte man auch ein Marketing- Blog für das Management der Kundenbeziehungen nutzen.)
Die wichtigsten Ergebnisse:
1) Ein Blog hat eine eigene Bedeutung innerhalb der sozialen Kommunikation einer Organisation.
2) Informelle Kommunikation findet Ihren Weg an die interne Öffentlichkeit. Management- Entscheidungen können sofort überprüft werden: wurden sie verstanden? Was ist noch unklar? Das Blog wird zum Feedback- Kanal der Organisation! Dabei ist das Verhalten nicht anders als im realen Leben, auch wenn das Blog nicht moderiert ist.
3) Persönliche, aber auch organisatorische Beziehungen erhalten eine neue, offene Dimension und werden reichhaltiger.
4) Kommunikationshierarchien lösen sich auf, nicht aber Entscheidungswege – worauf explizit hingewiesen werden sollte. Mitin bekommen MItarbeiter, die sich stark engagieren, aber sonst nicht gehört werden, einen Anteil an der macht.
Zudem wurden sehr einfache und vertsändliche Regeln für den Umgang miteinander aufgestellt, von denen andere Communities lernen können:
Die Mutter-Regel: Mach nichts, was deine Mutter vor Scham erröten lassen würde.
(Mom’s Guideline: Please refrain from swearing and other behavior that might make your mother (or father, or guardian) disappointed in you.)
Die Party-Regel: Was hier geschieht, bleibt auch hier.
(Vegas Guideline: What happens in two.risd, stays in two.risd.)
Die Aufmerksamkeits-Regel: Beginne immer am Anfang des Beitrags.
(Catchup Guideline: Start from the very beginning of the posts/comments to best acclimate yourself before posting.)
Die Anwalts-Regel: Alles muss mit den Gesetzen konform gehen.
(Lawyer’s Guideline: Everything posted on two.risd needs to comply with the law.)
Eine qualitative Studie unter 172 Community Nutzern zeigt interessante Zahlen zur Gestaltung und Bewerbung von Communities. Es wurden 14 große Netzwerke und 46 Communities befragt.
Gefragt wurde nach Präferenzen der Nutzer oder der Unternehmen, Wirkungszusammenhänge sind also mit Vorsicht zu geniessen (also z.B. die Frage ob Flyer wirken). Dennoch gibt es ein paar Klassiker. So funktioniert Mund-zu-Mund- Empfehlung am besten. Gestützt wird diese von direkten Online- Maßnahmen zum Crowdsourcing (Werbung).
Die wichtigsten Funktionen dienen den Nutzern, um mit bestehenden Freunden in Kontakt zu bleiben (Kostenloser Zugang, Geburstagserinnerung, Suchfunktion etc.). Die typischen Verdächtigen zur Motivation der Nutzer wie Ehre und Selbstdarstellung sind hingegen – zumindest in der direkten Befragung – relativ unwichtig.
Die Nutzer sind in bis zu maximal drei Communities aktiv – dabei bezeichneten sich 87% der Befragten als aktive Nutzer. Interessant ist der hohe Aktivitätsgrad in Facebook, der als Einziger nicht mit der Anzahl der Mitglieder korreliert.
Spannend wäre eine Unterscheidung hinsichtlich der Erfahrung der Nutzer gewesen, da neue Nutzer typischerweise nur einen Teil der Funktionen nutzen und wünschen und erst später nachziehen.
Der neue eCommerce Leitfaden in der 2. Auflage ist da und möchte wie immer Unternehmen helfen, die sich noch nicht oder nur wenig mit eCommerce beschäftigen. Dazu gibt es auf 317 Seiten auch Hinweise zum Geschäft ins Ausland. (Kostenloser Download auf dieser Seite unten.)
“Viele Unternehmen lassen sich dadurch von einem Engagement im [eCommerce] abschrecken oder stellen ihre Aktivitäten entmutigt wieder ein. Genau hier setzt dieser Leitfaden an.”
Der Leitfaden ist ein praktischer Wegweiser durch die Welt des eCommerce und beschäftigt sich in Texten, grafischen Übersichten, Checklisten, Tabellen und einem Fallbeispiel u.a. mit
Shop-Auswahl
E-Commerce-Recht
Zahlungsabwicklung
das Risiko- und Forderungsmanagement
Verkauf ins Ausland
Der eCommerce Leitfaden ist eine Gemeinschaftsaktion und kann hier kostenlos geladen werden:
Was für die Nutzer des Internet zutrifft, nämlich der Bedarf an schnellen Informationen, effektiver Kommunikation und ein gutes Netzwerk, zeigt auch die drei Bereiche, in denen die Marketing- Kommunikation arbeitet.
Aus Sicht der Kommunikation dient das Internet der Information -> Kommunikation -> Vernetzung. In der klassischen Sprache wären das z.B. Broschüren (= Website 1.0) -> Werbekampagnen (= Banner + Adwords + Virals) -> Direktmarketing und Events (= Web 2.0).
Bei der Übertragung von der Klassik in das Web werden Anpassungen nötig, die sich zum einen aus den Technologien ergeben und zum anderen aus der Art der Informations- Aufnahme der Nutzer. Je weniger Informativ und je stärker kommunikativ eine Maßnahme ist, desto größer schlagen die Eigenschaften des Medium durch.
Ein Beispiel für Online- Crossmedia- Marketing wäre es, wenn alle drei Bereiche zusammen kommen, jeder dabei nach seinen Eigenschaften umgesetzt wird und dabei direkte Verkäufe auslösen – die Elemente sind ja jeweils nur einen Klick weit entfernt.
Eine Brücke zwischen den beiden Marketing- Welten, die enorm interaktiv ist, sind Maßnahmen im Servicebereich – umgesetzt als Anwendungen. Dieser wird leider selten beachtet, dabei sind Anwendungen nicht nur beliebt und hilfreich, sondern auch schwer im kommen.
Das beste Beispiel für den Einsatz des Web 2.0 in kleinen Unternehmen findet sich ohne Frage bei Kirstin Walther, Inhaberin des Saftblogs und der Kelterei Walther, In einfachen und klaren Worten beschreibt Fr. Walther die Anfänge und den Verlauf des Bloggens, sowie die Vorteile und den Einfluß auf die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens.
Hier die Mitschrift des Video- Interviews:
- ungeplanter Start des Weblog, der Start des Frosta- Blogs war Beispiel und Anregung
- früher Start mit dem Bloggen war ein Glück, dadurch Verbreitung
in vielen Weblogs, die sich mit dem Thema Web 2.0 beschäftigen
- wenig Erwartungen am Beginn, dadurch auch die Leser gefragt, wodurch sich von Anfang an ein Dialog ergab
- mehr Kunden online, als mit stationären Kunden im Bezug zum Ladengeschäft
- am Anfang zwischen 50-100 Besucher auf dem Blog am Tag - wegen der einfacheren Abwicklung einen Shop eingerichtet, der von selbst wuchs (statt umgekehrt)
- Einfluß nicht nur aufs Online- Geschäft, sondern vor allem den Bekanntheitsgrad der Marke
- durch das Bloggen selber gab es viel PR in den Fachmagazinen (Interesse an Technologie als PR Botschaft an sich, das ist für viele Branchen möglich)
- keine zusätzlichen Maßnahmen, ausser: zum Test kleine Anzeigen mit Link auf Blogeinträge (inhaltliche Werbung); Blogadresse auf den Produkten (Thema: “Hinter die Kulissen der Kelterei”)
- alles in allem hat das Blog einen großen Einfluß auf die wirtschaftliche Entwicklung -> Verdopplung des Umsatzes von 2006 bis heute
- größter wirtschaftlicher Effekt: Einfluß auf die Händler durch die sehr positive Mund-zu-Mund-Propaganda (indirekte Ergebnisse)
- also stärkerer Einfluß auf das B-2-B Geschäft, als auf den Direktverkauf
“Man muss Lust haben, mit seinen Kunden zu kommunizieren”
“Offen sein für Kritik und Lust dazu”
“Das Interesse für Hintergrundinformationen der Branche ist da” Kirstin Walther
- Weblog und B-2-B: Händler freuen sich über Informationen, die sie weitergeben können
- Twitter: neues Medium, Sie brauchte ein paar Monate, um das Medium zu verstehen
- Twitter ist geeignet um Interessenten, mehr noch als Unternehmen, zu binden
(aber kein Telefon- Twitterer, “zu aufwendig”)
- Twitter hat sehr praktische Werkzeuge inzwischen, um z.B. relevante Beiträge
zu finden
- Twitter ist auch ein Lerntool, z.B. sind bei den Amerikanern sehr interessante Beispiele
zu finden (siehe “Wholefoods“)
- bei Fragen zum Saft kann man wieder ausführlichere Blogbeiträge verlinken
- dank Twitter zum ersten Mal einen PR Beitrag in der SuperIllu, die im
Osten Deutschlands viel gelesen wird
“Web 2.0 wird in Unternehmen stattfinden, auch wenn sie es nicht nutzen” Kirstin Walther
Ergänzende Fragen von mir:
Wie erfolgreich waren die Anzeigen?
Wird oder gibt es weitere Aktivitäten in den Social Networks geben (Xing, Facebook, Wer kennt wen)?
Wieviel Zeit kostet der Einsatz von Blog und Twitter? Wie ist das Aufwand / Nutzen- Verhältnis?